Als das Heimatmuseum Haus Dassel noch eine Wohnstube war

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Jutta Stockmeyer wusste bei ihrem Besuch vieles über die Familie Dassel, das Anwesen und ihre Zeit in Allagen zu berichten.

Allagen - Vor über 70 Jahren wurde das in Dortmund gelegene Elternhaus von Jutta Stockmeyer, geb. Nordhoff, durch Bomben zerstört. Großes Glück hatte das damals etwa dreijährige Mädchen, aufgrund ihrer Verwandtschaft mit der Familie Dassel: Zusammen mit ihrer Mutter – der Vater war im Krieg - fand sie Aufnahme im Wohnhaus der Familie Dassel. Heute ist es das weit über Allagen hinaus bekannte „Haus Dassel“. Auch nachdem der 2. Weltkrieg zu Ende war, wohnte die Teilfamilie noch eine Zeit in Allagen. Erst nachdem Juttas Vater Teile des im Krieg größtenteils zerstörten Hauses in Dortmund wieder aufgebaut hatte, zog die Familie Stockmeyer zurück nach Dortmund.

Zwischenzeitlich war Jutta Stockmeyer in der Allagener Volksschule eingeschult worden. Nur ältere Bewohner Allagens können sich noch an das zwischen Gasthof Göbel und der früheren Vikarie gelegene alte Fachwerk- und Backstein- Gebäude erinnern. Hier erlebte Jutta Stockmeyer den Start ihrer schulischen Laufbahn; die restliche Schulausbildung erfuhr sie in Dortmund. Danach trat sie eine Ausbildung in der Modebranche an, zog nach Düsseldorf, wo sie auch ihren Gatten Rüdiger Stockmeyer kennenlernte und gründete mit ihm eine Familie. Jahre später zog die Familie Stockmeyer in den Süden der Republik, wo sie, nahe bei Freiburg, auch heute noch wohnt.

Vor mehr als 20 Jahren stattete Jutta Stockmeyer Allagen schon einmal einen Kurzbesuch ab – leider war ihre Zeit begrenzt – sie schaffte es nur, aus der Ferne einen Blick auf ihre frühere Wohnstätte zu werfen.

Jetzt, im stattlichen Alter von fast 75 Jahren, kehrte sie an den Ort zurück, an dem sie die schlimmen letzten Kriegsjahre verlebte und hatte das Glück, gemeinsam mit Haus Dassel-Custos Rainer Kleeschulte im Rahmen eines Besuchs im Haus Dassel alte Erinnerungen aufkommen zu lassen. Etage für Etage entdeckte sie das Haus gemeinsam mit ihrem Gatten neu, war total erstaunt, an was sie sich trotz der nur kurzen Verweildauer in Allagen noch erinnerte und konnte natürlich Rainer Kleeschulte mit mannigfachen Hinweisen zur Familie Dassel und dem gesamten Anwesen überraschen und begeistern. Schon beim Betreten des Hauses kamen die Erinnerungen zu Hauf: „Hier war der Garten, das Anwesen reichte über eine Obstwiese bis zum Hochwald am Wisor. Bekannt ist mir natürlich der imposante Marmorkamin im Eingangsbereich, da ist ja noch das Waschbecken aus Marmor, das wir morgens und abends regelmäßig nutzen mussten und auch die Armaturen sind noch so, wie ich sie vor 70 Jahren erlebt habe. Und auch die repräsentative Marmortreppe gibt es noch, wo wir zum Zorn von Mutter Dassel das Geländer als Rutsche nutzten!“ Besonders und sichtlich bewegt nahm sie das dann folgende Zimmer in Augenschein: „Hier lebten meine Mutter und ich während unserer Zeit in Allagen – das Zimmer wurde allerdings zusätzlich von der Familie Dassel als Speisezimmer genutzt.“ Immer wieder blitzten Erinnerungen in Jutta Stockmeyer auf, die Aufschluss gaben wie und von wem das Haus Dassel früher bewohnt wurde.

Gern wies Rainer Kleeschulte natürlich darauf hin, dass das Haus Dassel heute als Museum genutzt werde und es zahlreiche Exponate enthalte, die nicht aus der Dasselschen Zeit stammen. Mit großer Freude nahm die Besucherin in dem von Heinz Mus als Klassenraum aufgebauten Bereich Platz, sah sich staunend Bilder früherer, ihr noch bekannter Lehrer an und schrieb selbstverständlich – „wie bei meiner Einschulung“ – mit dem Griffel ihren Namen auf eine Schiefertafel. Bis in den höchsten Turmbereich, der früher auch bewohnt war – „hier durften wir als Kleinkinder gelegentlich spielen“ - eroberte Jutta Stockmeyer das Haus Dassel und war ein ums andere Mal überrascht, was sie tatsächlich wieder erkannte.

Über ein ganz großes Dankeschön durfte sich Rainer Kleeschulte freuen: „Sie haben mir ein Stück meiner Erinnerung zurückgegeben, die schon fast verloren schien!“

Herzliche Grüße des Schuljahrgangs 1941/42 überbrachten Ursula Roderfeld und Arno Franke, die sich aufgrund der ungewöhnlichen Größe Jutta Stockmeyers schon bei der Einschulung noch gut an das „dunkelhaarige Mädchen mit den Zöpfen“ erinnerten.

Jutta Stockmeyer versprach den beiden, möglichst bald noch einmal nach Allagen zu kommen, um dann weitere Erinnerungen aufzufrischen und – wenn auch inzwischen nur flüchtige – Bekannte aus früheren Zeiten wiederzusehen. - thof

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