Hirschberg setzt auf Renaturierung und Naturerlebnis

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Über 200 Teilnehmer folgten der Einladung von Ortsvorsteher Franz Linneboden zur Bürgerversammlung.

Hirschberg - Auf der „Überholspur“ sieht Ortsvorsteher Franz Linneboden den Ortsteil Hirschberg und der Applaus während der Bürgerversammlung in der Schützenhalle gab ihm Recht.

Etwa 200 Zuhörer begrüßten unter anderem die erfolgversprechenden Pläne rund um das stillgelegte Waldfreibad, das unter Einbeziehung des Bermecketals zu einem Freizeitpark mit Teichanlage, einer Insel mit Wasserspielplatz oder Tretbecken, vielen kleinen Rundwegen und weiteren naturnahen Beschäftigungsangeboten werden soll. Bisher, so Thorsten Franke aus der AG „Dörfliche Entwicklung“, habe der Fokus für eine Folgenutzung stark im Bereich touristisch-kommerzieller Angebote gelegen. 

„Über die Bachelorarbeit wurden uns die Augen geöffnet für eine neue Ausrichtung im Bereich Renaturierung und Naturerlebnis.“ Als Manko der wissenschaftlichen Arbeit bezeichnete er das gänzliche Fehlen von Finanzierungsplänen. Mit den von der Stadt zugesagten 130 000 Euro, möglichen Fördermitteln für Renaturierung und Hochwasserschutz, sowie der Unterstützung durch die Bürgerstiftung könne man nun ein durchaus realistisches Konzept vorlegen. Zuversichtlich verließ Thorsten Franke nach seinem Vortrag das Rednerpult: „Wenn alles gut läuft, werden wir uns in ein, zwei Jahren am Waldsee wiedersehen.“

Die „Erfolgsstory“ der Bürgerstiftung erzählte Stiftungsratsvorsitzender Christoph Buerdick. Seit 2011 wurden demnach Einnahmen in Höhe von 100 000 Euro erzielt. Im selben Zeitraum flossen 48 000 Euro als Unterstützung in den Ort. Mittel wurden unter anderem bereitgestellt für Aktionen im Zusammenhang mit der Wiedereröffnung des Waldfeibades, für Bürgerradwege, die Arbeitsgemeinschaft Energie, das Vereinsringprojekt „Hirschberg macht Platz“ und vieles mehr. Als Leiter der AG „Dörfliche Entwicklung“ analysierte Michael Pelzer das Essverhalten seiner Mitbürger: „Alle Hirschberger verfuttern pro Jahr vier Millionen Euro.“ 

Vor diesem Hintergrund hat sich die Arbeitsgemeinschaft mit den Möglichkeiten der Grundversorgung in den kommenden fünf bis zehn Jahren auseinandergesetzt und dabei Geschäftsmodelle wie „Amazon Fresh“ unter die Lupe genommen. Im Hinblick auf die vielen Lieferservice-Anbieter die, so Pelzer, wie Pilze aus dem Boden schießen und nicht zuletzt auf den bereits vorhandenen Frischmarkt Köster stehe man der Einrichtung eines neuen Supermarktes mit 300 bis 400 Quadratmetern Verkaufsfläche skeptisch gegenüber. Pelster: „Wir haben Zweifel ob es Sinn macht, soviel Geld auszugeben.“ Die kostbaren Flächen, insbesondere im Ortszentrum sollten anders genutzt werden, zum Beispiel für Seniorenwohnungen nach dem „Hirschberger Modell“. 

Danach verkaufen Senioren ihre Altimmobilie an junge Familien, die sie nach ihren Vorstellungen umbauen oder modernisieren, während die ehemaligen Bewohner in seniorengerechte Wohnungen im Zentrum ziehen. Behilflich bei diesen Aktionen ist eine eigens gegründete AG Marketing/Immobilien. Die Fachhochschule Dortmund entwickelt Konzepte für die Gebäude und legt Rechenmodelle vor. Linneboden: „Senioren bleiben und junge Menschen rücken nach - Hirschberg ist top vorbereitet.“

Mit guten Nachrichten konnte auch Stefan Bräutigam aufwarten. Die Eröffnung der Nebenstelle „Naturpark Arnsberger Wald“ mit Rangern und einem digitalen Info-Punkt im Hirschberger Rathaus steht kurz bevor. Nicht ganz so begeistert wie von der „Rangerstation“, aber aus Sicherheitsgründen einverstanden erklärten sich die Anwesenden mit der Einrichtung einer Busschleuse an der alten Grundschule. „Es besteht großer Handlungsbedarf“, unterstrich Linneboden die Notwendigkeit. Wer sich das Gewusel ein- und aussteigender Kinder anschaue, der könne nicht guten Gewissens zusehen. Durch die Verbreiterung des Gehweges schrumpft die Straßenbreite auf 3.75 Meter. Linneboden: „Selbst wenn der Bus nicht steht, kommt immer nur ein Auto durch.“ 

Ebenfalls nicht besonders angetan schienen die Anwesenden von der Ankündigung Andrea Schultes, im Kommunalwahljahr 2020 möglicherweise einem Warsteiner oder Niederbergheimer Wahlbezirk zugeordnet zu werden. Weil Hirschberg an Einwohnern zugelegt habe, sei die Obergrenze für einen einzigen Wahlbezirk überschritten. Schulte: „1789 Einwohner das sind in diesem Fall 42 zu viel.“ Hoffnung gibt es nach den Worten des Ortsvorstehers auf die Förderung des Projektes „Klima trifft Kita“. Die Pläne für Umbau und Sanierung des Kindergartens sollen erneut bei der Bezirksregierung vorgelegt werden. Linneboden: „Die Landesregierung hat mehr Fördergelder für den ländlichen Raum angekündigt – dann sind wir jetzt eigentlich dran!“ -  ig

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