Grundschüler prüfen zu Schulbeginn die neue Busschleuse an der Kurfürstenstraße

Hirschberg bleibt auf „Überholspur“

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Die Grundschüler durften am ersten Schultag nach den Sommerferien gemeinsam mit Ortsvorsteher Stefan Toschinski die neue Busschleuse testen.

Hirschberg – Bereits Mitte Juli war Schluss mit der „gefährlichsten Bushaltestelle im ganzen Stadtgebiet“, wie Hirschbergs ehemaliger Ortsvorsteher Franz Linneboden zu sagen pflegte. Schon auf der Bürgerversammlung im Dezember 2017 teilte Linneboden den Hirschbergerinnen und Hirschbergern mit, dass er die Einrichtung einer Busschleuse an der alten Grundschule für zwingend notwendig erachte. Zu diesem Zeitpunkt zeigten sich nur wenige der zahlreichen Anwesenden erfreut und zustimmend – hatte man Angst, dass umliegende Nebenstraßen als Schleichwege verwendet werden.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Franz Linneboden bereits mit Thomas Säckel in Verbindung gesetzt. Dieser ist beim Kreis Soest zuständig für Baumaßnahmen an Kreisstraßen und hatte bereits erklärt, dass die Mittel für den Umbau im Haushalt für 2018 eingeplant seien. Ein Jahr lang konnten sich die Hirschberger Bürger mit dem Gedanken an eine Busschleuse anfreunden - der Umbau begann letztendlich erst im Juni diesen Jahres - und die von Linneboden beschriebenen Gefahren selbst beobachten.

„Das ist schon ein ziemliches Gewusel beim Ein- und Aussteigen der kleinen Kinder“, zeigten sich im Nachhinein insbesondere Eltern einsichtig. Und genau das war es, was Linneboden sorgte und zu diesem Vorhaben leitete. Konnte man viele Jahre beobachten, wie Autos entgegen der Fahrtrichtung an dem stehenden Bus vorbeifuhren und das keineswegs in dem Tempo, das eine 30er-Zone vorsah. Zuvor befand sich auf der Kurfürstenstraße zwischen der Burg- und der Grafenstraße eine Verkehrsinsel, die es den Schülerinnen und Schülern der ehemaligen Grundschule ermöglichte, die Hauptverkehrsstraße sicher zu überqueren. Jedoch schreckte auch dies viele Autofahrer nicht von waghalsigen Überholmanövern ab, sodass sie einfach am stehenden Bus vorbeirauschten.

„Wenn dann ein Kind, das etwas zu spät dran ist, aus der Grafenstraße zur Bushaltestelle läuft, wird es brenzlig“, schilderte der ehemalige Ortsvorsteher vor eineinhalb Jahren seine Eindrücke. Der Hirschberger Nachwuchs, aber insbesondere die jungen Grundschüler, überqueren oftmals unachtsam die stark befahrene Hauptverkehrsader und können insbesondere, wenn sie hinter einem Bus hervortreten, leicht übersehen werden. „Und schließlich möchte niemand, dass sein eigenes Kind überfahren wird, nur weil es wegen eines stehenden Busses mal nicht schnell genug vorwärts geht“, sind sich heute die meisten Bürger mit einem Blick auf die entstandene Busschleuse einig.

Aber wie sieht sie aus, die neue Busschleuse? Wie Linneboden es bereits auf der Bürgerversammlung im Dezember 2017 angekündigt hatte, ist die Straße heute nicht mehr befahrbar, wenn sich ein Bus in der Schleuse befindet. Die Gehwege wurden großzügig erweitert, sodass die Straße „nur noch“ 3,75 Meter breit ist. Die Schleuse beginnt auf Höhe der Grafenstraße und endet unmittelbar vor der Burgstraße. „Zudem hat auch nur noch ein Auto Platz auf der Straße“, erklärte Ortsvorsteher Stefan Toschinski gestern Morgen, als die Grundschüler die neue Busschleuse „prüfen“ durften. Die Autofahrer, die in Richtung Dorfmitte unterwegs sind, haben Vorfahrt und die aus dem Zentrum kommenden müssen warten. Dass nur noch ein Auto dieses Stück der Hauptstraße befahren darf, ist ein Nebeneffekt der Busschleuse, die es als Hauptaufgabe hat, riskante Überholmanöver und Gefährdungen zu vermeiden. „Das läuft super“, resümierte Toschinski die entstandene Verkehrssituation. Und auch die Hirschberger haben sich allmählich mit der Situation angefreundet – wertet sie zudem optisch die Ortseinfahrtsstraße auf. Durch die Erhöhung der Bordsteine ist die Busschleuse außerdem als senioren- und behindertengerecht anzusehen. Auch ein Leitsystem für Sehbehinderte wurde geschaffen. Das passt zudem bestens zu dem Nutzungsabgebot der „Drachenschule“. Als Treffpunkt für ganz Hirschberg ist somit auch ein sicheres Erreichen möglich.

Im Frühjahr 2018 begannen die Ausschreibungen für das Bauvorhaben und den Zuschlag erhielt die Firma MW-Bau aus Lippetal-Lippborg. Anfang Juni rollten die Bagger an und innerhalb von sechs Wochen war die Busschleuse fertiggestellt. Mitte Juli durften die Ersten die neue Verkehrssituation testen und „sie wird für gut befunden“, freute sich Stefan Toschinski, der als Nachfolger von Franz Linneboden ebenso großer Befürworter ist. In der Anfangsphase, als der nördliche Teil der Schleuse gebaut wurde, konnten Busse noch durchfahren. Beim Bau des südlichen Teils wurde die Straße für den gesamten Verkehrs gesperrt. Zudem wurde der Straßenkörper im Bereich der Busschleuse komplett erneuert. Geplant waren rund 71 000 Euro für das Bauvorhaben, es habe aber letztendlich rund 64 000 Euro gekostet, gab Toschinski an. Seine Angaben beziehen sich auf Thomas Säckel vom Kreis Soest, den Linneboden bereits 2017 ins Boot geholt hatte. Auch die Schadstellen im Einmünderungsbereich der Oeventroper Straße wurden mit knapp 4 500 Euro behoben.

Ein Projekt, das sich vielen kritischen Meinungen stellen musste, aber Hirschberg trotzdem weiterhin auf der „Überholspur“ bleiben lässt - ganz ohne reale Überholmanöver und Gefährdungen für ein- und aussteigende Schulkinder.

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