Jäger weiter streitbereit: Stadt soll „belastbare Zahlen“ liefern

Bruno Poniewahs (r.) begrüßte den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Jürgen Schulte-Derne, den Vorsitzenden der Hegegemeinschaft Arnsberger Wald Wolfgang Krenge und den Rotwildsachverständige Hubert Schümmer.

Warstein - Eigentlich sollte es ein Abend der Versöhnung werden. Der Hegering hatte am Wochenende in den Lindenhof eingeladen, um Bürgermeister Dr. Thomas Schöne ein Positionspapier zu überreichen. Diese umfangreiche, von allen Jägern im Stadtgebiet abgesegnete Stellungnahme, hätte als Diskussionsgrundlage für eine sachliche Auseinandersetzung mit der Stadt dienen sollen, wenn die Übergabe denn zustande gekommen wäre. Stattdessen kochten die Emotionen hoch...

Waren die Anwesenden mit den Vorschlägen, die eine zwölfköpfigen Arbeitsgruppe im Jahresverlauf erarbeitet hatte, zwar durchweg einverstanden, so erregten sich die Gemüter im Streit um das optimale Bejagungskonzeptes für die Stadt Warstein. Regie- oder Pachtjagd das war hier die Frage. Schließlich verließ Schöne den Saal mit der Begründung: „Ich finde nicht in Ordnung, wie es hier läuft.“ Das Projekt sei auf Dialog und Konfliktvermeidung angelegt gewesen und angesichts der heftigen Meinungsverschiedenheiten könne er nicht erkennen, ob das Positionspapier überhaupt mehrheitsfähig sei. Im Übrigen werde er keinesfalls an einer Versammlung teilnehmen, in der sich Jäger gegenseitig anschrien.

„Das war genau das, was ich nicht erreichen wollte“, kommentierte ein betrübter Hegering-Vorsitzender den Eklat. Unter der Regie von Bruno Poniewahs gelang es der Versammlung dann doch noch, für zumindest einen Teil des Positionspapiers Mehrheiten zu gewinnen.

Um einen tragfähigen Standpunkt in Sachen „Bejagungskonzept“ finden zu können, der Hegering hatte zunächst die Pachtjagd favorisiert, will man nun zunächst einen Kosten-Nutzenvergleich aller Jagdarten anstellen. Hierzu seien, so Poniewahs, seitens der Stadt bisher keine belastbaren Zahlen vorgelegt worden. Diese seien aber vom Bürgermeister angekündigt worden. „Bis Vorlage geeigneter Informationen/belastbarer Zahlen wird die Jägerschaft hierzu keine Empfehlung aussprechen“, heißt es im inzwischen überarbeiteten Positionspapier.

Eine Lanze für die Regiejagd brach der als Gast und Jäger anwesende Forstrat bei der Landesbehörde Wald und Forst NRW, Björn Hohenstein. Die derzeitige Aufteilung der städtischen 5032 Hektar Waldfläche in sowohl Pacht- als auch Regie und Lizensjagdbereiche befand er als durchaus passend. Seinen Einwand, auch Otto Normalverbraucher müsse sich das Jagen leisten können und nicht jeder habe die finanziellen Mittel, einen langjährigen Pachtvertrag abschließen zu können, beantwortete Poniewahs mit dem Hinweis: „Der Wald kann aber kein Spielplatz für schlechter gestellte Leute sein.“

Die Forstausschussvorsitzende Andrea Schulte richtete einen eindringlichen Appell an Jäger und Politiker: „Wir müssen einen Schritt aufeinander zu wagen!“ Die Politik werde auf jeden Fall darauf schauen, wie der Wald nachhaltig am besten zu bewirtschaften sei. Auch aus dem Positionspapier der Arbeitsgruppe war die Bereitschaft zum Kompromiss herauszulesen. So heißt es zur Frage der Zusammenarbeit: „Die Warsteiner Jäger begrüßen einhellig die Möglichkeit zur Mitwirkung an dem aktuellen Meinungsbildungsprozess und sichern den Beteiligten gern zu, dass sie an einvernehmlichen Lösungen und einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Forstpersonal interessiert sind.“ Ebenso betrachten sie es laut Statement als selbstverständliche Verpflichtung, bei der Reduzierung der Wildschäden in Problemgebieten und bei der Herstellung geeigneter Rahmenbedingungen mitzuwirken.

Eindrücklich weisen sie jedoch darauf hin, dass eine erfolgreiche Wildschaden-Senkung nicht allein durch Abschusserhöhung oder Änderungen im Jagdausübungsrecht erzielt werden können, sondern „von vielen zum Teil sehr unterschiedlichen Faktoren abhängig ist, die komplex miteinander verbunden sind und nur revierübergreifend betrachtet und beeinflusst werden können“.

Auf der Wunschliste der heimischen Jäger steht ein regelmäßiger Austausch mit dem Forstausschuss ebenso, wie eine gemeinsame Kommunikation in der Öffentlichkeit. Um einen artenreichen und angemessen Wildbestand herbeiführen zu können, haben sie eine ganze Reihe konstruktiver Vorschläge erarbeitet. Ob sie beim Bürgermeister damit noch immer auf offene Ohren stoßen, sei dahin gestellt. Bei vorzeitigen Verlassen der Versammlung hatte er zumindest vorgeschlagen: „Sie können mir das Positionspapier per E-Mail ins Rathaus schicken.“ - ig

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