"Kahlschlag" an Warsteins Straßen

Kritik  an massiver Abholzung

Warstein – „Was da stattfindet, ist ein Kahlschlag“, zeigte sich Werner Braukmann (WAL) in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses erbost über die Abholzaktionen der letzten Wochen entlang der Bundesstraße 55.

„So etwas hat es bisher noch nicht gegeben“, verwunderte ihn die massive Entfernung von Bäumen und Sträuchern, die dazu führe, dass manche Straßen – zum Beispiel die von-Möller-Straße in Warstein – „völlig nackt“ dastehen würden.

Den Einwand von Ausschussmitglied Gerd Treptow (SPD), dass die „Fachleute“ von Straßen.NRW schon wissen würden, was sie tun, wollte Braukmann nicht gelten lassen: „Das glaube ich einfach nicht!“ 

Oscar Santos, beim Landesbetrieb Straßen.NRW in Meschede für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, begründete auf Anfrage unserer Zeitung die intensiven Gehölzarbeiten durch den Betriebsdienst der Straßenmeisterei.

 „Zur Regulierung einer stabilen Gehölzstruktur werden Sträucher und junge Baumgruppen entfernt, um standsichere und erhaltenswerte Einzelbäume zu begünstigen. Ist der Bestand noch jung, genügt ein gezieltes Läutern zur selektiven Förderung von dauerhaft stabilen Bäumen“, erklärt er. 

Entlang der B 55 habe es sich aber zumeist um ältere Baumbestände gehandelt. „Nur bei älteren, überdichten und instabilen Beständen bleibt oft nur die Möglichkeit des abschnittweisen „auf den Stock setzen“. 

Das heißt, dass Gehölze auf zehn bis zwanzig Zentimeter zurückgeschnitten werden, damit sie neu austreiben und vitale Triebe bilden“, teilte Oscar Santos mit. 

Er gestand aber zu, dass „frisch gepflegte Flächen auf den ersten Blick manchmal wirklich schlimm“ aussehen würden.

 „Aber was für Außenstehende häufig nach einem Kahlschlag aussieht, hilft der Natur dabei, sich zu verjüngen und neu aufzustellen. Schon relativ kurze Zeit später, wenn die Pflanzen wieder ihre Triebe ausbilden, stellt sich ein ganz anderes Bild dar“, sagt er.

Eine zusätzliche Lärmbelästigung sieht Oscar Santos durch die massive Entfernung von Bäumen und Sträuchern nicht. „Entgegen der landläufigen Meinung, übernehmen Bäume keine Lärmschutzfunktion.

 Hierbei handelt es sich eher um einen psychologischen Effekt. In Anlehnung an „Das Auge isst mit“ könnte man in diesem Fall sagen: „Das Auge hört mit“. 

Sind nach Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen die Fahrzeuge auf der Straße für Anlieger plötzlich sichtbar, kann sich daher die „gefühlte“ Lautstärke der Straße erhöhen. Geräuschquellen, die zusätzlich gesehen werden, nimmt der Mensch in der Regel intensiver wahr.

 Aber eine merkliche, physikalisch messbare Schallreduktion wird erst mit Gehölzbreiten von 100 Metern erreicht. Und selbst dann werden lediglich Reduktionen um circa fünf Dezibel messbar“, erklärt der Straßen.NRW-Mitarbeiter.

 Eine „schallschluckende“ Wirkung durch die straßenbegleitenden schmalen Gehölzstreifen sei seiner Erkenntnis nach daher nicht gegeben.

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