Plage zerstört Lebensraum durch Abholzung

Geschützte Ameisen leiden unter Borkenkäfer-Invasion

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Auf Veranlassung des Regionalforstamtes Soest-Sauerland trafen sich Vertreter der Behörde mit zwei Experten der Ameisenschutzwarte und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Soest auf der abgeholzten Fläche, um über die Versetzung der Ameisenhügel zu beraten.

Warstein – Borkenkäfer gehören durchaus zum Speiseplan der Schwarzen Waldameise der Gattung Formica polyctena, genauso wie Raupen, Blattläuse und Honigtau. Aber die Menge der Schädlinge, wie sie im Vorjahr nach zwei sehr heißen und trockenen Sommern auftrat, konnten auch die Waldameisen nicht mehr verarbeiten – und sind somit selbst Opfer der Borkenkäferplage geworden. Nachdem zwischen Hirschberg und Niederbergheim im Herbst 2019 innerhalb von vier Wochen riesige Fichtenmengen abgeholzt worden waren, gehörten die Ameisen selbst zu den Geschädigten, die nun Schutz brauchen.

Ohne menschliches Dazutun ist eine Vielzahl der ca. 35 Nester bedroht, aber der größte Teil von ihnen kann gerettet werden. In einem vom Regionalforstamt Soest-Sauerland in Rüthen veranlasster Termin in der vergangenen Woche gab den Anstoß für Umsiedlungsmaßnahmen, die noch im April/Mai dieses Jahres geschehen müssen und werden. Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, des Regionalforstamtes sowie Willi Brandl und Manfred Diehl als Experten der Ameisenschutzwarte NRW vom Stützpunkt Siegen trafen sich vor Ort. Da der „Stützpunkt“ Sauerland/Kreis Soest aktuell verwaist ist, wurden die 78 und 75 Jahre alten Fachleute aus dem Siegerland zu Rate gezogen.

„Der Ameisenschutz ist für uns ein laufendes Geschäft, er ist immer im Fokus. Auch bei der Ernte der Bäume wurde und wird sehr auf den Erhalt der Ameisenhügel geachtet. Aber durch die Borkenkäfer-Kalamität kommen wir auch nicht ohne den Rat von Experten aus“, sagte Andreas Ernst, im Regionalforstamt zuständig für diesen Bereich. Schließlich geht es nicht um das Versetzen eines einzelnen Nestes, sondern um eine Vielzahl Nester mit abermillionen Tieren.

Ein Problem ist, dass die bis zu 1,5 Meter hohen und im Durchmesser vier- bis fünf Meter großen Hügel nach dem Fällen der Bäume unbeschattet in der Sonne liegen. Die Waldameisen lieben aber den „wandernden Schatten“ aus dem Lauf der Sonne. Schlimmer aber noch: Ohne die Fichten verlieren sie ihre Nahrungsgrundlage. Aus eigener Kraft kann ein ganzes Volk mit seinen 600 000 bis zu einer Million Tieren im Umkreis von etwa 50 Metern selbst einen neuen geeigneten Standort finden. Oder sie müssen umgesetzt werden. „Wenn man nichts macht, dann ist alles verloren“, sagt Willi Brandl, seit etwa 25 Jahren ehrenamtlich im Ameisenschutz aktiv. Selbst kann er nicht mehr an der Umsiedlung mitarbeiten, aber er und sein Kollegen Manfred Diehl können mit Rat helfen. „Eigentlich wird die Zahl der Borkenkäfer da klein gehalten, wo die Schwarze Waldameise ist. Aber jetzt waren sie in der Übermacht“, sagt Willi Brandl.

Den Ameisenvölkern im Kahlschlagsgebiet zwischen Hirschberg und Niederbergheim wird geholfen. Und zukünftig kann auch anderen schneller geholfen werden: Ausgehend vom Ortstermin soll im Bereich des Regionalforstamtes Soest-Sauerland in den Stadtwäldern von Warstein, Rüthen und Brilon eine Kartierung der Ameisenhügel durch die Naturschutzbehörde erfolgen. „Wir halten das für einen zwingenden Akt, um die Ameisenvölker in der großen Fläche zu schützen“, so Andreas Ernst.

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