Nach Kloster-Rauswurf sind Museums-Pläne abgehakt

MÜLHEIM/SICHTIGVOR ▪ Die Irritationen und das Unverständnis über das Handeln des neuen Kloster-Miteigentümers Joachim Ney lagen Dienstagnachmittag noch belastend in der Luft, als ein gutes Dutzend Aktive des „Arbeitskreises für Heimatpflege“ für die Ausstellung „Das fliegende Auge“ kurzerhand umdisponierte – und dabei am Ende mehr als zufrieden über die spontan gefundenen Alternativ-Räumlichkeiten waren.

Die Schau mit atemberaubenden Luftbildern des Fotografen Hans Blossey wird nun am Sonntag, 11. April, um 11 Uhr in der Licht-durchfluteten Kassenhalle der früheren Volksbank-Filiale Sichtigvor eröffnet. Die gesamte Bevölkerung ist herzlich eingeladen. Sosehr der Heimatverein sich darüber freute, die Ausstellung mit 72 spektakulären Luftaufnahmen aus dem südwestfälischen Raum zwischen Siegen und den Beckumer Bergen nun in einem angemessenen Rahmen an fünf Sonntagen jeweils von 11 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zeigen zu können, so wenig konnten sich die Aktiven erklären, was den Kloster-Miteigentümer bewogen haben könnte, heftige Kritik am Verhalten des Heimatvereins-Vorstandes zu üben, schließlich dem Vorsitzenden Peter Marx Hausverbot zu erteilen, mit einem geharnischten Schreiben im Internet den Verein öffentlich zu rügen und Dienstag dann die Zusage der Bereitstellung der Räume im Kloster zurückzuziehen.

Schon in den vergangenen Wochen hatten sich im Verhältnis zwischen Joachim Ney und den Vereinsvertretern erste Spannungen ergeben. Nach dem Kauf des Klosters hatte Ney noch erklärt, die Anlage der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu wollen, an die Einrichtung einer Freilichtbühne zu denken, dem Heimatverein die Rentei für ein Museum zur Verfügung zu stellen und überhaupt Kloster und Anlagen so oft es geht öffentlich nutzbar zu machen.

Während der Heimatverein sorgfältig überlegte und sich kundig machte, wie das Konzept einer Museums-Nutzung des großen Nachbargebäudes aussehen könnte, zogen Wolken im Verhältnis zum neuen Eigentümer auf. Zur Eskalation kam es am Mittwoch vor Ostern, als der Anzeiger beim Heimatverein angefragt hatte, ob ein Bericht über die Ausstellungs-Vorbereitungen mit dem Ausräumen der Klosterkapelle möglich sei. Wutentbrannt fuhr Joachim Ney vor, während die Heimatfreunde - wie zuvor abgesprochen - die Bänke aus der Kapelle trugen, erregte sich im höchsten Maße darüber, nicht gefragt worden zu sein und erteilte erste Hausverbote – zunächst dem Anzeiger, später dem Heimatvereins-Vorsitzenden Peter Marx und Dienstagnachmittag auch Willi Hecker und Rudolf Zölzer. Gestern veröffentliche Ney auf seiner Homepage (http://www.kloster-muelheim.de) auch einen scharfen, dreiseitigen Brief an Helmut Fröhlich, in dem er mit dem Heimatverein endgültig bricht.

Über die Vorwürfe und Fehlinterpretationen konnten die Heimatfreunde gestern nur den Kopf schütteln. Mitglieder hätten am Tag der Offenen Tür bei einer „Blumen- und Dekorationsplünderung“ einen Schaden von etwa 400 Euro verursacht, schreibt Ney dort. Die Bereitstellung des Klosters für die Ausstellung sei eine „jederzeit durch mich zu widerrufende Zusage“ gewesen. Anzeiger-Vertreter hätten ihn belogen und sich unter „Vorspielung falscher Tatsachen Zugang in mein Kloster verschafft“. Vorsitzender Peter Marx habe ihn „belehrt“, was er ihm „in deutlicher Form untersagt habe.“ Der Brief endet mit der klaren Aussage, „dass zukünftig rund um mein Kloster nach diesen Erfahrungen Veranstaltungen in Verbindung mit Ihrem Heimatverein für mich nicht mehr in Frage kommen.“

Nach ersten Irritationen zeigten sich die Aktiven des Heimatverein verärgert über die aus ihrer Sicht völlig überzogenen Reaktionen des Kloster-Eigentümers. „Das ursprüngliche Angebot, in der Rentei etwas zu machen, ist für uns nicht mehr erstrebenswert“, sagte Vorsitzender Peter Marx. „Wir werden uns nicht weiter darum bemühen.“ Auch die Enttäuschung war nicht zu überhören. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das zu respektieren“, so Willi Hecker.

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