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Fahren bald wieder Personenzüge zwischen Warstein und Lippstadt?

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Von: Reinhold Großelohmann

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Belecke war im vergangenen Jahrhundert ein Knotenpunkt im Personenverkehr. 1898 war die Bahnstrecke Belecke-Brilon eröffnet, 1899 folgte die Strecke Belecke-Soest. Nun wird über die Reaktivierung der Strecke Warstein-Lippstadt diskutiert.
Belecke war im vergangenen Jahrhundert ein Knotenpunkt im Personenverkehr. 1898 war die Bahnstrecke Belecke-Brilon eröffnet, 1899 folgte die Strecke Belecke-Soest. Nun wird über die Reaktivierung der Strecke Warstein-Lippstadt diskutiert. © Stadtmarketingverein Warstein

Warstein – Am 27. September 1975 wurde der Personenverkehr auf der WLE-Strecke Lippstadt-Warstein eingestellt. Die Nutzung hatte derart stark abgenommen, dass die Bahntrasse nur noch für den Güterverkehr wirtschaftlich war. Seit einigen Jahren gibt es Bemühungen, wieder zu einem Personentransport zurückzukehren, nachdem 2006 die Reaktivierung des Streckenabschnittes Münster–Neubeckum schon in den Verkehrsinfrastrukturplan des Landes aufgenommen worden war. Doch das Projekt ist im Raum Warstein umstritten. Eigentlich sollte Anfang 2020 die Entscheidung über die Erstellung einer 100 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie unter Federführung des Kreises Soest fallen. Doch dann kam die Corona-Pandemie und das Thema wurde zunächst nicht weiterverfolgt.

In der jüngsten Ratssitzung informierte Warsteins Stadtwerkeleiter Matthias Seipel die Mitglieder darüber, dass die Frage der Erstellung einer Machbarkeitsstudie nun wieder aufgegriffen werden sollte. Von den Ratsfraktionen wollte er wissen, ob Interesse an einer Information durch Vertreter der Westfälischen Landes-Eisenbahn (WLE) und des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) bestehe. Dies sei als Grundlage für die Entscheidung der Stadt Warstein über die Teilnahme an der Machbarkeitsstudie gedacht. Das Stimmungsbild ergab ein klares „Ja“, so dass Matthias Seipel das Thema nun für eine der nächsten Ratssitzungen vorbereitet.

Die Lanfer in Belecke ist bereits jetzt durch die Güterzüge stark belastet
Die Lanfer in Belecke ist bereits jetzt durch die Güterzüge stark belastet. © Großelohmann

Die SPD-Fraktion hatte sich vor einem Jahr mit einer Erklärung bereits ablehnend positioniert: „Wir halten sowohl eine Reaktivierung der Bahnlinie als auch eine vorgeschaltete Machbarkeitsstudie für überflüssig. Der Personennahverkehr ist auf der Strecke Lippstadt – Warstein mit dem im Stundentakt fahrenden Schnellbus gut ausgestattet. Innerhalb von 30 Minuten hat man sein Ziel erreicht. Schneller geht es auch mit dem PKW nicht. Ein Personenzug braucht die doppelte Zeit. Zudem brächte der Personenzug für Warstein keinerlei Vorteile. Die Anlieger an der Bahnstrecke in Belecke werden sich bedanken für zusätzlichen Bahnverkehr. Sie sind jetzt schon bei der Lärmbelästigung an der Grenze der Belastbarkeit. Weiter südlich sind ebenfalls keine Vorteile zu erkennen, denn wo Suttrop und Warstein anfangen, ist die Bahnlinie zu Ende.“

Ganz anders sehen dies die Warsteiner Grünen. Sie fordern eine „Wende in der Verkehrspolitik, da die geplante B55n in absehbarer Zeit nicht verwirklicht werden wird.“ Für sie sollte das „Grundgerüst des ÖPNV in Warstein“ die Zugverbindung Warstein-Belecke-Anröchte-Erwitte-Lippstadt bilden. „Wir fordern die Erstellung eines Gutachtens zur Wiedereinführung des Schienenpersonenverkehrs für diese Strecke. Diese hat das Potential, um den Pendlern sowie Schülerinnen und Schülern auf diesen Strecken eine gute Alternative zum PKW zu bieten.“ Die Bedienung der Stadt Warstein durch Zugverkehr mit modernen, umweltfreundlichen Triebwagen sei für die Stadt ein erheblicher Imagegewinn, gerade auch für hier ansässige Unternehmen.

Übrigens hat der Personenverkehr auf der Schiene eine lange Tradition: Um den Raum um Belecke und Warstein an das Eisenbahnnetz anzuschließen, wurde am 22. November 1881 die Warstein-Lippstädter Eisenbahn gegründet. Hauptgesellschafter war der Provinzialverband Westfalen. Für den Bau der Strecke von Warstein nach Lippstadt unterzeichnete Kaiser Wilhelm I. die Baugenehmigung am 24. März 1882. Am 27. und 28. Juni 1882 fand die landespolizeiliche Prüfung durch das Königliche Eisenbahnkommissariat statt, welches schließlich am 2. Oktober 1882 die offizielle Baugenehmigung erteilte. In 19 Monaten Bauzeit wurde die Bahnstrecke zwischen Warstein und Lippstadt errichtet und am 27. Oktober 1883 landespolizeilich abgenommen. Am 31. Oktober war die feierliche Inbetriebnahme. Am 20. Oktober 1898 wurde die Strecke über Lippstadt hinaus nach Beckum verlängert.

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