Premiere

Kinobetreiber rechnet mit „erhöhtem lokalen Interesse“ für „Nebel im August“

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Unter anderem in der LWL-Klinik und im Kloster Mülheim wurde für „Nebel im August“ gedreht.

Warstein -  Seit Montag laufen die letzten Pressevorführungen, am Donnerstag, 29. September, ist dann der offizielle Kinostart für „Nebel im August“. Auch in Lippstadt wird der 127-minütige Film dann gezeigt. „Es dürfte hier ein erhöhtes lokales Interesse geben“, so Marina Herberg vom Cineplex, da ein Großteil des Films in der LWL-Klinik in Warstein sowie im Kloster in Mülheim gedreht wurde und viele lokale Komparsen mitgewirkt haben.

2008 veröffentlichte Robert Domes den Tatsachenroman „Nebel im August“, in dem er das Schicksal von Ernst Lossa erzählt. Seine Agentin schickte das Buch an Produzent Ulrich Limmer. „Die Geschichte hat mich zutiefst erschüttert, und sie hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt er. „Immer wenn ich das Bild dieses Jungen sah, dachte ich: Diese Geschichte muss erzählt werden. Es war für mich unmöglich, diesen Film nicht zu machen. Ich empfand eine Verpflichtung gegenüber diesem Jungen, der für so viele Opfer steht.“

Limmer sicherte sich die Rechte an dem Buch und entwickelte einen Spielfilm über dieses Thema, das in der deutschen Öffentlichkeit bisher kaum Beachtung gefunden hat: die NS-„Euthanasie“, der Massenmord an über 200 000 psychisch kranken und behinderten Menschen in Heil- und Pflegeanstalten. Sie wurden vergast, vergiftet oder starben einen bewusst herbeigeführten Hungertod. „Wir wollten den Opfern eine Stimme geben“, sagt Limmer. „Menschen, die in Einrichtungen waren, um Hilfe zu bekommen – und dort ermordet wurden.“

Im Zentrum steht die wahre Geschichte von Ernst Lossa, der wegen Verhaltensauffälligkeiten ausgegrenzt wurde und selbst in tödlicher Gefahr den Mut hatte zu helfen. „Seine Geschichte ist anrührend, aufwühlend, empörend“, sagt Ulrich Limmer. „In einer Zeit, in der die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, folgte er dem, was seine kindliche Seele ihm befahl. Ausgerechnet einer, dem Amoralität unterstellt wurde, rettete die Moral. Denn in der Anstalt begann er sich um jene zu kümmern, die selbst Hilfe brauchten, aber noch schwächer und hilfloser waren als er. Im Laufe der Zeit eckte er immer mehr bei der Anstaltsführung an und wurde schließlich ‚euthanasiert’, wie es damals im Amtsdeutsch hieß – ermordet.“

Ab dem 6. Mai 2015 drehte das Team 40 Tage an vier Drehorten: in der LWL-Klinik Warstein, im nahegelegenen Kloster Mülheim sowie im österreichischen Schwarzenau und in Bayern. Als Statisten waren an dem Dreh viele Menschen mit Behinderung beteiligt, die Patienten der Heil- und Pflegeanstalt darstellen. „Der Film spielt in einer großen Nervenheilanstalt, und wir zeigen viele Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Das muss authentisch sein“, sagt Regisseur Kai Wessel. Dieser Herausforderung begegnet er mit Respekt: „Wir dürfen Behinderung weder verharmlosen noch ausstellen. Wir müssen die Würde jedes Menschen erhalten.“

Neben den hochkarätigen Schauspielern – Sebastian Koch, Thomas Schubert, Henriette Confurius, Fritzi Haberlandt, David Bennent, Branko Samarovski – und dem jungen Hauptdarsteller Ivo Pietzcker wirkten auch viele Statisten aus Warstein und Umgebung an den Dreharbeiten mit. Nach den Pressevorführungen in Berlin (gestern), München (heute), Leipzig (heute), Hamburg (Mittwoch) werden in Essen am Montag, 26. September, neben den Hauptdarstellern und dem Filmteam rund 80 Nebendarsteller und Komparsen in der Lichtburg dabei sein.

Für „Nebel im August“ gab es bereits die ersten Auszeichnungen: Regisseur Kai Wessel hat den bayerischen Filmpreis für die Beste Regie bekommen, im Juni gab es den Friedenspreis des Deutschen Films. Die Filmbewertungsstelle hat „Nebel im August“ das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen. Beim europäischen Kinder- und Jugendfilmfestival im italienischen Giffoni gab es zwei Hauptpreise in der Kategorie „+13“.

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