„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Nach zehn Jahren schließt Verena Klaus-Bohle am 7. August ihren Blumenladen in Sichtigvor

Nach zehn Jahren Selbstständigkeit in Sichtigvor schließt Verena Klaus-Bohle am 7. August ihr Blümenstübchen an der Möhnestraße 80, um sich beruflich noch einmal völlig umzuorientieren.
+
Nach zehn Jahren Selbstständigkeit in Sichtigvor schließt Verena Klaus-Bohle am 7. August ihr Blümenstübchen an der Möhnestraße 80, um sich beruflich noch einmal völlig umzuorientieren.

Nach zehn Jahren Selbständigkeit in Sichtigvor schließt Verena Klaus-Bohle am Samstag, 7. August, ihren Blumenladen an der Möhnestraße. Rückgängige Kunden- und Auftragszahlen seien dafür nicht der Grund, die 39-Jährige will sich beruflich umorientieren.

Sichtigvor - Wenn zu einem der Schützenfeste im unteren Möhnetal der Vogel von der Stange gefallen war und in Windeseile zahlreiche Dinge organisiert werden mussten, stand im Laden von Verena Klaus-Bohle an der Möhnestraße in Sichtigvor das Telefon nicht still.

Vor allem Königin und Hofdamen aus Waldhausen, Mülheim und Sichtigvor machten gern vom direkten Angebot im Kirchspiel Gebrauch, um ihre Blumensträuße für den Festumzug in Auftrag zu geben. Oft wurden Sammelbestellungen für den gesamten Hofstaat gemacht, welche die Ladeninhaberin sogar zum Königshaus lieferte.

Sollte es im kommenden Jahr wieder Schützenfeste geben, muss für den Blumenservice eine Alternative her. Denn Verena Klaus-Bohle schließt ihr Geschäft. Nach zehn Jahren Selbstständigkeit in Sichtigvor öffnet sie am Samstag, 7. August, um 8.30 Uhr zum letzten Mal in gewohnter Weise ihre Ladentüren. Dann endet der reguläre Betrieb. Ende des Monats, vom 27. bis 29. August, wird es noch einen kompletten Ausverkauf der restlichen Waren im Laden zu Sonderkonditionen geben. Alle Dekorationsartikel im Sortiment der Floristin sind jetzt bereits um 20 Prozent im Preis reduziert.

„Bis zum 7. August werden auch noch Gutscheine angenommen“, so die 39-Jährige. Jeder sollte nachsehen, ob es noch offene Beträge gibt, rät sie. „Denn es wäre ja schade, wenn die Gutscheine nun verfallen würden.“

Sicherlich nicht positiv auf das Geschäft ausgewirkt hat sich, dass sie wegen der Pandemie zeitweise schließen musste und es nun schon zwei Jahre lang keine auftragsreichen Schützenfeste und andere Großveranstaltungen mehr gegeben hat, zu welchen sie Sträuße und Blumenschmuck liefern konnte. Dennoch liege die baldige Geschäftsaufgabe nicht an den Folgen der Pandemie, so die Floristin. Rückgängige Auftrags- und Kundenzahlen seien definitiv nicht der Grund, versichert die Sichtigvorerin. Im Gegenteil: Kunden aus dem Ort schätzen ihr Angebot an Blumen und Dekoration und werden den einzigen Blumenladen im Kirchspiel ab August wohl vermissen. „Ich will jetzt einfach noch einmal etwas anderes machen und mich beruflich umorientieren“, sagt sie. „Sie lebe im gleichen Gebäude, wo auch ihr Blumenstübchen untergebracht ist. „Das Arbeiten und Wohnen am gleichen Ort wird zu viel, ich muss raus aus den vier Wänden“, erläutert sie und ergänzt: „Nächstes Jahr werde ich 40 Jahre alt. Also wenn nicht jetzt, wann dann? In zehn Jahren wage ich den Schritt sicherlich nicht mehr.“ Nach der Ladenschließung wird Verena Klaus-Bohle zukünftig als Postzustellerin im Kreisgebiet unterwegs sein. Ihr Wohnsitz wird aber weiterhin in Sichtigvor bleiben.

Seit fast 25 Jahren ist die Floristin im Job, hatte vor dem Schritt in die Selbstständigkeit bereits 15 Jahre lang in Bad Sassendorf gearbeitet und dort auch ihre Ausbildung absolviert. 2011 hat sie „Verenas Blumenstübchen“ eröffnet - zunächst an der Möhnestraße 101, wo inzwischen der „Mülheimer Mittelalter- & Bogen Shop“ eingezogen ist. Vor knapp vier Jahren ist aus persönlichen Gründen der Umzug des Blumenstübchens auf die andere Straßenseite erfolgt. Dort war zuvor noch ein Schreibwarengeschäft mit Lottofiliale untergebracht.

Nun schließt ein weiteres Geschäft in Sichtigvor. Wirtschaftsförder Dirk Risse bedauert dies. „Jedes schließende Geschäft ist ein Verlust für unsere Stadt und wir hoffen, dass das Lokal schnell wieder besetzt wird.“ Auch Verena Klaus-Bohle ist etwas wehmütig. „Aber ich freue mich auf meine neuen Aufgaben.“ jif

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare