US-Studenten erstellten Studie

Junge Amerikaner loben  Flüchtlingsintegration in Warstein

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Die Warsteiner nahmen am Mittwochabend Abschied von den fünf Studenten, die ihnen in den vergangenen Wochen ans Herz gewachsen waren

Warstein. „Warstein ist eine fürsorgliche und entschlossene Gemeinschaft!“ Das haben die fünf amerikanischen Studenten herausgefunden, die in den vergangenen sechs Wochen zu Forschungszwecken im Stadtgebiet unterwegs waren. Die Ergebnisse ihrer Studie zum Thema „Flüchtlingsintegration“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln stellten sie am Mittwochabend im Haus Kupferhammer vor.

Zum Auftakt begrüßte Bürgermeister Dr. Thomas Schöne die vielen interessierten Zuhörer, insbesondere aber die Gäste aus den USA, mit einem „warm-hearted welcome“ (einem herzlichen Willkommen). In diesem Fall war der Betreuer der Gruppe, Gerd Flaig, noch nicht gefragt. Als es anschließend um die Methoden ging, mit denen die Studenten zu Werke gegangen waren, betätigte er sich dann aber einmal mehr als ihr Dolmetscher. Um die Stärken und Schwächen des lokalen Flüchtlingshilfe-Systems herausfinden zu können, hatten die Studenten die Definition erfolgreicher Integration mit dem Ist-Stand in Warstein verglichen. Dass die Wästerstadt dabei recht gut abschnitt, ist zu einem großen Teil den vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken: „Sie sind eine bedeutende Ressource.“ Sehr erfolgreich stellen sie sich unter anderem dem Papierkrieg mit den Behörden, helfen bei der Suche nach Wohnungen, Arbeits- und Ausbildungsplätzen, organisieren Mitfahrgelegenheiten und Transporte, informieren über günstige Einkaufsmöglichkeiten und sorgen für positive Sozialkontakte. Allerdings, so ein Sprecher der Gruppe, sei es aufgrund der vorhandenen 1:12- Quote schwer, alle zu betreuen: „50 Prozent der Hilfesuchenden haben keinen unmittelbaren Kontakt.“ „Hilfreiches und schnelles Agieren“ bescheinigt die Studie den Behörden. Mit ihrer Hilfe konnten die Flüchtlinge zum Beispiel nach dem ersten Ansturm im Jahr 2015 „relativ schnell“ aus ihren provisorischen Unterkünften ausziehen. Dass sie inzwischen in eigenen Wohnungen über das gesamte Stadtgebiet verteilt leben, bewerteten die angehenden Akademiker positiv: „Es hat keine Ghettobildung stattgefunden.“ Gute Noten bekamen auch Schulen und Lehrer: „Sie haben die Neuen sehr positiv aufgenommen.“ Diese „Willkommenshaltung“ sei weit verbreitet, insbesondere in den Vereinen. Zusammen mit den im Vergleich zu Großstädten günstigen Lebenshaltungskosten führt sie dazu, dass viele Neubürger dauerhaft in Warstein bleiben wollen. Mangel herrscht indessen an adäquaten Fortbewegungsmöglichkeiten. Alle Befragten bemängelten, dass Busse zu selten fahren und dabei viel zu wenige Zielorte ansteuern. Ein Großteil der Flüchtlinge kommt aus größeren Städten mit unterschiedlichsten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Im eher ländlichen Warstein fühlen sie sich häufig „festgefahren“ - auch, weil sie sich nicht über die vorhandenen Angebote informieren können. Info-Lücken wurden auch in den Bereichen Ausbildung und Wissen festgestellt. Gerd Flaig: „Da müssen wir sie an die Hand nehmen. Sie laufen ja nicht alleine los.“ Helfen könnten nach Ansicht der Studenten unter anderem eine Facebook-Gruppe, auf der sich alle Beteiligten austauschen könnten oder eine Website mit Hinweisen und Ankündigen und möglicherweise mit Hilfeformularen zum Ausdrucken. Regelmäßige Treffen wie das Welcome-Cafe in Sichtigvor und der Caritas-Treff in Warstein erfreuen sich großer Beliebtheit. Dennoch wünschen sich die meisten Flüchtlinge mehr Kontakt zu Warsteinern – auch zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse. Letztere könnten laut Studie durch zusätzliche Nachhilfeprogramme erweitert werden. Dabei sind nicht nur die Schulen oder das Jobcenter gefragt: „Hilfreich wären Treffen zu zwangloser Kommunikation mit Muttersprachlern.“ Zur oft gewünschten Verbesserung des innerörtlichen Personennahverkehrs fand sich zwar in der Studie keine Lösung, warf die Gruppe gemeinsam mit Gerd Flaig einen „Zündfunken“ für die weitere Arbeit am schwierigen Thema in die Diskussion. Man könne zum Beispiel Mitnahmeplätze am Gartenzaun von Pastor Müller einrichten, indem man die vorhandenen grauen Gehwegplatten punktuell durch weiße ersetze: „Wer sich draufstellt, möchte mitgenommen werden.“ Mit anhaltendem Applaus bedankten sich die Anwesenden abschließend für die Arbeit der Studenten. Am Donnerstagmorgen wurden sie vom Bürgermeister zu einem letzten Abschiedsbesuch im Rathaus empfangen, bevor sie heute vom Frankfurter Flughafen aus wieder in Richtung Heimat starten.

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