Kunden kaufen Klopapier

Der Ansturm auf das Klopapier: Ist die Grundversorgung in Zeiten des Coronavirus gewährleistet?

Mehl soweit das Auge reicht: Eilings Bio-Mühle hat ein volles Lager und daran dürfte sich auch nichts ändern, so die Einschätzung.
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Mehl soweit das Auge reicht: Eilings Bio-Mühle hat ein volles Lager und daran dürfte sich auch nichts ändern, so die Einschätzung.

Alle wollen es. Keiner hat es - zumindest augenscheinlich Der Ansturm auf Mehl und Toilettenpapier ist in den Medien. Ist die Grundversorgung noch gewährleistet?

Warstein – Wie sieht es im Stadtgebiet mit der Versorgungslage im Handel aus? Gibt es Engpässe in Läden und Geschäften, vor allem was Lebensmittel angeht? Sind mit Blick auf die Sorge, dass zeitweise Schließungen anstehen könnten, Hamsterkäufe an der Tagesordnung? Mitarbeiter unserer Zeitung waren vor Ort, um die Lage zu beurteilen.

11 Uhr an der Bio-Mühle Eiling in Sichtigvor. Der Anzeiger hat sich mit Thorsten Eiling verabredet, um der Frage auf den Grund zu gehen, warum in den Geschäften in Zeiten des Coronavirus das Mehl immer wieder knapp wird. Die Eilings selbst haben ihren Online-Shop für ein paar Tage geschlossen, einen direkten Verkauf gibt es in der Bio-Mühle nicht. „Es gibt keinen Mangel an Mehl“, sagt Thorsten Eiling. Im Gegenteil. Mehl sei im Überfluss vorhanden. „Es gibt auch keinen Bäcker, der nicht genug Mehl bekommt“, sagt der Geschäftsführer des Familienbetriebes im Möhnetal und lädt zu einem Blick in seine Lagerhalle ein.

Toilettenpapier und Mehl: Mühle ist zuversichtlich

Und in der Tat: Mehlsäcke, soweit das Auge reicht. Dazu noch in bester Qualität und 100 Prozent Bio. Dass die Eilings – gemeinsam mit seinem Bruder Jens betreibt Thorsten Eiling das Unternehmen als Geschäftsführer und auch die Ehefrauen Maren und Christina greifen aktiv ins Rad – aktuell nicht alle Wünsche erfüllen können, hängt mit der enorm gestiegenen Nachfrage zusammen. Wie sich das Coronavirus im Kreis Soest auswirkt, erfahren Sie in unserem News-Ticker.

Die Sorge der Kunden über das Coronavirus macht sich bemerkbar: „Wir hatten in der vergangenen Woche an einem Tag die zehnfache Nachfrage als üblich“, so Thorsten Eiling. Deshalb habe man zum ersten Mal die Annahme von Online-Bestellungen gestoppt. 

Aber schon Anfang nächster Woche geht es weiter. Im Lager gehe es „kontinuierlich rein und raus“. Der Mühlenbetrieb laufe völlig reibungslos und Thorsten Eiling geht davon aus, dass das so bleibt.

Toilettenpapier in Supermärkten: Kunden ändern Kaufverhalten

Normaler Geschäftsbetrieb herrschte gestern auch in den Supermärkten, die mit fast allen Waren gut gefüllt waren. Im Rewe im Gewerbegebiet Fritz-Josephs-Straße gab es sogar bis nach Mittag Toilettenpapier, im benachbarten Müller-Markt war in den Regalen bis kurz zuvor ebenfalls noch etwas zu ergattern. Am Freitag gebe es wieder neues, hieß es hier. Geändert hat sich vielfach jedoch das Kundenverhalten. Viele kommen bereits am frühen Morgen, um sich einzudecken.

Coronavirus in Soest: Einzelhandel kämpft

Geschlossen hat die Volksbank-Filiale in Sichtigvor, bei der Engel-Apotheke werden die Kunden gebeten, nur maximal zu Dritt einzutreten. Schuh Sprenger hat seinen Ausverkauf mit Hochdruck gestartet, um vor einer möglichen Schließung ein Großteil absetzen zu können.

In Belecke sind die Regale bei Rewe Heiderich ebenfalls gut gefüllt. Es herrscht kein Mangel – außer am Toilettenpapier. Zumindest gegen Mittag. Michaela Kißler von der Post-Filiale berichtet vom Vortag über einen Paket-Versendeansturm „wie zu Weihnachten“. Genau erklären warum, kann sie auch nicht. Im Kaufhaus SB Lüning gibt es ebenfalls eine Änderung, wenngleich auch eine geringe. Kunden werden „aus gesundheitlichen Gründen“ um Bezahlung mit der EC-Karte gebeten, damit man Geld nicht von einer Hand in die andere geben muss. Andy Lewerenz kann von keinen Einschränkungen anderer Art berichten.

Toilettenpapier und Mehl: Grundversorgung nicht gefährdet

Sein Beispiel zeigt aber, dass mit dem Thema Abstand in Warstein noch sehr unterschiedlich umgegangen wird. Im Edeka-Markt von Olav Dumke in Suttrop gibt es noch keine Regelung, im Kombi-Markt in Warstein werden die Kunden gebeten, an der Kasse erst dann vor den unmittelbaren Kassenbereich zu treten, wenn der vorherige Kunde bezahlt hat.

Edeka-Kaufmann Peter Köster in Hirschberg führt sein Geschäft weiter wie bisher, mit der Neuerung, dass auch montags von 7 bis 12.30 Uhr geöffnet ist. „Eigentlich haben wir montags geschlossen, aber wir sehen, dass gerade für ältere Leute die Nachversorgung sehr wichtig ist“, stellte er fest. Auch bei ihm ist Toilettenpapier ausverkauft und Mehl auf einen Restbestand geschmolzen. „Man weiß nicht, was die Leute zu Hamsterkäufen bewegt. Es ist doch alles vorhanden, derzeit dauert nur die Verteilung wegen des Ansturms etwas länger“. Er stellt aber auch fest: „Jetzt sehen die Hirschberger, dass sie einen Nahversorger haben. Neben der Stammkundschaft kommen auch neue Leute“.

Das Coronavirus hat das bevölkerungsreichste Bundesland fest im Griff. Über aktuelle Ausbreitung und Entwicklungen des Coronavirus informieren wir in unserem NRW-Ticker.

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