Pater Lucas Dolle tödlich verunglückt

WARSTEIN ▪ Noch am Vortag hatte er sich telefonisch aus Brasilien bei seinen Verwandten in Warstein und Meschede gemeldet. Einen Tag später, am 26. Februar, ist der Franziskanerpater Lucas Dolle im Alter von 83 Jahren bei einem Verkehrsunfall nahe der Stadt Santo Antonio de Jesus im Bundesstaat Salvador de Bahia tödlich verunglückt – zwei Wochen vor seinem 84. Geburtstag, den er am 12. März gefeiert hätte.

Pater Lucas wuchs in Wehrstapel bei Meschede auf. Nach der Schule machte er zunächst eine Ausbildung als Drogist. Als Spätberufener trat er im April 1956 den Franziskanern im Kloster Bardel bei Bad Bentheim bei, bei denen er auch das Abitur ablegte. Im Mai 1957 reiste er nach Brasilien zum Theologiestudium. Nach Studium und Priesterweihe in Brasilien wurde er in den brasilianischen Norden als Missionar ausgesandt.

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Dort war er lange als Pfarrer in verschiedenen Gemeinden tätig, hauptsächlich in Canindé im Bundesstaat Ceara und in Triunfo im Bundesstaat Paraiba. Dort sorgte er sich besonders um die Armen und baute eine sehr lebendige Kinder- und Jugendarbeit auf. Auf seine Initiative wurde in Canindé eine kleine Krankenstation gegründet, die schnell so groß wurde, dass ein Kloster mit einer dazugehörigen Schule in ein Krankenhaus umgebaut wurde, in dem mittlerweile 32 Ärzte arbeiten. „Damit hat sich ein Entwicklungshilfeprojekt mustergültig entwickelt“, bedankte sich Pater Lucas Anfang 2102 bei der Gemeinde, Sankt Joseph Weidenau, die das Projekt finanziell unterstützt hatte.

Einige Zeit war Pater Lucas Guardian des historischen Franziskanerklosters in der Altstadt von Salvador de Bahia, bevor er vor fast acht Jahren eine Pfarrei mit einem historischen Kloster, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, in Cairu, einer Gemeinde auf einer Insel vor Salvador, übernahm.

Dort musste er gegen viele Widerstände kämpfen. Aber es gelang ihm nach und nach, viele Menschen zum Glauben zurückzuführen. So baute er eine „Besenfabrik“ auf, in der aus Plastikflaschen Straßenbesen hergestellt wurden, und war Vorsitzender des Trägervereins des Kinderdorfes „Cidade da Crinca“, in dem über 180 Kinder aus Armutsvierteln betreut werden.

Im Urlaubsort Morro de Sao Paulo, der zu seiner Pfarrei gehört, baute er mit Hilfe seines Heimatbistums Paderborn zwei Kapellenschulen, die Zentren der Neuevangelisierung wurden. Bei einem Besuch im Juli 2009 weihte Weihbischof Matthias König aus Paderborn diese Schulen ein.

Pater Lucas hatte noch viele Pläne, weil er sah, wie vieles in seinem Bereich brach lag. Mit seiner letzten E-Mail an seine in Warstein lebenden Verwandten schickte er Fotos von jungen Leuten, die er zu Katecheten ausgebildet hatte und die nun in den einzelnen Bereichen der großen Pfarrei eingesetzt werden sollten. Er schrieb: „Ich will noch zwei Jahre machen; dann wird es hoffentlich einen Nachfolger geben.“

Sein Bruder Johannes Dolle aus Warstein ist dankbar für die vielen Solidaritätsbekundungen aus Brasilien und der Heimat, die die Zuneigung und Wertschätzung vieler Freunde und Weggefährten für Pater Lucas bekunden.

Die Mitbrüder im Kloster Bardel bei Bad Bentheim, das zur brasilianischen Franziskanerprovinz gehört, haben bereits am Todestag das Requiem gefeiert. Auch in seiner Heimat wird des Verstorbenen gedacht, die Beisetzung in Brasilien hat bereits gestern stattgefunden.

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