Gelungenes Neujahrskonzert mit Camerata Europeana und Solist Ilya Rashkovskiy

Beethoven wäre begeistert gewesen

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Mal furios, mal einfühlsam – aber immer ganz nah beim Orchester: Weltklasse-Pianist Ilya Rashkovskiy.

Belecke – 250 Jahre alt zu werden, ist auch den Größten der Großen nicht vergönnt. Selbst sie können den Regeln des Lebens auf dieser Erde kein Schnippchen schlagen. Das gilt natürlich auch für Ludwig van Beethoven, den „größten Musiker aller Zeiten“, wie Bürgermeister Dr. Thomas Schöne in seiner Begrüßung zum Neujahrskonzert sagte – vor ausverkauftem Haus in der Neuen Aula in Belecke. Aber hätte Beethoven nicht nur seine Worte, sondern auch die zweistündige musikalische Würdigung durch das Symphonieorchester Camerata Europeana auf der einen und den Solisten Ilya Rashkovskiy auf der anderen Seite erlebt, wer weiß, vielleicht wäre er zumindest gestern sehr gern ein Warsteiner gewesen.

Es stimmte einfach alles an der 23. Auflage des Neujahrskonzerts der Stadt Warstein. Von der Vorbereitung und Organisation durch die Ehrenamtlichen der Ki, der Nachfrage nach Eintrittskarten in der ganzen Region bis hin zu dem von Dirigent Radoslaw Szulc sorgsam ausgewählten Programm - und insbesondere dem nach einem Jahr Pause erneut verpflichteten Solisten Ilya Rashkovskiy, der vor zwei Jahren mit dem 1. Klavierkonzert von Chopin die Besucher entzückt hatte und 2019 sogar noch zu einem Soloabend im Haus Kupferhammer zu Gast war, bei dem er gefeiert wurde.

Beim 3. Klavierkonzert c-moll stellte er gestern erneut seine außergewöhnlichen Qualitäten als Pianist unter Beweis – im Zusammenspiel mit der großen Besetzung der Camerata. Die spannungsgeladene Entwicklung im Mit- und Gegeneinander gelang ihm ohne Mühe. Auch in Momenten ekstatischer Läufe strahlte er größte Ruhe aus. Womöglich liegt dies auch an seinem unaufgeregten Auftreten mit freundlichem Lächeln, wallender Mähne und im schwarzen Hemd. Mal sind Orchester und Klavier gleichberechtigte Partner, mal tritt das eine oder das andere zurück, um große musikalische Wirkung zu erzielen. Der schöne Gesang zwischen Flöte und Fagott im Mittelteil, der von harfeähnlichen Klängen des Klaviers umspielt wird, ist bezeichnend für dieses gemeinsame Wirken. Das lebhafte Rondo im dritten Satz beeindruckte erneut durch gegenseitig animierendes Wechselspiel. Der begeisterte Applaus des Publikums nach dieser Leistung war berechtigt – und wurde von Rashkovskiy mit dem 2. Satz der Pathétique als Zugabe dankbar beantwortet.

Neujahrskonzert 2020 der Stadt Warstein mit der Camerata Europeana

Neujahrskonzert 2020 der Stadt Warstein mit der Camerata Europeana

Wie sehr die „Pastorale“, das Hauptwerk des Neujahrskonzert, das Gefühl und die Lebenswirklichkeit der Warsteiner trifft, darauf hatte Ki- Kupferhammer-Verantwortliche Gisela Juraschka in ihren Begrüßungsworten verwiesen. Beethovens Naturfreude und Gefühle finde sich auch in der „reizvollen Natur, den Feldern, Wiesen und Wäldern des Arnsberger Waldes“ wieder. „Beethoven steht uns auch emotional nah“, sagte sie und begründete damit ein Projekt zum Beethovenjahr, das die Ki gemeinsam mit dem Pastoralverbund Rüthen/Anröchte angeht. Die einzelnen Sätze der „Pastorale“ werden sowohl bei Wanderungen im Bilsteintal als auch auf den Dreiklang-Pilgerwegen in Kallenhardt in freier Natur zu erleben sein.

Die heitere ländliche Stimmung setzte das Orchester gekonnt in Musik um. Nicht zu übersehen war die große Spielfreude des Orchesters, das als Projektorchester nur zu rund einem Dutzend Konzerten alljährlich zusammen kommt. Die Pastorale wirkte wie aus einem Guss. Man fühlte sich förmlich wie im Gewitter und hörte die Hirten fast wirklich singen. Nach hoch verdientem, lang anhaltenden und kraftvollem Applaus formulierte Dirigent Radoslaw Szulc mit Blick auf die Zugabe das einzige „Problem“ des Tages: „Ich habe schlaflose Nächte gehabt. Nicht, weil ich Vater geworden bin, sondern weil ich nicht weiß, ob man Bach im Beethovenjahr spielen darf.“ Aber: Sie spielten „es“ – das „Air“ von Bach ist in Warstein die Traditions-Zugabe der Camerata und darf in keinem Jahr fehlen. Herrlich!

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