Future Lab für Warsteins Jugend

Ziel, dass junge Intelligenz in Warstein bleibt

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Das ehemalige "Maxx" wird zum "Future Lab".

Warstein -  Dimitri Hegemann eröffnet an diesem Wochenende sein "Future Lab" in Warstein.

Der 63-jährige Berliner kommt gebürtig aus dem kleinen Werler Vorort Büderich und erinnert sich sehr genau daran, wie er sich in der damals verkrusteten Welt der Erwachsenen frei geschwommen hat. Trotz „glücklicher Jugend“ ging er am Ende weg – und zwar nach Berlin.

Mit diesem Erfahrungsschatz kehrt er heute zurück in die Kleinstädte und vermittelt Bürgermeistern, Verwaltungsleuten und anderen Entscheidungsträgern, wie man es macht, die jungen Leute in den Orten eine Perspektive zu geben. Am Freitag und Samstag macht er dies mit dem „Future Lab“ im alten „Maxx“-Gebäude.

Wenn es klappt mit seiner Initiative, soll Warsteins Jugend von hier aus durchstarten. Sein Rezept ist verblüffend einfach. Den jungen Leuten etwas zutrauen, ihnen Verantwortung geben. Das Wichtigste: „Sie müssen das ‘Ja’ erfahren“. Um den Prozess anzuschieben braucht es „Macher“. Er nennt sie „Key Leute“ oder „Prime Moovers“.

Genau diese ausfindig zu machen, ist auch Ziel des Workshops am Wochenende. Dabei sucht er kreative Leute, die bereits sind, sich zu engagieren. „Ich will nicht den verschnarchten arbeitslosen Sozialpädagogen finden.“ Und er braucht einen Ort. Den hat er in Warstein an einer wunderbaren Stelle gefunden.

Das alte „Maxx“ ist aus seiner Sicht ideal. „Ich will den jungen Leuten vermitteln: Hey, das ist euer Ding, eure Location. Hier könnt ihr durchstarten.“ Warum sich das alte „Maxx“ besonders eignet? „Es ist rough“, so Hegemann, rau oder auch grob. „Das Unfertige lässt vieles zu.“

Und genau das wünschten sich die jungen Leute zwischen 17 und 27, die er mit seinem „Happy-Locals“-Konzept ansprechen möchte. Denn ganz wichtig ist: „Der Ort muss angenommen werden.“ Und da hat Warstein aus seiner Sicht eine Vielzahl zu bieten.

 Etwa die alte Tankstelle an der Hauptstraße neben Mestermann, Oder auch das eine oder andere Ladenlokal. In Berlin würde man sich im solche Orte reißen. Hegemann denkt in viele Richtungen: „Warum nicht Abiturienten einen kleinen Laden geben, um ein Startup auszuprobieren?“ Beim letzten Treffen in Warstein traf er auch mit Flüchtlingen zusammen. „Das war ne coole Sache. Ich bin gleich zum Essen eingeladen worden, wir haben im arabischen Laden eingekauft und Falafel gegessen. Man könnte in der alten Tankstelle eine Falafel-Station aufmachen.“

 „Gib ihnen ein paar Dollars“

Als ideal sieht Hegemann auch die Unterstützung aus dem Rathaus an. „Bürgermeister Schöne sagt: Mach mal!“. Unterstützung sei zugesagt. Diese Zukunftsaufgabe zu begreifen, das sei aus seiner Sicht bei der Stadt angekommen. Und es gebe schließlich auch einen im Jugendhilfegesetz formulierten gesetzlichen Auftrag.

Im übrigen: Der billigste Weg für eine Stadt sei, der Jugend so entgegen zu kommen. „Gib Ihnen ein Budget! Gib ihnen ein paar Dollars“, so sein Appell. Es werde sich auszahlen. „Wenn die Stadt so etwas anbietet, ist dies ein Marketing-Tool“, weiß er. Hegemann ist fest überzeugt, dass dies für die Stadt Warstein eine „Wahnsinns-Chance“ ist.

 „Wir sehen Potenzial, wir sehen Räume, wir sehen, dass Warstein viel mehr machen könnte. Unser Ziel ist, dass die junge Intelligenz in Warstein bleibt.“ Dafür aber müsse man etwas bieten, das weit über einen Ort zum Feiern hinausgehe. Etwa ein „vibrierendes, alternatives Kulturprogramm – das ist mehr als einmal ‘Blockbuster ‘ im Jahr.“

 Und genau da kommt aus seiner Sicht „Happy Locals“ ins Spiel. „Wenn wir die Key-Leute finden, dann coachen wir sie“. Das bedeutet konkret auch eine Einladung nach Berlin, um dort Input für Warstein zu bekommen. Aber auch vom Happy-Locals-Netzwerk soll Warstein profitieren. „Wir haben in Berlin einen Überschuss an Kreativität“, so Hegemann. Damit auch Warstein zu versorgen, ist aus seiner Sicht machbar.

 Bands, die auf der Tour durch Deutschland auch in Warstein Halt machen. Am Wochenende wird nun der erste Schritt gemacht. Dabei erhofft sich Dimitri Hegemann eine große Vielfalt an Leuten, die etwas auf die Beine stellen wollen. Dass „We love Warstein“ dabei ist, darüber freut er sich. „Sie lieben ja schließlich ihre Stadt“, weiß er. Vielleicht aber auch der Vikar? „Sehr gern, es geht um das junge Warstein und die Zukunft“. Gern würde er es sehen, wenn jeder, der am Freitag um 17 Uhr kommt – gern auch noch ganz spontan – etwas mitbringt. Eine Tasse oder einen Stuhl etwa.

"Spektakulum" Warsteiner Sommer

Die Feuerwehr habe zwei Feuer-Tonnen für draußen vor dem Gebäude versprochen. So fange man mit dem Gestalten an. Für 2018 stellt Hegemann sich einen „Warsteiner Sommer“ vor, ein sechs bis acht Wochen dauerndes „Spektakulum“ mit Bands und Partys. Motto könnte sein: „Wir bespielen den Leerstand.“ Der Prozess ist erst einmal auf ein Jahr angelegt.

„No more Langeweile“ ist das Motto für die jungen Warsteiner. Die „Key-Leute“ werden gecoacht und motiviert. Nach einem Jahr gibt´s den „Reality-Check“, der festlegt, wie es weiter geht. Weil er so viel Zuspruch in Warstein bekommen hat und so gute „Locations“ vorgefunden hat, ist Dimitri Hegemann optimistisch, dass sein Happy-Locals-Konzept eine weiteren ideale Stadt zur Umsetzung gefunden haben könnte.

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