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Freie Fahrt für Fische

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Von: Christian Clewing

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Als „Vater des Projekts“ oblag es Markus Teutenberg von der Stadt Warstein, symbolisch die renaturierte Wäster im Bereich Josefswäldchen an die 30 jungen Bachforellen namens Josef und Josefine zu übergeben. © Christian Clewing

Warstein – Es sind waschechte Warsteiner. Und doch zog es sie gestern Vormittag nicht flussaufwärts durch die neugeschaffene Aufstiegshilfe in Richtung der Entstehung der für Warsteins Leben und Industrie so wichtigen Wäster. Stattdessen bevorzugten die 30 jungen Bachforellen namens Josef und Josefine den Weg in Richtung des Nachbarortes, wo der Fluss „fälschlicherweise“, wie Ortsvorsteher Dietmar Lange unkte, mit „e“ geschrieben wird. Doch egal, wo die vom Sportfischerverein aufgezogenen Bachforellen künftig ihr Zuhause finden werden, dank der seit 2010 bereits abgeschlossenen und noch erfolgenden Renaturierungen in beiden Orten finden sie optimale Bedingungen vor.

Dass Markus Teutenberg von der Stadt Warstein nun nicht nur „Vater des Projektes“ ist, sondern seit gestern auch Pate für 30 Bachforellen ist, lag an der Fertigstellung des ersten und zweiten Bauabschnittes, der dritte und letzte folgt dann nach dem Abriss des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses mit der Schaffung des „Wäster-Boulevards“. Im Bereich Fliegenpark und Josefswäldchen wurden rund 650 000 Euro verbaut, für alle Abschnitte beläuft sich die Summe auf rund 1,29 Millionen Euro – gefördert zu 90 Prozent, denn damit setzt die Stadt Warstein nicht nur die Wasserrahmenrichtlinien für die Durchlässigkeit der Gewässer um, sondern sorgt auch für die Verbesserung des Hochwasserschutzes.

„Hier werden Ökologie, innerstädtische Entwicklung und Erlebbarmachung kombiniert“, freute sich Bürgermeister Dr. Thomas Schöne bei der symbolischen Übergabe der Wäster an die Bachforellen. Wie letztere sich entwickeln, das können die Bürgerinnen und Bürger nun auch in der Innenstadt hautnah erleben, denn an mehreren Stellen gibt es neue Zugänge per Rampen. „Unser Reichtum sind unsere Flüsse“, betonte der Bürgermeister dann auch, allerdings würden sie „oft nicht wahrgenommen“.

Dabei hatte insbesondere die Wäster früher eine große Bedeutung für die Warsteiner: „Das war die Lebensader unserer Stadt“, so Stadtkustos und Ortsvorsteher Dietmar Lange, „sie hat über Jahrhunderte Stadtgeschichte geprägt.“ Man müsse die Wäster, die nie zufriert und daher das ganze Jahr über Energielieferant für zahlreiche Schmieden und Industriebetriebe an ihren Ufern war, wieder neu ins Bewusstsein rücken; das sei eine „große Aufgabe“ aber mit den Projekten „toll“ gelungen.

Dass sich künftig Bachforellen und Groppen dort besonders wohlfühlen werden, davon ist Lisa Bamberg vom Gewässerbüro Klein überzeugt. Doch der Weg dahin war nicht einfach: „Das wird eine schwierige Kiste“, urteilte sie mit Blick auf die für Fische unüberwindbaren Hürden, die die Fachfrau am Ende aber überwindbar machte: Die alte Wehranlage mit einem 2,20 Meter hohen Absturz wurde beseitigt, statt Betonrampe finden die Fische nun auf einer Länge von 60 Metern 20 Steinriegel mit Schlitzen und entsprechend viele Becken vor. Die jeweils rund elf Zentimeter Höhendifferenz dazwischen seien für die Tiere problemlos zu überwinden. Zudem wurde das Wäster-Bachbett von rund dreieinhalb auf siebeneinhalb Meter aufgeweitet, biete somit mehr als den doppelten Raum. Ein wichtiger Schritt für den Hochwasserschutz, wie Lisa Bamberg betonte.

Eingeladen und mit Dankesworten bedacht waren gestern nicht nur Stadt- und Behördenvertreter, die Politik, beteiligte Firmen, sowie der Sportfischerverein, sondern auch die Nachbarn. Denen war es vor allem wichtig, dass nach dem Umbau und dem baldigen Bewuchs auch die Pflege sichergestellt ist. „Ahorn-Sämlinge sollen nicht die Bauwerke beschädigen oder für Beschattung sorgen“, versicherte Markus Teutenberg Maßnahmen, betonte aber gleichzeitig, dass auch zur Gewässerrenaturierung sich selbst ansiedelnde Pflanzen gehören: „Wir werden hier sicher eine Ausgewogenheit zwischen Pflege und Ökologie erreichen.“

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