Justiz errechnet aus Geboten bei Zwangsversteigerung bestes Ergebnis für Gläubiger

„Hängepartie“ für Schlossgrundstücke

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Investor Detlef Gründer, Stadtkämmerer Stefan Redder, Rechtsanwalt Rainer Grote und Sachgebietsleiter (Stadtkasse) Georg Weißnicht (v.r.) bleibt nichts anderes, als zu warten.

Warstein – Die Zwangsversteigerung von sechs Grundstücken auf dem Gelände von Schloss Mülheim wurde gestern am Amtsgericht Warstein zu einer Hängepartie für alle Beteiligten. Sie müssen sich bis Freitag, 22. November, gedulden.

Dann wird um 10.30 Uhr verkündet, wer den Zuschlag für die gestern abgegebenen Gebote bekommt: Davoud Shahrokhshahi, Mitinhaber der BöSha Technische Produkte GmbH & Co. KG in Rüthen, bot als Gesamtbetrag für alle Parzellen 52 000 Euro.  Der Geschäftsmann hatte schon am 5. Juli bei der Versteigerung der Rentei-Gebäude ein Gebot abgegeben, das von der Stadt Warstein als Hauptgläubigerin aber umgehend zurückgewiesen worden war. 

Wenn sich die Stadt auch neutral verhalten muss und es ihr nur um den größtmöglichen Erlös der noch ausstehenden Forderungen aus Grundsteuern und in Vorleistung getätigten Investitionen gehen muss, hat sie doch ein Interesse, dass die Gründer und Tönjes GmbH aus Rheda-Wiedenbrück ihre Pläne für Gebäude und Gelände umsetzen kann. Deshalb musste Stadtkämmerer Stefan Redder gestern dem Gebot auch zustimmen, tat das aber ebenso für sechs Einzelgebote für die Grundstücke: Sie summieren sich auf 52 300 Euro. Die Justiz muss nun aus dem Gesamtbetrag und den Einzelbeträgen errechnen, wobei mehr für die Gläubiger herausspringt. „Versteigern statt verschleudern“ war eine Formel, die Rechtspflegerin Jutta Linnenbrügger mehrfach betonte.

Doch selbst wenn die Berechnung aus den Einzelbeträgen als Ergebnis hat, dass Davoud Shahrokhshahi nicht zum Zuge kommt, macht das die Sache für den bislang einzig für die Gründer und Tönjes GmbH in Erscheinung getretenen Detlef Gründer nicht einfacher: Zu seiner eigenen und zur Überraschung der Stadtvertreter (Kämmerer Stefan Redder, Sachgebietsleiter Stadtkasse Georg Weißnicht und Rechtsanwalt Rainer Grote) bot Benedikt Maximilian Tönjes aus Lippstadt mit. Die Namensgleichheit mit dem Partner von Detlef Gründer aus Rheda-Wiedenbrück scheint zufällig zu sein: „Der Mitbieter kommt ja aus Lippstadt“, so Gründer. Jedenfalls gab der junge Mann, der weder zu seiner Person noch zu seinen Beweggründen etwas sagen wollte, mit 40 400 Euro das größte Gebot für das Grundstück Nr. 10 ab, auf dem das Schlossgebäude steht. Er ersteigerte auch eine weitere kleine Parzelle, die anderen vier gingen an Detlef Gründer als Privatperson und an die Dranghausen 5 UG aus Frankfurt – dort ist Detlef Gründer Geschäftsführer.

Er zeigte sich verblüfft über das Bieterrennen, das sich nach Eröffnung des Zeitfensters für die Angebote abspielte: In Hunderter- und später Tausenderschritten ging es nach oben, aus einem geforderten Mindestgebot von 11 892,17 Euro beim Start wurden schließlich besagte 52 000 Euro von Davoud Shahrokhshahi. Als Jutta Linnenbrügger um 12.06 Uhr die Bietzeit beendete, wollte er noch einmal nachlegen – zu spät. Am 22. November wird sich zeigen, ob sein Gebot rechnerisch dennoch reicht.

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