Firma Hildebrandt gibt geflüchtetem Iraner Hares Akbari eine Chance

Iraner bekommt eine Chance: Mit 31 Jahren als Azubi nicht zu alt

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Firmenchef Ralf Hildebrandt mit seinem Azubi Hares Akbari, Geselle Mirza Arnautovic und Altbürgermeister Manfred Gödde (v.l.), der als junger Mann als Kaufmann ebenfalls in der Firma Hildebrandt gearbeitet und nie den Kontakt verloren hat.

Warstein – Im 141. Jahr ihres Bestehens bildet die Bauschlosserei Hildebrandt an der Rangestraße erstmals einen Lehrling aus dem Iran aus.

Zu dieser ungewöhnlichen Tatsache kommt noch hinzu, dass der Lehrling Hares Akbari bereits 31 Jahre alt ist. Aber der Vater einer kleinen Tochter „will“, das ist in den vergangenen Monaten bereits deutlich geworden. Er will Deutsch lernen und ist in Wort und Schrift schon so gut, dass er dem Blockunterricht an der Berufsschule in Lippstadt folgen kann, und er will im Januar 2023 seine Gesellenprüfung bestehen. Firmenchef Ralf Hildebrandt ist überzeugt, dass Hares Akbari das packen wird: „Er ist sehr ehrgeizig.“ Das bezieht er sowohl auf die tägliche Arbeit als auch auf die immer besser werdenden Deutschkenntnisse. Wobei Hares zugibt, dass ihn der Stoff im Blockunterricht schon herausfordert. Aber er lernt nach Feierabend, und zur Theorie sagt er schmunzelnd: „In meiner Berufschulklasse in Lippstadt bin ich der Opa. Meine Mitschüler sind 16 oder 17 Jahre alt.“

Dass Hares Akbari in Warstein im Sauerland und nicht in seiner iranischen Heimat seinen Lebenunterhalt verdienen muss, liegt letztendlich an seinem Glauben: Er ist Katholik. Die Lebensumstände wurden im Jahr 2015 so bedrohlich, dass er mit seiner Frau nach Deutschland floh. Sie landeten in Warstein, wo sie in der Flüchtlingsbetreuung Manfred Gödde kennenlernten. Im Frühjahr diesen Jahres trafen sich der junge Iraner und Manfred Gödde, nachdem Akbari seine Deutschkurse absolviert hatte. Wie es seine Art ist, wollte der Altbürgermeister wissen, wie sich sein ehemaliger Schützling denn das weitere Leben vorstelle: „Du musst doch was tun!“ Und Hares sagte ihm, was er wollte: Am liebsten als Schlosser arbeiten, denn vor der Flucht hatte er im Iran in einer Fabrik der Metallbranche gearbeitet. Manfred Gödde fragte bei Ralf Hildebrandt an, der die Bauschlosserei an der Rangestraße in der vierten Generation leitet. Der gab Hares Akbari eine Chance und war so überzeugt, dass er nach einem kurzen Praktikum bei der Agentur für Arbeit dafür sorgte, dass daraus eine mehrmonatige „Einführung in den Beruf“ wurde. Die mündete im Ausbildungsvertrag ab dem 1. August.

„Wir haben in der Vergangenheit immer ausgebildet, mein Vater hatte im Betrieb drei Lehrlinge und im Einzelhandel genauso“, sagt Ralf Hildebrandt. Doch in den vergangenen Jahren sei es immer schwieriger geworden, geeigneten Nachwuchs zu finden. Entweder waren die jungen Männer überfordert, oder sie reichten den Ansprüchen nicht. „Bei Hares ist das jetzt anders“, so der Chef, und sein Geselle Mirza Arnautovic (44) pflichtet ihm bei: „Der weiß, was er tut.“ Zudem hat der junge Familienvater, dessen Frau im Januar die zweite Tochter erwartet, den Führerschein. Das ist ein Vorteil seines Alters gegenüber Azubis, die direkt von der Schule kommen.

Sein Kollege Mirza Arnautovic unterstützt Hares Akbari in seinem Bemühen und hilft ihm bei der Arbeit, wo er kann. Er kennt sich aus mit Startschwierigkeiten: Im Jahr 1992 kam er aus Bosnien, und auch ihm gab die Firma Hildebrandt eine Chance. Auch dabei hatte Manfred Gödde die Finger im Spiel, der als junger Mann als Kaufmann in dem Unternehmen beschäftigt war.

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