Landwirte machen ihrem Unmut Luft

Heimische Landwirte protestieren: 188 Kilometer unterwegs mit dem Traktor bis nach Bonn

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Johannes Linneboden, Alexander Köster, Jacqueline Dresbur und Justus Kammann (v.l.) am grünen Kreuz am Wegesrand zwischen Bilsteintal und Hirschberg: Sie wollen aufrütteln für eine bessere Akzeptanz der heimischen Landwirtschaft.

Hirschberg – Alicia und Alexander Köster sowie Jacqueline „Jacky“ Dresbur aus Hirschberg und ihr Freund Justus Kammann aus Osnabrück haben sich mit zwei Traktoren nach Bonn aufgemacht - eine 188 Kilometer lange Tour auf Bundes- und Landstraßen. 

Dabei haben sich die jungen Leute zunächst in Soest mit weiteren fast 80 Trecker-- und Schlepperfahren getroffen, die sich in Breckerfeld wiederum mit Landwirten aus dem Märkischen Kreis zu einem noch größeren Konvoi zusammenschlossen, der jenseits der Autobahnen mit maximal 40 Stundenkilometern gezockelt ist. Bis zu 1000 Zugmaschinen werden in der ehemaligen Bundeshauptstadt erwartet. 

Mit dieser Großdemonstration protestieren sie gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung mit dem in der vergangernen Woche beschlossenen Agrarpaket und der darin enthaltenen „Verbotspolitik“, wie Jacky (17), Justus (20), und Alexander (24) gemeinsam mit Johannes Linneboden (20) am Tag vor der Abreise erklären; Johannes gehört nicht zu dieser Reisegruppe, weil er auf dem elterlichen Milchviehhof nicht abkömmlich ist. Für ihn fährt Alicia mit.

 Die jungen Leute haben über Herkunft und Ausbildung alle mit Landwirtschaft zu tun, und sie wollen sich wehren gegen eine Verteufelung dieser Wirtschaftssparte: „Wenn wir nichts unternehmen, dann geht das Höfesterben weiter“, befürchten sie. 

Ihr Appell ist klar: „Die Frage, was der Verbraucher tun kann, beantworten wir mit dem Appell, regional erwirtschaftete Produkte zu kaufen“, sagt Jacky Dresbur, die den Anstoß für die Demonstrationsteilnahme gegeben hat – übrigens nach der Veröffentlichung eines Fotos mit einem der derzeit vielfach an Wegrändern aufgestellten grünen Holzkreuze, das auf der Haar aufgenommen wurde. 

Dies habe zu der Überlegung geführt, selbst etwas tun zu müssen. „Die Leute sollten mit den Landwirten und nicht über sie sprechen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich auch jetzt schon direkt auf den Höfen mit frischen und guten Lebensmitteln einzudecken“, sagt Johannes Linneboden, der derzeit in Meschede die Schulausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt macht. 

Alexander Köster übt diesen Beruf bereits aus, Jacky Dresbur und Justus Kammann studieren in Osnabrück Landwirtschaft- und Agrarwissenschaften. Alle sind von ihrer Herkunft vorbelastet und überzeugt, dass eine Wende im Denken der Verbraucher herbeigeführt werden muss: „Kaum jemand macht sich Gedanken, dass er Produkte in bester Qualität vor der Haustür findet, die von den Handelsketten von weit her aus dem Ausland eingeführt werden“, sagt Johannes Linneboden. 

Die Produzenten in Übersee könnten trotz der Transportwege günstiger produzieren, weil die Anbau- und Aufzuchtmethoden weitaus großzügiger seien als in Deutschland und Europa: „Unsere Landwirtschaft unterliegt strengen Auflagen, und die sollen jetzt mit dem Agrarpaket noch strenger werden“, sagt der 20-Jährige. Etwa beim Schutz der Wassergewinnungsgebiete durch das Verbot von Chemieeinsatz: „Ohne die Mittel haben die Betriebe aber keine Erträge mehr. Das Gesetz führt zu massiven Flächenstilllegungen“, befürchtet er. 

Dabei gebe es nur noch Pflanzenschutzmittel, die nicht ins Gewässer bzw. Trinkwasser ausgewaschen werden können und die die Umwelt und die Bienen nicht gefährden. Der Rest sei schon verboten und aus dem Handel genommen worden. Zusätzlich habe der Landwirt bereits strenge Auflagen an Gewässern und Bächen, die vorsehen, dass er beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln Mindestabstände einhält. 

Die Demonstration in Bonn wollen die jungen Hirschberger getrennt sehen von den grünen Mahnkreuzen, wenn sie die Themen selbst auch nicht ganz voneinander trennen können. Denn die Initiatoren der beiden Aktionen handeln unabhängig voneinander, wenn letztendlich auch mit den gleichen Zielen. Jacky, Alicia, Alexander, Johannes und Justus schreiben über sich selbst zu ihrem Engagement: „Wir lieben, was wir tun und machen diese mit bestem Gewissen. Wir benötigen Zukunft. Landwirtschaft bedeutet für uns Leidenschaft“.

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