7 Millionen-Bauprojekt: Institut für Rehabilitation eingeweiht

LWL-Direktor Matthias Löb übergab den symbolischen Schlüssen an Institutsleiter Dietmar Böhmer (oben) im Kreis von Mitarbeitern und am Bau Beteiligten, später wurde vor dem Eingang das Band für die offizielle Eröffnung durchschnitten. - Fotos: Teichmann

Warstein -  Die Idee von „zwei starken Charakteren“ steht auf dem LWL-Klinikgelände in Warstein als Gebäude W 64 und hilft 44 Menschen, ins Arbeitsleben integriert zu werden. Das Haus ist seit dem 8. Januar belegt, und „im laufenden Betrieb“ wurde es am Freitag eingeweiht. 78 Prozent der Frauen und Männer schaffen den Sprung aus dem psychischen Tief zurück in einen Beruf, und in Warstein hilft ihnen nicht nur das medizinische Personal verschiedener Fachrichtungen, sondern auch 50 Unternehmen in der Stadt und dem nahen Umfeld geben ihnen in Form mehrwöchiger Praktika die Chance, wieder Fuß zu fassen.

„Wir bewegen uns mit den Menschen nicht unter einer psychiatrischen Käseglocke“, sagte Dietmar Böhmer, einer der beiden „starken Charaktere“. Der andere ist Dr. Josef Leßmann, ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken im Ruhestand, 2013 aber noch aktiv, als der Vorschlag auf Einrichtung des LWL-Instituts für Rehabilitation gemacht wurde. Sein Nachfolger Dr. Volkmar Sippel würdigte die Leistung von Böhmer/Leßmann während der Eröffnungs-Feierstunde im LWL-Festsaal mit vielen Gästen aus Politik, überregionalen Verbänden und LWL-Mitarbeitern.

Sieben Millionen Euro wurden in den Neubau investiert, der eine Folge des ständig wachsenden Bedarfs geworden war: 2007 hatte die Klinik in Warstein mit vier Patienten in der stationären beruflichen Rehabilitation begonnen. Ihre Zahl wuchs über acht auf zwölf plus vier ambulante Plätze. Grund ist die ständig wachsende berufliche Belastung und daraus resultierende psychische Überforderung (Depression, Burn Out). An vorderster Stelle sind Beschäftigte in sozialen, pädagogischen, Gesundheits- und Pflegeberufen betroffen, dicht gefolgt von Wirtschaft und Verwaltung: „Die Zahl der Erkrankungen steigt dort an, wo Menschen mit Menschen arbeiten“, sagte Dietmar Böhmer. Auslöser seien ein „soziales Ungerechtigkeitsempfinden“. Die fachliche Arbeit sei meistens nicht das Problem, sondern „das Kundenverhalten“. Er nahm „Warstein natürlich davon aus“, als er sagte: Krankenhäuser sind kranke Häuser voller kranker Schwestern und führte aus Gesprächen mit Rehabilitanden beispielhaft an, dass der Druck als unerträglich empfunden werde, wenn das Personal mit aggressiven Patienten zu tun habe und dazu noch Druck statt Hilfe von Vorgesetzten komme.

Das Institut für Rehabilitation in Warstein ist in Deutschland „das einzige zwischen dem Odenwald und der Nordsee“, es gibt noch zwei weitere in Saarbrücken und Heidelberg, sagte LWL-Direktor Matthias Löb. Er dankte Dietmar Böhmer für seine Beharrlichkeit bei der Durchsetzung des Neubaus, dessen Notwendigkeit die Deutsche Rentenversicherung Westfalen als Hauptkostenträger anerkannt habe. An Bürgermeister Dr. Thomas Schöne gewandt sagte Löb, der LWL als zweitgrößter Arbeitgeber in der Stadt habe mit dem Institut einen „Scheck auf die Zukunft“ ausgestellt, was der Bürgermeister auch dankend zur Kenntnis nahm. „Das neue Haus macht was her“, meinte Dr. Schöne, der den „kurzen Draht zwischen Stadt und LWL“ lobte. Zur Bedeutung des neuen Instituts fügte er an: „Dass Burn Out in Verwaltungen vorkommt, kann ich leider bestätigen. Das haben wir auch in Warstein“.

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