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56 „Farbimpulse“ in der Hauptstadt Berlin

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Künstlerin Julija Ogrodowski stellt in berlin aus.

BELECKE ▪ Als Botschafterin ihrer Wahlheimat Warstein eröffnete die Belecker Künstlerin Julija Ogrodowski zum Wochenbeginn eine Ausstellung in Berlin-Schönefeld. Unter der Überschrift „Farbimpulse“ zeigt die 39-Jährige im Gebäude der Berliner Elektronenspeicherring-Gesellschaft (BESSY) 56 Ölgemälde, Aquarelle, Textilbilder und Seidenmalereien mit unterschiedlichen Motiven.

Eines der Bilder gewährt einen verträumten Blick auf „Belecke im Schnee“. Die Entstehungsgeschichte der Altstadtansicht erläuterte die aus Russland stammende Künstlerin den Gästen der Eröffnungsfeier: „Ich trete mit meiner neuen Heimat in einen Dialog.“ Geheimnisvoll ist nicht nur der Name des Kunstwerkes, auf dem sich die Fachwerkhäuser des Propsteiberges um den wuchtigen Turm der alten Kirche schmiegen, auch die gekrümmte Perspektive gibt dem Betrachter Rätsel auf. Nach den Worten der gelernten Designerin führt es nicht nur das „Auf und Ab dieser herrlichen Landschaft vor Augen“, es erzählt auch vom Leben der Menschen, die hier leben. Die Einwände ihres Ehemannes, das Werk entspreche ja nicht maßstabsgetreu den Tatsachen, entkräftete sie mit dem Hinweis auf ihre künstlerische Freiheit: „Naturgemäß soll hier kein photografisches Abbild der Realität gezeigt werden, sondern eine imaginativ geformte Wirklichkeit.“ Die spiegelt sich im flirrenden Blau-Weiß des Winterhimmels ebenso, wie in der halbrunden Anordnung der Wohnhäuser. „Es soll ein subjektiv empfundener Stadtraum veranschaulicht werden.“

Als „spirituelles Bild“ bezeichnet die Künstlerin das Ölgemälde „Herbst in Warstein“. Vor einer hellen, Platz greifenden Himmelsspieglung reckt sich der Dom ins herbstliche Zwielicht. Darum herum wachsen Häuser wie Kristalle. Orangefarbene Baumranken ziehen sich glühend durchs Bild. Eine harmonische Landschaft wiederzugeben war auch hier nicht die Absicht der Malerin. Sie hat ihre ganz persönliche Stadtansicht synthetisch neu zusammengesetzt und bildhaft gestaltet. Der Arbeitsprozess des so genannten „Drippings“ (getropfte Malerei), aus dem unter anderem die Baumranken geschaffen wurden, steht im Gegensatz zur Kunst der alten Meister. Hier entstanden erst im Verlauf der künstlerischen Arbeit zufällige Spuren und eine Art spontane Kalligraphie. Julija Ogrodowski: „Diese beiden Stadtansichten definieren den Raum, Maßstab und Inhalt Warsteins und Beleckes neu.“

Die „Farbimpulse“ aus dem Sauerland sind noch bis zum 1. April im Berliner „Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie“ an der Albert-Einstein-Straße 15 zu besichtigen.

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