"Raser sorgen für Negativ-Image"

Nach Unfällen auf der Sauerlandstraße - Fahrlehrer fordert mehr Polizei-Kontrollen

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Fahrlehrer Ralf Behme hat laut eigenen Angaben rund eine halbe Million Kilometer auf dem Motorrad zurückgelegt.

Zu Beginn der Motorradsaison gab es mehrere schwere Unfälle auf der Sauerlandstraße zwischen Hirschberg und Niederbergheim. Wir haben mit Fahrlehrer Ralf Behme gesprochen - er erklärt, was die Strecke für Motorradfahrer so besonders macht.

Hirschberg/Niederbergheim – Mit gleich drei Unfällen innerhalb kurzer Zeit wurde die Motorrad-Saison auf der Sauerlandstraße zwischen Hirschberg und Niederbergheim am 15. März schmerzhaft eröffnet. Weitere Unfälle sollten an den folgenden Wochenenden folgen. Dass sich die Unfälle auf dieser Strecke grade zum Saisonstart häufen, kommt für Ralf Behme, Fahrlehrer und leidenschaftlicher Motorradfahrer aus Warstein, nicht überraschend.

 Die Sauerlandstraße biete für Motorradfahrer das volle Programm: „Die Strecke ist einfach schön. Es gibt lange Kurven, enge Kurven, Kurvenkombinationen – da ist alles dabei“, beschreibt Ralf Behme, was die Verbindungsstrecke zwischen Hirschberg und Niederbergheim für ihn so besonders macht.

"Nicht das Hirn ausschalten, wenn man den Helm aufsetzt"

Doch bei allem Enthusiasmus: „Am wichtigsten ist, dass man als Motorradfahrer nicht das Hirn ausschaltet, wenn man den Helm aufsetzt.“ Viele Zweiradfahrer würden sich laut Behme zu Beginn der Saison überschätzen – „getreu dem Mottto: Das Wetter ist gut, lass’ gehen!“ Doch selbst Ralf Behme, der laut eigenen Angaben rund eine halbe Million Kilometer mit dem Motorrad zurückgelegt hat, startet seine Saison stets mit einem Fahrsicherheitstraining. „Man braucht eben immer eine gewisse Zeit, um wieder in den Rhythmus zu kommen.“ 

Ein solches Training empfiehlt er allen Motorradfahrern, bevor es nach der Winterpause auf Tour geht. Der Fahrlehrer vermutet, dass den auf der Sauerlandstraße verunfallten Fahrern dieser Rhythmus fehlte. „Hinzu kommt, dass es sich bei ihnen nicht um ortskundige Fahrerinnen und Fahrer handelte. Wenn ich eine Strecke – vor allem eine derart kurvige – nicht kenne, muss ich immer dementsprechend fahren.“

Waldrodungen sorgen für Probleme

Die massiven Waldrodungen an der Sauerlandstraße sorgen laut Behmes Einschätzung zudem für einen gefährlichen Trugschluss: „Manche wiegen sich in Sicherheit und glauben, die Kurve gut einsehen zu können, unterschätzen sie dann aber erst recht.“ Behme betont, dass ein Großteil der Motorradfahrer „vernünftig“ fahre und diejenigen Fahrer, die ihr Motorrad als Rennmaschine benutzen, für ein Negativ-Image von allen Motorradfahrern sorgen. 

Ähnlich sehe es aus, „wenn in letzter Konsequenz eine Strecke für Motorradfahrer gesperrt wird. Da müssen am Ende auch die Fahrer büßen, die vorschriftsmäßig fahren.“ Um der Raserei „von Gaskranken, die die Strecke rauf und runter fahren und sich dabei filmen“ entgegen zu wirken, bedürfe es laut Ralf Behme mehr Polizei-Kontrollen, vorwiegend mit Zivil-Fahrzeugen. Entschärfungsmaßnahmen wie die Querrillen vor der 180-Grad-Kurve im Bereich des Stimm-Stamms seien nur wenig zielführend: „Die, die da schnell fahren wollen, fahren mit 50 oder 60 Sachen da drüber, beschleunigen dann und kommen trotzdem mit 100 km/h durch die Kurve.“ 

Doch selbst wenn Motorradfahrer verantwortungsbewusst fahren, können sie auch einfach nur Pech haben: „Man muss immer mit der Blödheit der anderen rechnen“, sagt Ralf Behme mit Blick auf Auto-, Lkw- oder Traktor-Fahrer, die ebenso nicht selten verantwortlich für schwere Motorradunfälle sind. Ihr Vorteil ist jedoch: Ihnen passiert meistens nichts.

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