Hazal-Grill in Suttrop

Für Erdbebenopfer: Imbiss arbeitet einen Tag lang umsonst

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Die Brüder Gökhan und Halil Ibrahim Cobanoglu und ihre Mitarbeiter aus dem Hazal-Grill in Suttrop hoffen, dass ihnen die Kundschaft am Dienstag, 4. Februar „die Bude einrennt“. Löhne und Einnahmen fließen als Spende an die Erdbebenopfer in der Osttürkei.

Suttrop – Freitag, 24. Januar 2020, heute vor genau einer Woche: Ein Erdstoß der Stärke 6,8 erschüttert die Gegend um die türkische Stadt Elazig mit mehr als 400.000 Einwohnern. Auf den Straßen sammeln sich verängstigte Menschen, die Sirenen der Rettungsfahrzeuge heulen. Mehrere Gebäude sind in sich zusammengestürzt. Bis zum Sonntag haben die Bergungsteams 31 Todesopfer aus den Trümmern in der Gegend rund 500 Kilometer östlich der Hauptstadt Ankara gezogen, mehr als 1000 Menschen werden seitdem wegen Verletzungen behandelt.

Mit großer Betroffenheit wurden in Deutschland die Ereignisse verfolgt, insbesondere von den hier lebenden türkischstämmigen Mitbürgern. So reagierten auch die Brüder Gökhan und Halil Ibrahim Cobanoglu vom Hazal-Grill an der Kreisstraße in Suttrop entsetzt auf die Nachrichten. „Es macht uns traurig und fassungslos zugleich, die Bilder in den Tageszeitungen, dem Fernsehen und in den sozialen Netzwerken zu sehen“, sagen die Cobanoglus.

Die beiden Brüder aus Suttrop überlegten kurzerhand, wie sie den Erdbebenopfern in der Türkei helfen könnten, und kamen schließlich auf folgende Idee: Am kommenden Dienstag, 4. Februar, wird der Hazal-Grill in Suttrop alle Einnahmen aus dem Tagesgeschäft, sowie die Löhne der Mitarbeiter, in einen großen Spendentopf „schmeißen“. Heißt: An diesem Tag arbeitet das Hazal-Team für seine Kundschaft quasi „kostenlos“. Geöffnet ist der Grill ab 11 Uhr.

„Wenn wir einen Beitrag zu einem besseren Leben leisten können – sei es in der Türkei, in Deutschland oder sonstwo auf der Welt – dann machen wir das gerne“, sagt Halil Ibrahim Cobanoglu, der eine ähnliche Aktion schon einmal vor Jahren mit großem Erfolg, durchgeführt hat.

Aktuell arbeiten im Hazal-Grill an der Kreisstraße acht Mitarbeiter. Alle acht werden auch am kommenden Dienstag im Einsatz sein, wenn Kunden dem Grillhaus „die Bude einrennen werden“. So wünschen es sich nämlich die Cobanoglus. Denn: „Wir hoffen, dass ein schönes Sümmchen am Ende des Tages zusammenkommt“, sagt Halil Ibrahim Cobanoglu, der darüber nachdenkt, das eingenommene Geld persönlich den betroffenen Menschen im Osten der Türkei zu überbringen. „Wenn die Möglichkeit dazu besteht, würde ich das gerne tun.“

Mit der Spende und vielen weiteren Hilfsaktionen, können die Erdbebenopfer hoffentlich irgendwann wieder ein ‘normales’ Leben führen. Halil Ibrahim Cobanoglu: „Wenn dir deine komplette Existenz mit einem Mal unter den Füßen weggerissen wird, ist das nicht nur tragisch, sondern es fehlen einem auch die Worte. Umso wichtiger ist es, den betroffenen Menschen zu helfen und nicht tatenlos das Ganze mitanzusehen.“ Eventuelle Nachahmer einer solchen Aktion, wie sie der Hazal-Grill in Suttrop nun durchführt, seien „wünschenswert“, findet Halil Ibrahim Cobanoglu.

Unmittelbar betroffen durch persönliche Beziehungen sind Gökhan und Halil Ibrahim Cobanoglu und ihre Familien vom Erdbeben im Osten der Türkei nicht, weil Verwandte und Bekannte rund 500 Kilometer entfernt leben. „Wir sind woanders aufgewachsen. Ich persönlich war noch nie in meinem Leben in Elazig“, erklärt Halil Ibrahim Cobanoglu.

Das Geschehene in ihrer Heimat lässt sie jedenfalls nicht mehr los. „Wie teilweise ganze Familien durch solch eine Katastrophe ausgelöscht werden, ist dramatisch und besorgniserregend zugleich. Man sollte wirklich jede Sekunde, die das Leben einem schenkt, genießen“, findet Halil Ibrahim Cobanoglu bewegende Worte für die Tragödie.„Einen Menschen, egal welcher Herkunft, kann so etwas nicht kalt lassen. Ganz ehrlich: Da blutet einem das Herz!“

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