Theologe Dr. Daniel Gerte aus Belecke fand Antworten auf seine zweifelnden Fragen

„Heimathafen gefunden“ in nordisch-katholischer Kirche

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Dr. Daniel Gerte liest die Messe in der Kunst- und Begegnungskirche, die Marianne Schneider übernommen hat.

Belecke - „Niemand muss kirchlich heimatlos sein.“ Der klaren Überzeugung ist Dr. Daniel Gerte – und gesteht dieses Recht ausnahmslos allen Menschen zu: Auch sich selbst. Seinen „Heimathafen“ fand der promovierte Theologe vor zwei Jahren in der nordisch-katholischen Kirche.

Es habe keinen festen Zeitpunkt gegeben, an dem er feststellte: „Es ist mir nicht gelungen in der römisch-katholischen Kirche dauerhaft meine Heimat zu finden.“ Vielmehr sei es ein langer Prozess gewesen, in dem er sich immer wieder gefragt habe: „Warum nicht? Wonach suchst du? Wie kannst du dich gemäß deiner Überzeugung einsetzen?“ Bereits im der Promotion vorausgegangenen Studium der Religionspädagogik und Theologie sei er auch mit anderen Glaubensrichtungen und Kirchen konfrontiert worden. „In Deutschland kennen wir eigentlich nur die beiden großen Kirchen – darüber hinaus gibt es aber noch vieles mehr.“

Die Nordisch-katholische Kirche ist 1999 aus der (lutherischen) Norwegischen Kirche hervorgegangen und gehört kirchenrechtlich zur Polish National Catholic Church of America. Mit der Wahl ihres ersten Bischofs wurde sie zu einer autokephalen (eigenes Oberhaupt stellenden) Kirche, die heute zur Union von Scranton gehört. „Unsere Kirche wird von der römisch-katholischen Kirche anerkannt. Wir können etwa die Sakramente in Notsituationen gegenseitig spenden“, macht Gerte klar.

Doch natürlich gibt es sie auch, die Unterschiede, in denen der Belecker schließlich Antwort auf seine zweifelnden Fragen fand.

Grundsätzlich zeigt sich der orthodoxe Theologieansatz für den 33-jährigen klarer: „Die römisch-katholische Kirche hat sehr festgelegte Glaubenssätze, starke dogmatische und hierarchische Strukturen. Die Theologiegemeinschaft mit der Orthodoxie, an der wir uns zu 100 Prozent orientieren, sagt dagegen etwa: Das, was der Mensch nicht leben kann oder der Tradition widerspricht, „darf nicht zum verbindlichen Glaubenssatz werden. “

So lehnt die Nordisch-katholische Kirche auch die Unfehlbarkeit des Papstes und die neuzeitlichen Mariendogmen (unbefleckte Empfängnis) ab. Daraus resultierend sind die Geistlichen der nordisch-katholischen Kirche nicht dem Zölibat verpflichtet. „Wenn wir uns ansehen, wie die Apostel und Jünger gelebt haben, gab es dort auch verheiratete „Amtsträger“. Die rigorose Zölibatsverpflichtung ist nicht ursprünglich zu rechtfertigen“, erklärt Gerte. Angesprochen habe ihn auch, dass in „seiner“ Kirche Laien und Kleriker, Männer und Frauen in Kommissionen und Gremien gleichgestellt sind. „Schrift und Tradition der alten Kirche“ widerspräche allerdings der Weihe von Frauen zum Priester- oder Bischofsamt und die kirchliche Ehe von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Hier sieht Gerte „Nachholbedarf in der Kommunikation“: „Traditionell gilt die Fortpflanzung oberstes Gebot der Eheschließung. Wir müssen sehen, wie man das positiver formulieren kann. Niemand darf sich als Mensch zweiter Klasse fühlen.“ Grundsätzlich respektiere die Nordisch-katholische Kirche alle Menschen. Einen weiteren „kleinen“ Pluspunkt sieht der Belecker auch darin, dass seine Glaubensgemeinschaft keine Kirchensteuern erhebt. Wichtig ist es ihm zu betonen, dass er die Nordisch-Katholische Kirche nicht als „Konkurrenz“ zur römisch-katholischen oder evangelischen Glaubensgemeinschaften sieht. „Wir sind eine Ergänzung. Es geht uns um den seelsorgerischen Auftrag. Wir möchten für die Menschen da sein. Oft passiert es mir im Gespräch, dass mein Gegenüber sich mit seiner Kirche wieder auseinandersetzt und zu ihr zurückfindet. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig Unterstützung zu bieten – egal welcher Kirche ich angehöre. „Es ist das Gebot der Stunde des Christentums mit einer Stimme zu sprechen.“

Zu einem Gottesdienst lädt die Nordisch-Katholische Kirche in die Kunst- und Begegnungskirche in Eslohe-Reiste, Am Reinspring 2A, ein. Die ehemalige Kirche wurde vor zwei Jahren von der pensionierten Lehrerin Marianne Schneider übernommen und wird seit dem für kulturelle Veranstaltungen, wie Ausstellungen und Lesungen genutzt. Dr. Daniel Gerte freut sich, dass er an diesem würdigen Ort anlässlich des Hochfestes Allerheiligen einen Gottesdienst feiern darf. Darin werden Grabkerzen gesegnet, die von den Teilnehmenden gern mitgenommen werden dürfen. Beginn ist am 1. November um 10.30 Uhr, anschließend wird zum Gespräch bei Kaffee und Gebäck eingeladen. - iz

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