Neues Buch des gebürtigen Suttropers

Klemens Ludwig über "Opferrolle" des Islam

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Klemens Ludwig gibt sein Buch „Die Opferrolle“ in aktualisierter Fassung neu heraus.

Suttrop/Tübingen. Das Thema hat an Aktualität sogar noch gewonnen. Mit einer kompletten Überarbeitung seines 2011 veröffentlichten Buches „Die Opferrolle“ mischt sich der aus Suttrop stammende Tübinger Publizist Klemens Ludwig wieder in die öffentliche Diskussion über die „Rolle des Islam“ ein.

„Es hat sich seit 2011 unglaublich viel verändert“, erläutert Klemens Ludwig, warum er sich nun mit einer Neuauflage ans politisch interessierte Lese-Publikum wendet. Der historische Teil seiner Abhandlungen sei natürlich weitgehend unverändert, was die Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt angeht, habe er aber große Teile neu geschrieben – auch aus veränderter Perspektive. „Ich habe weniger das Wogegen und mehr das Wofür hervorgehoben“, sagt Ludwig. Das sei ihm insbesondere mit Blick auf die aufgeheizte Debatte um den Islam wichtig. Was ihn in diesem Zusammenhand auch freut: „Die Aufmachung ist weniger reißerisch“, lobt er das Cover des Buches, das bei Langenmüller erschienen ist. In fünf Kapiteln nähert er sich der Frage der Selbstinszenierung des Islam. Dabei weist er bereits in der Einführung auf die besondere Problematik der „Opferrolle“ hin. Weit verbreitet sei noch heute die Wahrnehmung, dass Muslime in der Geschichte immer wieder Opfer christlicher Intoleranz geworden seien. Beim Stichwort Kreuzzüge „versinken alle Christen vor Scham in den Boden“. Was Klemens Ludwig wichtig ist: „Dieses Buch will keine Verbrechen gegeneinander aufrechnen, auch nicht relativieren und bagatellisieren. Es möchte den Blick für die Wahrnehmung des Islam schärfen; seine Selbstwahrnehmung und seine Selbstinszenierung. Wer sich als Opfer wahrnimmt und inszeniert, entzieht sich jeder Verantwortung“, so Ludwig Für Klemens Ludwig geht es beim Umgang mit dem Islam auch um die Werte der Aufklärung. „Deren Forderung war es gerade, dass die grundlegenden Menschenrechte nicht von der Großzügigkeit des Souveräns abhängen“, schreibt Ludwig, „sondern universelle Geltung besitzen.“ Genau diese Universalität der Werte sei im christlich-islamischen Miteinander nicht gewährleistet. Als wesentliche Ursache hierfür sieht er „die Wahrnehmung des Islam als Opfer.“ Denn: „Wer Opfer ist, ist im Recht und kann für seine Missetaten nicht verantwortlich gemacht werden.“ Seine Quintessenz: „Diese Opferrolle zurückzuweisen und die Muslime in die Verantwortung für die Schattenseiten ihrer Glaubensgemeinschaft zu nehmen, bedeutet auch, die universellen Werte der Aufklärung gegen diejenigen zu verteidigen, die zum Prinzip zurück gekehrt sind, dass Toleranz von der Generosität des Souveräns abhängt. Dass Ludwig dabei immer wieder Querverweise auch auf die heutige Lage in der Türkei vornimmt, überrascht vor diesem Hintergrund nicht. Dass das Buch mit einem Vorwort von Necla Kelek erscheint, der in Istanbul geborenen deutschen Soziologin und Publizistin und engagierten Frauenrechtlerin im Vorstand von „Terre des Femmes“, freut Klemens Ludwig besonders. Kelek lehnt für sich die Bezeichnung „Muslima“ ab, sieht sich dem Islam jedoch als Kulturkreis zugehörig. Statt einer Opferrolle fordert sie ein „verantwortungsbewusstes Miteinander als Bürgerinnen und Bürger“.

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