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Feuer in Warsteiner Wintergarten: Polizei geht von Brandstiftung aus

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Von: Alexander Lange

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte der Wintergarten im „Legoland“-Wohngebiet in voller Ausdehnung. Die Polizei sagt, dass es wahrscheinlich Brandstiftung war.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte der Wintergarten im „Legoland“-Wohngebiet in voller Ausdehnung. Die Polizei sagt, dass es wahrscheinlich Brandstiftung war. © Feuerwehr der Stadt Warstein

Von Samstag auf Sonntag brannte ein Wintergarten in Warstein. Die Polizei sagt, dass es wahrscheinlich Brandstiftung war. Die betroffene Familie schildert jetzt, wie sie die Brandnacht erlebte. Zudem erklärt der Oberbrandmeister aus der Nachbarschaft, wie er in der Nacht geistesgegenwärtig handelte.

Warstein – Die Folgen sind immer noch zu sehen und ebenso zu riechen. Und auch der Schock sitzt noch tief. In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannte ein Wintergarten im Warsteiner „Legoland“-Wohngebiet in voller Ausdehnung. Die Freiwillige Feuerwehr Warstein war mit den Löschzügen Warstein und Suttrop/Hirschberg sowie mit den Drehleitern aus Belecke und Rüthen fast vier Stunden lang im Einsatz. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Denn zum Zeitpunkt des Feuers waren weder Haus noch Wintergarten bewohnt, die Warsteiner Familie war auf dem Weg in den Urlaub beziehungsweise der Sohn unterwegs. „Wir machten gerade Zwischenstation in Slowenien, wollten zwei Wochen in Albanien Urlaub machen, als gegen zwei Uhr in der Nacht der Anruf kam“, berichtet der betroffene Familienvater, der aber nicht namentlich in der Zeitung genannt werden möchte: „Mein Nachbar hat mich per Video angerufen. Wir konnten quasi live sehen, wie unser Wintergarten in Brand stand, während wir noch in Slowenien waren.“ Das sei das „schrecklichste Gefühl“ an der ganzen Situation gewesen, berichtet er: „Wenn man nur zuschauen kann und nicht vor Ort sein kann, ist das eine Katastrophe.“

Noch in der Nacht auf den Rückweg gemacht

Direkt in der Nacht machte sich die Familie auf den Rückweg nach Warstein, an Urlaub war nicht mehr zu denken: „Es ist schlimm, wenn du stundenlang im Auto sitzt, aufgrund des Ferienendes noch im Stau stehst, 1 000 Kilometer vor dir hast und dein Wintergarten brennt.“ Erst am Sonntagmittag gegen 13 Uhr trifft die Familie wieder im Warsteiner „Legoland“ ein. Die Feuerwehr ist längst schon wieder abgerückt, der Brandort durch die Polizei abgesperrt, Nachbarn stehen der Familie bei und bieten Hilfe an.

Weil der Brandsachverständige noch nicht vor Ort war, darf die Familie den Wintergarten auch noch nicht betreten geschweige denn abreißen: „Es stinkt, die Nachbarn können gar nicht lüften und man will eigentlich gar nicht das Haus verlassen, weil man dann sofort wieder auf den abgebrannten Wintergarten sieht.“

Kein technischer Defekt, sondern Brandstiftung

Unter anderem ein Sofa, Tisch, Fernseher und Pflanzen standen in dem Wintergarten, an den auch eine Abstellkammer mit Gartengeräten angeschlossen war. Darin Rasenmäher, Schüppen und Co. Dort sei das Feuer wohl auch ausgebrochen: „Weil alles abgebrannt ist haben wir nicht einmal mehr Schüppen oder Besen, um die Scherben und die kaputten Dachziegel aus dem Garten zu räumen.“

Auf Nachfrage teilt die Polizei mit, dass es auch kein technischer Defekt, sondern wohl Brandstiftung war. „Wir hatten vor der Abfahrt am Freitag alles sicher für den Urlaub gemacht. Im Wintergarten waren auch nur ein WLAN-Verstärker und die Smartbox für den Mähroboter“, berichtet der Familienvater. Allerdings nicht dort, wo das Feuer offenbar ausbrauch. Es muss also gelegt worden sein. Die Polizei hofft deshalb auch auf Zeugen und bittet die Bevölkerung und Anwohner um Hinweise, wer in der Nacht Auffälliges im Umfeld des Wohngebietes gesehen haben könnte. Die Familie wartet jetzt auf das Ergebnis der Versicherung, um anschließend den Wintergarten wieder aufzubauen.

Zwei Warsteiner Oberbrandmeister eilten direkt zum Wintergarten

Jörg Drescher ist Oberbrandmeister im Warsteiner Löschzug und gleichzeitig Nachbar der Familie. Als er mit einem weiteren Mitglied des Löschzuges in der Nacht über den Melder alarmiert wurde, fuhren sie nicht zur Wache, sondern rannten direkt zum Brandherd. „Eine Minute nach Alarmierung war ich da, der Wintergarten stand schon in Vollbrand“, erinnert sich Drescher. Gemeinsam hätten sich beide schnell ein Bild der Lage gemacht und das an die Leitstelle weitergegeben, um den eintreffenden Feuerwehrkräften weitere Infos zu liefern. Weil im Wohnhaus Licht brannte und die beiden nicht wussten, ob die Familie im Urlaub ist oder nicht, verschafften sie sich gewaltsam Zutritt, indem sie die Haustür eintraten. Im Inneren suchten sie alle Räume ab, mussten glücklicherweise aber nur den Hund ins Freie bringen. „Am wichtigsten war dann die Riegelstellung, damit das Feuer nicht auf das Wohnhaus beziehungsweise die Hecke und das Nachbarhaus übergreifen konnte“, so Drescher: „Dem ersten eintreffenden Gruppenführer konnten wir dann sofort Infos geben und auch noch die Wasserversorgung über einen Hydranten aufbauen. Dann haben wir uns aber zurückgezogen, wir waren ja in dem Moment nur Zivilisten.“

Die beiden seien auch nur „so weit gegangen“, „weil wir in dem Moment genau wussten, was zutun ist“, so Drescher. Aber auch Laien gibt er den Tipp, wenn sie beispielsweise ein Feuer in der Nachbarschaft entdecken: „Als erstes die 112 rufen und der Feuerwehr die Lage erklären. Dann laut sein, warnen, Sturm klingeln und auf sich aufmerksam machen, falls noch jemand im Haus ist. Aber niemals selber in Gefahr bringen.“ Und dann die eintreffenden Kräften der Feuerwehr bestmöglich informieren: „Denn bei solchen Situationen kommt es auf jede Minute an.“

Vor fast genau zehn Jahren brannte die Sauna im gleichen Haus

Es war nicht das erste Mal, dass die Warsteiner Feuerwehr zur Familie ausrücken musste, wo nun der Wintergarten brannte. Vor fast genau zehn Jahren brannte bereits die Sauna im Keller des Hauses, dass 2002 gebaut wurde. Damals war es aber ein technischer Defekt, wie festgestellt wurde. „Es ist schrecklich, dass uns so etwas nun schon wieder passiert ist“, so der Familienvater.

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