Mehrheit gegen Flüchtlings-Unterbringung in Schützenhalle

Mehr als 250 Schützen folgten der Einladung. Mit einer eigens einberufenen Versammlung machten sich die Allagener die Beantwortung der Frage nicht leicht. -  Fotos: Arno Franke

Allagen -  Die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Allagen hat sich am Sonntag in einer eigens für dieses Thema einberufenen Versammlung gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der vereinseigenen Möhnetalhalle ausgesprochen.

Die sachlich vorgetragenen Ausführungen der Vertreter der Stadtverwaltung, Franz Wiese und Josef Pieper, sowie mahnende Worte von Oberst Walter Risse konnten die Mehrheit nicht überzeugen, ihre Halle zur Verfügung zu stellen. Mit 153 Stimmen gegen 101 Stimmen wurde die Anfrage zurück gewiesen. „Ich nehme das Ergebnis als Euer Votum zur Kenntnis und bitte die Herren Pieper und Wiese, es Bürgermeister Dr. Schöne mitzuteilen“, laute das abschließende Statement des erkennbar enttäuschten Oberst Walter Risse.

Herzliche Willkommensgrüße hatte Schützenoberst Walter Risse zuvor an die große Schar von Schützen – darunter auch Schützenkönig Michael Kellerhoff und VAK-Prinz Rüdiger Roderfeld – gerichtet. „Wir hatten schon reichlich Stühle gestellt. Dass wir nun weitere Sitzgelegenheiten schaffen müssen, zeigt mir sehr deutlich, wie viel Euch unser Wohnzimmer, unsere Schützenhalle, bedeutet“, so stellte Oberst Risse fest. 

Zudem hieß er den Präses der Bruderschaft, Pastor van Lieshout, den Fachbereichsleiter der Stadt Warstein Franz Wiese sowie den Leiter des Sachgebietes „Soziales“ Josef Pieper herzlich willkommen und bat sie, zur Bitte der Stadt Warstein, in der Möhnetalhalle Allagen „für einen exakt begrenzten Zeitraum und zu vertraglich festgelegten Bedingungen“ Flüchtlinge unterbringen zu dürfen, Erläuterungen vorzutragen.

Franz Wiese wandte sich zunächst mit grundsätzlichen Überlegungen an die Zuhörer, übergab dann allerdings bald an Josef Pieper, der in seinen sehr sachlich und nüchtern vorgetragenen Ausführungen auf einen möglichen Unterbringungszeitraum – April und Mai 2016 – und die vertraglich zu regelnden Bedingungen einging.

Zuvor gab er einige statistische Daten bekannt: „Rund 600 Flüchtlinge haben wir derzeit in Einrichtungen untergebracht. Die Verteilung auf die einzelnen Stadtteile ist sehr unterschiedlich: in Niederbergheim ist die Zahl der Flüchtlinge pro 1000 Bewohner sehr hoch, in Allagen sehr gering; die anderen Stadtteile liegen dazwischen. Täglich kommen weitere Flüchtlinge, die wir menschenwürdig unterbringen müssen. Wir verfügen über eine geringe Reserve, sind aber gehalten, einen Puffer dahingehend einzurichten, wenn künftige Zuweisungen ähnlich hoch sind wie in der Vergangenheit. Wir möchten heute hier erfahren, ob wir den hinteren Teil der Schützenhalle Allagen notfalls für die Abdeckung von Spitzen – etwa 40 männliche Flüchtlinge – in den Monaten April und Mai nutzen können – natürlich gegen Zahlung einer angemessenen Miete sowie Betriebskosten. Weiter würde die Halle Ende Mai wieder in den Zustand vor dem Einzug der Flüchtlinge versetzt.“

Zahlreiche Nachfragen der Schützen beantwortete der Verwaltungsfachmann ausgiebig und erschöpfend. An ihre Grenzen kamen Franz Wiese und Josef Pieper allerdings bei der bohrenden Frage: „Was geschieht, wenn Ende Mai die Allagener Schützenhalle geräumt werden soll und keine anderweitigen Plätze zur Verfügung stehen.“ Die Antwort war für viele wenig überzeugend: „Dann müssen sie in von uns aufgebaute Zelte ziehen.“ Wiese und Pieper verwiesen darauf, dass der Bürgermeister garantiere, „dass die vertraglichen Abmachungen eingehalten werden“. Das aber konnte so manchen nicht restlos überzeugen.

Die Abstimmung wurde schließlich geheim durchgeführt. 153 Schützen entschieden, die vereinseigene Halle nicht für Flüchtlinge bereitzustellen. 101 Schützen waren dafür. Oberst Risse zeigte sich anschließend über die Entscheidung enttäuscht, musste sie aber den Verwaltungsmitarbeitern als Mehrheitsbeschluss der St. Sebastianus-Schützen mitteilen. - thof

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