Bewährungsstrafe für Mann aus Emmerich

Erste Verurteilung nach Drogenlieferung nach Warstein

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Warstein/Arnsberg – Das erste Urteil ist gesprochen: Ein Mann aus Emmerich wurde gestern vom Landgericht Arnsberg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss er entweder 2 500 Euro Geldstrafe oder die Verfahrenskosten tragen. Er war auf dem Weg nach Warstein mit fast einem Kilogramm Marihuana erwischt worden. Gegen zwei weitere Beteiligte des offenbar schwunghaften Drogenhandels (und einer möglichen Geiselnahme) – einen Mann aus Warstein und einen aus Ense-Bremen – stehen die Urteile noch aus, am gestrigen fünften Verhandlungstag wurden weitere Zeugen vernommen.

„Entschuldigung, es tut mir leid“, gab sich der polnische Staatsbürger mit Wohnsitz in Emmerich vor Gericht reuig: „Es kommt nicht wieder vor.“ Er war im Dezember 2017 auf der B55 am Autobahnkreuz Erwitte/Anröchte von der Polizei angehalten und überprüft worden. Dabei fanden die Beamten zwei Einkaufstaschen mit Drogen – 982 Gramm Marihuana. Er zeigte sich geständig, strafmildernd wurde zudem die „positive Sozialprognose“ von Staatsanwältin und Gericht gewertet. „Ich hoffe er lässt sich hiervon beeindrucken“, resümierte Staatsanwältin Koch nach der Beweisaufnahme. Vorsitzender Richter Teipel schloss sich dem an, blieb allerdings mit seinem Urteil zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwältin, pochte aber auf eine „spürbaren“ Geldauflage: „Das soll finanziell nicht spurlos am Angeklagten vorbeigehen“ – daher muss er entweder die Verfahrenskosten tragen, sollte die Staatsanwaltschaft diese nicht eintreiben, dann sind 2 500 Euro Geldstrafe an die Staatskasse fällig.

„Das war eine ganz saudumme Idee, die er mit seinem Freund ausgeheckt hat“, so der Verteidiger des bislang nicht vorbestraften Emmerichers abschließend: „Er hat verstanden, dass das Konsequenzen hat und er einen Bogen um falsche Freunde machen muss.“

Die „falschen Freunde“ saßen anschließend in einem anderen Verfahren auf der Anklagebank: ein Warsteiner und ein Mann aus Ense-Bremen. Zwei weitere Verhandlungstage – am 25. Februar und am 19. März – sind bislang angesetzt, um aufzuschlüsseln, welche Rollen sie in der vermeintlichen Geiselnahme im Keller eines Warsteiner Wohnhauses und vor allem bei den Drogengeschäften gespielt haben. „Beide Angeklagten machen völlig widerstreitende Einlassungen“, so Richter Teipel, daher konnte er dem Wunsch nach der Zwischenbilanz durch den Anwalt des Werler Angeklagten auch noch nicht folgen: „Wir sind noch dabei aufzuschlüsseln“, erklärte er am Ende des gestrigen Verhandlungstages, „noch sind wir in der Beweisaufnahme.“

Zu dieser Beweisaufnahme gehörten gestern auch Zeugenvernehmungen. Darunter war auch der Verleiher der 10 000 Euro, ein Arbeiter aus Werl. Um dieses Geld einzufordern, soll es zur Geiselnahme gekommen sein. Viel Licht ins Dunkel konnte der 43-Jährige aber nicht bringen, er hatte nicht wie vereinbart nach einem Monat, sondern nach „zwei, drei Monaten“ die Summe sowie ein „3000 Euro Geschenk“ erhalten.

Nach der Mittagspause berichtete ein Polizist detailliert, wie man nach einem anonymen Hinweis dem Drogenhändler in Warstein auf die Spur gekommen war, wie man geheime und immer neue Telefonnummern herausgefunden, Gespräche abgehört und per Minisendern an den Fahrzeugen Bewegungsprofile der Beteiligten erstellt hatte. Das alles mündete in zwei Zugriffen – zum einen am 11. Dezember 2017 mit der Festnahme des Emmerichers, zum anderen am 28. Dezember mit der Festnahme des Warsteiners und eines Drogenlieferanten mit knapp sechs Kilogramm Marihuana auf dem Combi-Parkplatz in Warstein.

Die Auswertung der Gespräche und die Vorgehensweise habe gezeigt, so der Polizeibeamte, dass der Warsteiner „die Aufträge ausführte“, das Zepter aber habe der Angeklagte aus Ense-Bremen in der Hand gehabt.

In der nächsten Verhandlung werden weitere Zeugen gehört, dann erhofft man sich auch eine Auswertung des „Kundenbuchs“, das der Warsteiner über seine Verkäufe geführt hat, und damit Rückschlüsse auf die umgesetzte Drogenmenge.

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