Jonas aus Suttrop und der vergessene Handschlag

Profi Stindl entschuldigt sich mit Trikot 

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Suttrop - „Es ist unfassbar, was hier gerade abgeht.“ Katharina Kleinschnittger kann kaum glauben, was ein elf Sekunden langes Video ihres Sohnes – gepostet auf Twitter – ausgelöst hat.

Es zeigt den kleinen Jonas beim Wimpeltausch des DFB-Pokalviertelfinals zwischen dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach, zu dem er an der Seite von Schiedsrichter Marco Fritz den Ball ins Volksparkstadion getragen hatte. Beim Shakehands des Schiedsrichtergespanns mit den Mannschaftskapitänen schaut das Kindergartenkind unter dem Schirm seiner Kappe nach oben, streckt Borussia-Kapitän Lars Stindl die Hand entgegen, doch der übersieht den Knirps, der verlegen in die Kamera guckt. 

Seine Eltern Katharina und Christopher sind zu diesem Zeitpunkt weit entfernt auf ihren Tribünenplätzen im Stadion. Erst 20 Minuten später wird Jonas zu ihnen gebracht. „Da hat er uns gesagt, dass er sehr traurig war. Aber er wollte sich unbedingt zusammenreißen, denn er wollte nicht im Fernsehen weinen“, berichtete seine Mutter von ihrem „tapferen Kerl“. 

Doch die Traurigkeit ging schnell vorüber, denn gemeinsam mit seinen Eltern freute sich der Gladbach-Fan über den 2:1-Erfolg der Borussia und den Halbfinaleinzug. „Er hat sich total gefreut. Er hat mitgejubelt, mitgesungen, mitgefeiert.“ Während Jonas das Spiel genoss, gelangte er zu Internet-Ruhm. 

Das Video der Szene war von einer Journalisten auf Twitter gepostet worden mit dem Kommentar: „Der Moment seines (Fußball-)Lebens und dann sowas :-(“. Wenig später tauchte es bei der Live-Berichterstattung von Borussia Mönchengladbach auf Facebook auf – mit einer ersten Entschuldigung des Vereins: „Der Höhepunkt des Spiels bis jetzt – das arme Kind. Wir geben dir auf jeden Fall einen Handschlag.“ 

Und schon kurz nach Spielschluss folgte die Entschuldigung von Lars Stindl. Der Bundesligist veröffentliche auf seinem Twitter-Kanal ein Foto des Torschützen zum 1:0, auf dem er sein Trikot in die Kamera hält und es Jonas Kleinschnittger verspricht – natürlich handsigniert. Auf seinem eigenen Twitter-Account schrieb Stindl: „Sorry!! Bin auch immer noch nervös vor so einem Spiel!“ 

Lars Stindl twitterte ein Foto von dem Trikot, dass er Jonas als Entschuldigung spendiert. 

Erst etwa eine Stunde nach Abpfiff, als sie gerade die Rückfahrt von Hamburg nach Suttrop antraten, bekamen Katharina und Christopher Kleinschnittger mit, „dass es so einen Hype gab“. Jonas selbst war das zu diesem Zeitpunkt egal. Er verschlief die gesamte Rückfahrt. „Es war ja auch ein langer Tag, um halb fünf war die Nacht zu Ende“, berichtet seine Mutter. 

Am Mittwochmorgen war die Familie nach Hamburg gefahren, wurde am Stadion dann von einem dreiköpfigen Team der Ergo-Versicherung, Sponsor des DFB-Pokals und Veranstalter des Gewinnspiels, bei dem Jonas seine Rolle als Balltragekind gewonnen hatte, empfangen. „Da war eine Dame dabei, die sich nur um ihn gekümmert hat“, zudem ein Fotograf und ein Mitarbeiter, der für die 360 Grad-Kamera zuständig war, die auf Jonas‘ rote Kappe montiert worden war. 

Jonas aus Suttrop beim Pokalviertelfinale HSV - Gladbach

Dass sein Vater ihn nicht wie gedacht in den Innenraum begleiten durfte, störte Jonas nicht. „Er war zwar sehr aufgeregt, hatte aber keine Angst. Er fand es einfach total toll“, sagt seine Mutter. Und schließlich gab es am Ende mit der Entschuldigung von Lars Stindl Happy End. „Er hat sich sehr über den Gladbacher Sieg gefreut, aber noch mehr über die Zusage, dass er das Trikot bekommt.“ 

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