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Max und Julius Rüther: Zwei Jungjäger aus Warstein

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Von: Alexander Lange

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Jagen ist das Hobby der ganzen Familie: Opa Josef Köhne (links), die Brüder Max (Mitte) und Julius Rüther mit Cousin Luis Köhne (2. von rechts) im Jagdrevier in Drewer. Bei jungen Leuten liegt das Jagen im Trend.
Jagen ist das Hobby der ganzen Familie: Opa Josef Köhne (links), die Brüder Max (Mitte) und Julius Rüther mit Cousin Luis Köhne (2. von rechts) im Jagdrevier in Drewer. Bei jungen Leuten liegt das Jagen im Trend. © Alexander Lange

Immer mehr junge Leute wollen Jäger werden. So auch Max und Julius Rüther aus Warstein. Was sie daran begeistert und was sie zu Waffennarretei, Fleischkonsum und Naturschutz sagen.

Warstein – Es gibt die Jäger und es gibt die Sammler. „Und wir haben uns dafür entschieden, Jäger zu werden“, sagen Max und Julius Rüther. Während Max aktuell die Grundlagen der Jägerausbildung lernt, hat Julius seinen Jugend-Jagdschein schon in der Tasche. Denn das Jagen liegt im Trend. Deutschlandweit, vor allem bei jungen Leuten. Alle wollen Jäger werden. Aber was steckt dahinter? Waffennarretei, bewusster Fleischkonsum, Naturschutz?

Es sei „ein Familiending“, sagt Julius, der jüngere der zwei Brüder. Vater Michael jagt ebenfalls und sitzt im Warsteiner Forstausschuss, Opa Josef Köhne hat ein Jagdrevier in Drewer. Und Cousin Luis Köhne betreibt einen eigenen Jagd-Kanal auf Instagram: „Wir waren schon immer dabei, wir kennen es nicht anders.“

Vater und Großvater nahmen die Jungs früh mit in den Wald. Anfangs „einfach so“ oder zum Hochsitz-Bau, später war dann auch das Gewehr dabei, irgendwann wurde auch geschossen und erlegt. „Wenn man damit aufwächst, ist es etwas anderes, als wenn man urplötzlich damit in Berührung kommt“, sagt der 20-jährige Max: „Jagen, das war für uns schon immer normal.“

Der ganze Körper voller Adrenalin

Dass die beiden dann irgendwann selber auch einmal ansitzen, pirschen und zerlegen wollen, war also klar. Für den 17-jährigen Julius noch eher als für Max. Mit knapp 15 Jahren startete Julius die Ausbildung zum Jungjäger, mit 16 saß er erstmals auf dem Hochsitz. Alles in Begleitung, das unterscheidet den Jungjägerschein vom „Erwachsenen-Schein“.

Das Ansitzen und Beobachten gehört zur Jagd dazu. Das entschleunige, sagen die beiden Brüder.
Das Ansitzen und Beobachten gehört zur Jagd dazu. Das entschleunige, sagen die beiden Brüder. © Alexander Lange

Und im vergangenen Jahr erlegte er dann auch sein erstes „Stück Wild“, wie es in der Fachsprache heißt: einen Bock. Schon ein besonderes Gefühl, sagt Julius: „Der ganze Körper voller Adrenalin. Beim Schießen bist du nicht nervös, da muss man ruhig und klar sein. Aber wenn der Schuss dann fällt und man sieht, dass man gut getroffen hat, fällt vieles von einem ab.“

Ja, das sogenannte Jagdfieber gebe es, keine Frage: „Das ist einzigartig, man zittert am ganzen Körper. Es ist dann auch die Freude am Erfolg.“ Doch das Schießen sei nur ein kleiner Teil des Jagens, wissen die beiden: „Natürlich gibt es auch Jäger, die eine Waffen-Leidenschaft haben. Die machen das, um zu schießen. Bei uns ist das aber anders.“

Jagen heißt, die Natur zu schützen vor Überpopulationen, vor Verbissschäden und Krankheiten

Es habe auch schon etliche Null-Ansitze gegeben, also Stunden auf dem Hochsitz, ohne dass Wildschwein, Reh oder Fuchs „vor die Flinte“ liefen. „Das ist aber keine verlorene Zeit, ganz im Gegenteil“, sagt der 20-jährige Max. Das entschleunige ungemein, das sei Zeit, „um die Seele baumeln zu lassen, um sich der Bedeutung der Natur bewusst zu werden“: „Du machst das Handy aus und legst es an die Seite. Da erlebst du die absolute Stille und Ruhe. Vielleicht ein wenig Vogelgezwitscher, ansonsten nur du und die Natur.“ Auch das habe in die Entscheidung Jäger zu werden hineingespielt: „Wir leben hier mitten in der Natur, aber kennen sie gar nicht.“ Das habe er ändern wollen. Und zu jagen heiße auch, die Natur zu schützen. Vor einer Überpopulation, vor Verbissschäden, vor Krankheiten.

Ein weiteres Argument für den Jagdschein sei das Wildfleisch und die bewusste Ernährung: „Besseres Fleisch als das, was du selber erlegt hast, kannst du nicht bekommen.“ Deshalb gehört für die beiden das Schießen genauso wie das anschließende Aufbrechen und Zerlegen des Wilds zum Handwerk dazu. „Uns beiden gefällt auch das Traditionelle an der Jagd. Dazu gehören die Bräuche, das Jagdhornspielen und der respektvolle Umgang mit dem Wild.“

Das selbsterlegte Wild macht auch zu Tisch etwas her - und das nicht nur an Weihnachten.
Das selbsterlegte Wild macht auch zu Tisch etwas her - und das nicht nur an Weihnachten. © Luis Köhne

Das sei etwas, was Vater und Großvater den beiden mit auf den Weg gegeben haben. „Jagen ist eine Kultur, die gepflegt werden muss. Es braucht die Jagd und die Jäger“, sagen die beiden: „Und es ist kein Hobby, das man nebenbei betreiben kann. Es ist zeitintensiv, aber es gibt auch wahnsinnig viel zurück.“ So, wie man es in den Wald rufe, so komme es sprichwörtlich eben auch wieder heraus.

Diskussionen mit Bekannten und Freunden

Na klar gebe es Bekannte oder Freunde, die mit der Jagdleidenschaft der beiden nicht viel anfangen können. Dann fallen auch schon einmal Begriffe wie Mordlust, aber damit gehen die beiden souverän um: „Wir argumentieren dann aus unserer Sichtweise, sagen, dass wir Tiere ja nicht grundlos abknallen, wie es immer vorgeworfen wir. Es geht da um mehr, auch um Lebensraum-Erhaltung und Naturschutz. Und das oberste Gesetz heißt ja: Was du nicht kennst, das schießt du auch nicht.“ Und um ein Handwerk, dass Jahrtausende alt ist.

Keine Frage, was daher bei Familie Rüther an Heiligabend auf dem Tisch steht: Wild. Nur womit, da scheiden sich aktuell noch die Geister. „Festkochende Kartoffeln gehören dazu“, meint Opa Josef Köhne. Doch mit einem Lachen widersprechen in dem Punkt die Enkel: „Wir sind da mehr für Kartoffelgratin oder Semmelknödel mit Pfefferrahmsauce.“

Der Jagdschein: Das „grüne Abitur“

Grundlage für das Jagen ist der Jagdschein und die damit vorangegangene Jagdprüfung. Die genauen Grundlagen der Prüfung obliegen den Bundesländern, Jagdschein-Anwärter können sich daher auch aussuchen, in welchem Bundesland sie ihr „grünes Abitur“, wie die Prüfung genannt wird, ablegen. Der Jagdschein teilt sich in Theorie und Praxis auf, kann über mehrere Wochenenden oder als Intensivkurs erworben werden. Mit dem Jagdschein ist der Inhaber auch zum Führen und Besitzen von Waffen berechtigt. Zudem kann man mit einem Jagdschein auch ein Jagdrevier pachten.

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