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Flüchtlinge in Warstein spüren Stimmungswandel nach Köln

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Von: Peter Teichmann

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Auf Englisch und Deutsch machen die Männer deutlich, dass sie die Gastfreundschaft der Deutschen schätzen und sich von den Übergriffen distanzieren.
Auf Englisch und Deutsch machen die Männer deutlich, dass sie die Gastfreundschaft der Deutschen schätzen und sich von den Übergriffen distanzieren. © Christian Clewing

Warstein -  Die Ungerechtigkeit, mitverantwortlich gemacht zu werden für Taten, an denen sie nicht beteiligt waren, haben die in Warstein lebenden jungen Männer unter den 611 Flüchtlingen seit den kriminellen Handlungen in Köln und anderen Städten in der Silvesternacht zu spüren bekommen.

„Plötzlich hörten wir auf der Straße, wie Leute im Vorbeigehen sagten: Sch... Ausländer. Das kannten wir vorher nicht, das war bis dahin nicht vorgekommen“, klagt Ahmed Al Wattar. Er spricht Englisch, aber das „Sch... Ausländer“ flicht er in Deutsch ein. Er und seine Schicksalsgenossen wissen sehr wohl um die Bedeutung.

Die Diskussion hat ihm und den anderen Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Afghanistan und weiteren Staaten keine Ruhe gelassen. Im Gegenteil, es hat sie umgetrieben und auch ein bisschen verzweifeln lassen, weil die gute Atmosphäre in Warstein, die bis zum Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe auf Frauen und Taschendiebstähle in Köln, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart, die überregional verbreitet wurden, erheblich gestört wurde.

Dem 27-jährigen Ahmed Al Wattar, der zu den ersten in der ehemaligen Gutenbergschule in Warstein untergekommenen Flüchtlinge gehört und inzwischen in einer eigenen kleinen Wohnung lebt, hat das keine Ruhe gelassen. 

Wegen seiner Englisch-Sprachkenntnisse setzt er sich für die jungen Männer ein, die jetzt dort wohnen, und gemeinsam wurde insbesondere nach der sehr wohlwollenden Aufnah

Hier die Stellungnahme im Wortlaut.

me beim Neujahrsempfang in Suttrop diskutiert, was zu tun sei. Die folgenden Tage und insbesondere die Nacht zum Dienstag wurden genutzt, um eine Erklärung zu verfassen und Transparente zu malen. Die letzten noch am Mittwochmorgen. 

Unterstützt wurden sie von ihrem Deutschlehrer Alfred Aßmann und Ratsherr Gerd Flaig. Um 6.10 Uhr am Dienstag wurde ihm die letzte Fassung der Stellungnahme zugemailt, die Flüchtlinge hatten die Nacht durchgemacht. Der Text wurde ins Deutsche übersetzt und am Mittwoch zur Veröffentlichung an die Presse gegeben – eine Möglichkeit, für die Ahmed Al Wattar sehr dankbar ist: „Wir können hier die Pressefreiheit nutzen, die es in unserer Heimat gar nicht gibt. Wir hoffen, dass die Menschen unsere Meinung als ehrlich annehmen.“

In Köln hätten 1000 von einer Million Flüchtlingen sich verbrecherisch verhalten, was inakzeptabel sei und hart bestraft werden müsse. Für die jungen Männer in Warstein hat er die Empfehlung ausgegeben: „Haltet Abstand, wenn ihr merkt, wenn euch Mädchen entgegenkommen und sich sichtlich unwohl fühlt. Vermeidet alles, um dieses Gefühl nicht zu verstärken.“

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