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Hirschberger Kohlenmeiler werden zu Kunstexperiment: Kohle für Jubiläums-Lok

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Von: Alexander Lange

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Köhler Joachim Schulte (links) mit Künstler Simon Starling, der die Idee für den sternenförmigen Meiler hatte und beim Aufschichten fleißig unterstützte.
Köhler Joachim Schulte (links) mit Künstler Simon Starling, der die Idee für den sternenförmigen Meiler hatte und beim Aufschichten fleißig unterstützte. © Alexander Lange

Wenn das Museum Folkwang in Essen in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert, dann spielen auch die Hirschberger Köhler dabei eine Rolle. Wie es dazu kam und wie das auf dem Meiler-Gelände umgesetzt wurde. Zudem gibt es Infos zum Hirschberg Kohleverkauf.

Hirschberg/Hagen/Essen – Die Gemeinsamkeiten von Hirschberg, Hagen und Essen dürften schnell aufgezählt sein. Hirschberg, das Bergdorf im Sauerland; Hagen, das vermeintliche Tor zum Sauerland und Essen, die große Ruhrgebietsmetropole. Überschneidungspunkte gibt es da wenige. Weder bei der Geographie, noch beim „Schlag Mensch“. Und doch wird dieses Städte- beziehungsweise Dorf-Trio im August zusammenfinden. Oder vielmehr wird die Kohle der Hirschberger Köhler eine entscheidende Rolle spielen.

Die ganze Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts in Hagen. Dort hatte der Künstler Ernst Osthaus die Idee, in seinem Wohnhaus eine Künstlerkolonie und die sogenannte Folkwang-Schule zu errichten. In sternenförmiger Architektur sollte diese Schule ein Versammlungsort Kunstschaffender werden und den Titel „Stadtkrone“ tragen. Doch Osthaus stirbt 1922, die Pläne seiner Künstlerkolonie in Hagen werden nie realisiert. Stattdessen zieht die Kunst nach Essen ins heutige Museum Folkwang. Dieser Umzug jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Es wird also Jubiläum gefeiert. Die historische Dampflok P8, gebaut in den 1920er Jahren, soll im August von Hagen nach Essen fahren, um den Kunstumzug von 1922 zu symbolisieren. Aber was hat das mit den Hirschberger Köhlern zutun?

Dampflok wird mit Holzkohle betrieben

Auf der Fläche, wo in Hagen die Künstlerkolonie, die „Stadtkrone“ geschaffen werden sollte, wurde nie gebaut, sondern wuchs dort ein kleiner Mischwald. Der wurde nun in Teilen abgeholzt, das Holz nach Hirschberg gebracht, wo am Freitag aus dem Holz ein Meiler gebaut wurde, um es in jahrtausendealter Manier in Kohle zu verwandeln. „Und mit dieser Kohle – nicht allein, denn dafür ist der Meiler nicht groß genug – soll diese Jubiläumsdampflok von Hagen nach Essen angetrieben werden“, erklärte Joachim Schulte als einer der Hirschberger Köhler. Die Dampflok fährt also mit Holzkohle aus den Bäumen, die dort standen, wo das Museum eigentlich hätte gebaut werden sollen: „Wirklich eine besondere Geschichte. Und natürlich klasse, dass wir als Hirschberger Köhler Teil davon sind.“

Und noch mehr: Weil die Künstlerkolonie in Hagen in Sternenform gebaut werden sollte, wurde am Freitag auch der entsprechende Meiler sternenförmig aufgeschichtet. Verantwortlich für die Idee ist der englische Künstler Simon Starling, der am Freitagmorgen von Kopenhagen über Düsseldorf nach Hirschberg reiste. Im grünen Einteiler packte er direkt mit an, war ganz angetan vom Eifer der Hirschberger Köhler.

Unterschiedliche Baumarten

„Wir waren schon etwas überrascht, dass sie auf uns zugekommen sind“, räumte Schulte ein: „Aber wir freuen uns. Das ist auch für uns ein gewisses Kunstexperiment.“ Denn in der Regel haben die Meiler einen etwa kreisrunden Grundriss und eine halbrunde Form. Einfach, weil es das Aufschichten vereinfacht: „Aber der sternenförmige Aufbau scheint auch zu gelingen. Wir müssen das Holz auf Länge zusägen, aber ansonsten sieht es gut aus.“ Herausforderung sei vielmehr, dass das gelieferte Holz aus vielen verschiedenen Baumarten stamme, die unterschiedlich brennen. Auf dem Boden wurde vorab der Stern mit einer Spraydose vorgezeichnet, noch am Freitagnachmittag wurde der Sternen-Meiler entzündet: „Wir planen, am Dienstag dann die Kohle zu ernten.“

Die wird dann separiert und nach Hagen zur Jubiläumsdampflok gebracht, die nach aktuellem Plan am 6. August ihre Fahrt antreten soll: „Allein mit unserer Kohle, dieser Meiler wird vielleicht 300 Kilogramm produzieren, würde die Bahn nicht weit kommen. Von daher ist es eher eine symbolische Aktion.“

Trotzdem ist es eine Ehre. Denn so bekommt das traditionelle Brauchtum der Hirschberger Köhler auch seinen kleinen Platz im weltbekannten Museum Folkwang.

Verkauf der Hirschberger Kohle

Am Sonntag, 3. Juli, wird die geerntete Kohle aus den Hirschberger Meilern verkauft. Dafür stehen die Köhler ab 10 Uhr auf dem Parkplatz des Hirschberger Freibades parat. Ein Sack, die Säcke sind etwas kleiner als in den vergangenen Jahren, wird etwa 20 Euro kosten, so SGV Hirschberg-Vorsitzender Stefan Bräutigam: „Somit erhalten aber mehr Leute ihre Kohle.“ Jeder Käufer erhalte aber nur einen Sack Kohle, auch Reservierungen werden nicht angenommen: „Beim vergangenen Mal war die Nachfrage schon sehr groß, da war nach 25 Minuten die ganze Kohle weg.“

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