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Legionellen-Ermittlungen eingestellt: kein Schuldiger

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In zwei Rückkühlwerken stellte Prof. Dr. Martin Exner im August und September 2013 Legionellen fest.
In zwei Rückkühlwerken stellte Prof. Dr. Martin Exner im August und September 2013 Legionellen fest.

WARSTEIN - Die Staatsanwaltschaft hat den Aktenordner zur Legionellen-Katastrophe Warstein geschlossen. Das Ermittlungsverfahren sei eingestellt, weil kein Schuldiger zweifelsfrei zu ermitteln sei, beantwortete Oberstaatsanwalt Thomas Poggel am Montag die Anfrage unserer Zeitung.

Allen Anzeige-Erstattern ist dies schriftlich mitgeteilt worden, Beschwerden dagegen liegen bislang nicht vor.

Mit zwei Todesopfern und 159 erkrankten Menschen – dazu geschätzt noch einmal die gleiche Zahl Erkrankter als Dunkelziffer – erlangte Warstein im August und September 2013 deutschland- und sogar europaweit traurige Berühmtheit. Ein besonders tückischer Legionellen-Stamm hatte sich über die Atemluft verbreitet und die Menschen infiziert.

Die Opfer erkrankten nach mehrtägiger, bis zu neun Tage dauernder Inkubationszeit an einer besonders schweren Form der Lungenentzündung. Das Krankenhaus „Maria Hilf“

Was in Warstein bei der Suche nach der Legionellenquelle alles passiert ist, können Sie hier nachlesen:

Noch immer kein Gutachten - Eine Zusammenfassung

konnte zeitweise die Flut der Patienten kaum noch aufnehmen, die Krankenhäuser in Nachbarstädten halfen aus. Viele Betroffene mussten tagelang auf der Intensivstation behandelt werden und leiden zum Teil heute noch an den Folgen.

Die Staatsanwaltschaft hat darauf verzichtet, die Fertigstellung eines Ende 2013 eigens in Auftrag gegebenen unabhängigen Gutachtens abzuwarten. Der Gutachter war Anfang vergangenen Jahres überraschend längerfristig erkrankt. Man habe entschieden, den Einstellungsbeschluss auf Basis des Sachverständigen-Gutachtens aus der Feder von Professor Dr. Martin Exner zu fassen, erklärte der Presse-Staatsanwalt. Dr. Exner hatte vor Ort die Untersuchungen geleitet und bereits am zweiten Tag festgestellt, dass das Rückkühlwerk der Firma Esser mit dem hochgefährlichen Legionellen-Stamm belastet war.

Im Laufe der Wochen erfolgte auch an einem Rückkühlwerk der Warsteiner Brauerei im Langenbachtal ein solcher eindeutiger Nachweis. Zudem wurden höchste Legionellen-Konzentrationen in einer weiteren Anlage, im Vorklärbecken der Brauerei sowie in der Ruhrverbands-Kläranlage am Stillenberg gefunden. Das geklärte Wasser war von dort in die Wäster geleitet worden, wo Firma Essser es zum Betrieb des Rückkühlwerks entnahm, ohne um die Gefahren zu wissen.

„Es kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen, aus welcher Quelle die Legionellen stammen, die zur Erkrankung geführt haben“, so der Staatsanwalt. Strafrechtlich müsse auf den exakten Zeitpunkt vor Beginn der Inkubationszeit abgestellt werden. Allein dies mache den Nachweis enorm schwer. Natürlich sei es wahrscheinlich, dass die Aerosole bei Esser oder bei der Brauerei entstanden seien, aber „eine Wahrscheinlichkeit reicht im Strafverfahren nicht aus“. - gr

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