Nach einem Jahr Maskenpflicht

Mit Maske sorgt Mundatmung für Probleme

PTA Jutta Reinhardt und Apotheker Olaf Lappe beraten vermehrt Kunden, die Probleme mit Ausschlag unter der Maske haben.
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PTA Jutta Reinhardt und Apotheker Olaf Lappe beraten vermehrt Kunden, die Probleme mit Ausschlag unter der Maske haben.

Er ist ein Schlüsselelement der Pandemie-Hygiene-Maßnahmen und ist mittlerweile Alltagsaccessoire: der Mund-Nasen-Schutz. Bei häufigem Tragen kann er aber auch zu Hautproblemen führen.

Belecke – Was erwiesenermaßen gegen das Sars-CoV-2-Virus schützt, kann aber bei häufigem Tragen zu Hautirritationen und Verschlimmerungen von entzündlichen Hauterkrankungen führen. „Maskne“ – der Begriff für Pickel, die durch die mechanische Reizung des MNS entstehen – hat sich in unserem Sprachschatz etabliert und ist nach einem Jahr nicht nur in nahezu aller, sondern auch um vieler Munde.

Ein Indiz dafür, dass Akne, Dermatitis und Rosacea keine Ausnahmefälle in Pandemiezeiten sind.

Ärzte verschreiben mehr Salben

„Wir geben in allen drei Schürmann-Apotheken eindeutig mehr ärztlich verordnete Salben mit antibiotischem Wirkstoff und/oder Kortison heraus“, stellt Olaf Lappe, Apotheker in Beleckes Bahnhofsapotheke fest. Mitunter kommen Geplagte auch zur Erstbeurteilung in die Apotheke. „Im Zweifelsfalle und vor allem, wenn der Ausschlag vermehrt auftritt, empfehlen wir klar, zur Abklärung den Arzt zu konsultieren.“

In weniger schlimmen Fällen kann aber auch das Apotheken-Team helfen. „Am häufigsten kommt es tatsächlich vor, dass die Hilfesuchenden nicht etwa Probleme mit der Haut, sondern mit der Schleimhaut haben und über Kratzen im Hals oder gar Schmerzen klagen“, so Lappe. Die Beschwerden rühren daher, dass viele „automatisch wenn Mund und Nase bedeckt sind auf Mundatmung umstellen und zudem das Gefühl bekommen, lauter sprechen zu müssen“.

Maske muss perfekt sitzen

Darauf zu achten, dies nicht zu tun, misslänge oft. „Das ist einfach ein Automatismus und führt dazu, dass die Schleimhäute austrocknen und die Stimmbänder gereizt werden. Wir empfehlen dann: trinken, trinken, trinken und zwischendurch befeuchtende Pastillen zu lutschen.“ Ist aber die Haut rund um Mund und Nase betroffen, gilt es erst einmal, den Sitz der Maske zu prüfen: „Es gibt da schon Unterschiede. Man muss vielleicht ein wenig suchen, um den MNS zu finden, der perfekt passt, und man sollte auch stets darauf achten, dass der Nasenbügel gut angedrückt wird und die Maske glatt aufliegt. Höherwertige Produkte mit weicheren Stoffen sind oft besser.“

Trotz eines guten Sitzes entsteht natürlich unter jeder FFP2-Maske ein warmes, feuchtes Klima. „Dadurch quillt die Haut auf, die Hautbarriere leidet, der Abwehrmechanismus ist gestört. Bereits nach 20 bis 30 Minuten Tragzeit beginnt die Oberfläche zu durchfeuchten. Nicht nur die Filterwirkung lässt dann nach, ein weiteres Problem ist die zunehmende Verkeimung auf der Seite des Tragenden. Soll die FFP2-Maske (eigentlich ist sie ein Einmalprodukt) aus Kostengründen weiter getragen werden, sollte sie in einem separaten Beutel aufbewahrt werden und mindestens eine Woche „ruhen“, damit sich die Virenlast auf der Oberfläche verringert“, erklärt PTA Jutta Reinhardt, die selbst unter einer „Maskne“ leidet.

Ihr selbst habe es auch sehr geholfen, ihre Pflegeserie umzustellen. „Zu reichhaltige Cremes oder gar Make-up lassen die Haut noch weniger atmen. Wichtig ist, bei Reinigung und Pflege darauf zu achten, dass die Produkte für empfindliche und sensible Haut geeignet sind.“

Genützt habe ihr nach einer antibiotischen Behandlung auch die Anwendung von Salben und Gel mit Zink und Eisenionen. Auch kalte, feuchte Tücher, nach einem langen Arbeitstag aufgelegt, brachten Linderung. Wichtig sei zudem, weiß die Betroffene aus eigener Erfahrung, nicht dem Impuls zu folgen, wenn es juckt unterm MNS, mit der Hand hinzulangen. „Das macht es noch schlimmer, man bringt Bakterien und andere Krankheitserreger hinein.“

Übliche Salben nutzen nur wenig

Als sich bei Jutta Reinhardt die Pickelchen mehrten, hatte sie zunächst an einen Herpesvirus gedacht. „Wer sowieso damit zu kämpfen hat, ist nun durch die feuchte Wärme unter der Maske häufiger davon betroffen“, weiß ihr Kollege. Hier nütze es wenig, die üblichen Salben anzuwenden. „Kaum aufgetragen, rubbelt sich das schnell ab. Da sollte man dann häufiger nachcremen. Viel besser sind da Patches aufzubringen.“

Die letzte Gruppe mit Hautauffälligkeiten unter dem Mund-Nasen-Schutz sind die Allergiker. „Hier hilft zum einen ein Anti-Allergikum, zum anderen muss der Betroffene unterschiedliche Masken-Modelle ausprobieren, um eventuell den auslösenden Stoff zu finden und zu meiden.“ An dieser Stelle hoffen Reinhardt und Lappe, dass die Masken-Hersteller hier bald reagieren und entsprechende Modelle auf den Markt kommen. Denn: „Das Thema „Maske“ wird uns noch länger begleiten – das ist jedenfalls klar!“

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