1980 erster Gemeindereferent

Komplettes Arbeitsleben in einer Gemeinde: Diakon Ludger Althaus seit 40 Jahren seelsorgerisch in St. Pankratius Warstein tätig

Seit 40 Jahren ist Diakon Ludger Althaus seelsorgerisch in St. Pankratius Warstein tätig.
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Seit 40 Jahren ist Diakon Ludger Althaus seelsorgerisch in St. Pankratius Warstein tätig.

Seit 40 Jahren ist Diakon Ludger Althaus seelsorgerisch in der St. Pankratius-Gemeinde in Warstein tätig. 1980 war er mit 25 Jahren der erste Gemeindereferent der Gemeinde.

Warstein – Ludger Althaus könnte zum 1. Februar in den Ruhestand gehen, am 22. April ist er 65 Jahre alt geworden. Doch jetzt hat er seinem Personalreferenten vorschlagen, noch ein Jahr dranzuhängen an seine 40-jährige Dienstzeit als Seelsorger in der St. Pankratius-Gemeinde Warstein. Hier hat er, wenn er dann 2021 oder vielleicht sogar noch ein bisschen später, sein komplettes Berufsleben verbracht: „Ich hatte 40 Jahre lang ein gutes Arbeitsklima mit den vier Pfarrern Axel Hoeschen, Josef Heers, Thomas Wulf und Markus Gudermann sowie allen Kolleginnen und Kollegen“. Ungewöhlich ist, dass er nicht versetzt wurde – was hätte passieren können. er hat sich aber auch nicht wegbeworben.

Ludger Althaus legt sich noch nicht auf ein endgültiges Datum für sein Dienstende fest, denn wenn er in Rente geht, dann möchte er sich einen Traum erfüllen: Eine halbjährige Weltreise auf der Nordhalbkugel: „Dafür habe ich mein Leben lang gespart“, erzählt der Seelsorger, der mit seinem Berufswunsch offensichtlich einen „Volltreffer“ gelandet hat. Als Seelsorger mit Menschen zu arbeiten, war und ist sein Bestreben.

Der damals 25-Jährige war der erste Gemeindereferent in der St. Pankratius-Gemeinde und nahm die Arbeit im Jahr 1980 auf – als Nachfolger von Vikar Helle. „Es war für die Gemeinde schon ungewöhnlich, dass kein geweihter Geistlicher seelsorgerische Aufgaben übernahm. Damals wäre es noch irritierender gewesen, wenn eine Frau die Aufgabe übernommen hätte“, meint Ludger Althaus rückblickend.

Er gehörte damals zum zweiten Kursus für die Gemeindereferenten-Ausbildung an der Theologischen Fachhochschule Paderborn (heute Theologische Hochschule). Das Zahlenverhältnis war damals etwa je zur Hälfte Männer und Frauen, heute gibt es überwiegend Gemeindereferentinnen. Doch irgendwann wollte Ludger Althaus „mehr“, bildete sich zum hauptamtlichen Diakon weiter und erhielt am 7. Juni 1997 die Weihe in der St. Pankratiuskirche von Weihbischof Hans-Leo Drewes. Das war außergewöhnlich, weil Diakone stets in einer Gruppe im Hohen Dom zu Paderborn geweiht wurden. Aber bei Ludger Althaus handelte es sich um eine „Notweihe“ nach einer um ein Jahr auf vier Jahre verkürzten Ausbildungszeit: Pfarrer Axel Hoeschen war erkrankt und brauchte kurzfristig Entlastung bei seinen seelsorgerischen Aufgaben.

Als Diakon durfte und darf Ludger Althaus die Sakramente Taufe, Firmung, Ehe, Weihe und Krankensalbung spenden und Bestattungen durchführen, verwehrt bleiben ihm die Eucharistiefeier und das Bußsakrament (Beichte). Und für Diakone gilt auch der Zölibat wie für geweihte Priester, und Ludger Althaus hat für sich diese Lebensform gewählt, „obwohl ich nichts dagegen hätte, wenn er abgeschafft würde“. Für sich sagt er für die Zeit vor seiner Weihe: „Ich musste auf nichts verzichten. Ich hatte auch Freundinnen.“

Dass er dann nicht auch noch den letzten Schritt gemacht hat, das Priesterseminar zu besuchen um sich zum Priester weihen zu lassen, lag an seiner Einschätzung der Aufgaben: „Mein Anliegen war immer die Seelsorge, die direkte Arbeit mit Menschen und die Kontakte. Ein Priester ist heute mehr ein Manager, der viel organisieren muss. Das wollte ich nicht.“

So hat er von Beginn seiner Tätigkeit in St. Pankratius mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, die Messdiener sowie Erstkommunion und Firmungen betreut und 39 Jahre lang Ferienfreizeiten begleitet. „Dieses Jahr wäre es die 40. gewesen, ich hoffe, die kann ich noch nachholen“, verweist er auf die vielen Einschränkungen durch Corona. „In der Corona-Zeit mache ich die Erfahrung: Ich muss nicht auf die Uhr gucken. Ich habe mehr Zeit zum Zuhören“, gewinnt Ludger Althaus dieser Phase etwas Positives ab, sagt allerdings auch: „Es war schon sehr traurig zu erleben, wie ältere, kranke und einsame Gemeindemitglieder gelitten haben unter den Kontaktverboten.“ Diese Gruppe zu betreuen, ist seit einigen Jahre seine Aufgabe, und er findet das auch seinem eigenen Alter angemessen. Er besucht sie, liest die Messe und freut sich über Reaktionen auch auf die Youtube-Clips, die in der Gemeinde produziert werden und die Senioren und Kranken erreichen.

Sie liegen dem Diakon am Herzen, der am 22. April 1957 in der heutigen Gemeinde Velen im Münsterland als einer von sechs Brüdern geboren wurde. Nach dort hat er keine Kontakte mehr, Warstein ist seine Heimat. Von hier aus hat Ludger Althaus aber schon viele Reisen unternommen, unter anderem nach Mexiko. Dort erlebte er 2003 den bisher stärksten gemessenen Hurricane „Wilma“. Gemeinsam mit seinem besten Freund, einem Lokführer aus Leverkusen.

„Solche Menschen braucht man. Als Ankerpunkt. Wenn mir mal jemand zuhören soll“, sagt der Mann, zu dessen Hauptaufgaben das Zuhören gehört.

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