Palette Klopapier in 20 Minuten ausverkauft

Hamsterkauf und Coronavirus: Einkaufen am Samstag in Warsteiner Supermärkten

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Neue Sicherheitsmaßnahmen an den Kassen sollen die Mitarbeiter schützen.

Warstein – Der Duden definiert ihn als „Einkauf großer Mengen von Waren des täglichen Bedarfs, besonders von Lebensmitteln, zur Schaffung eines Vorrats, um von eventueller Verknappung oder Verteuerung dieser Waren unabhängig zu sein“, der eine macht ihn, der andere rollt genervt mit den Augen: Der „Hamsterkauf“ ist fast so sehr in aller Munde wie der Coronavirus selbst. Aber wie sieht’s aus im Warsteiner Stadtgebiet? Was gibt’s noch, was ist ausverkauft? Ein samstäglicher Streifzug durch die Regalreihen der Supermärkte...

„Ich habe mich immer lustig gemacht über die Hamsterkäufe“, sagt Thekla Arndt und lacht. „Jetzt habe ich selber kein Toilettenpapier mehr.“ Es ist Samstagmorgen, kurz nach neun und sie sitzt an der Kasse im E-Center Dumke und scannt einen Einkauf nach dem anderen. Gerade ist es relativ ruhig, am früheren Morgen sei das anders gewesen. 

Toilettenpapier war aber bei keinem Kunden dabei – gestern kam eine Palette, die war nach 20 Minuten ausverkauft. Aber Thekla Arndt ist gut gelaunt. „Man muss positiv denken“, betont sie, auch wenn sie die ganze Situation rund um das Coronavirus „beängstigend“ findet. Wenn sie nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt, dann ist sie froh, mit ihren Hunden an die frische Luft in der Natur zu können – und will von Medien nichts mehr wissen. Und die Kunden? Die seien zumeist freundlich. Aber: „Untereinander stressen sie sich schon mal. Wenn die Wagen zu eng stehen oder der Abstand nicht eingehalten wird“, berichtet sie.

„Man kann den Mitarbeitern aktuell gar nicht dankbar genug sein“, sagt Olav Dumke mit Blick auf seine Mitarbeiter und alle anderen Helfer. Alle gäben nämlich 150 Prozent, und auch wenn die allermeisten Kunden freundlich, verständnisvoll und dankbar seien – manchmal gebe es eben auch unverbesserliche Meckerer. „Für uns ist das auch eine unbefriedigende Situation“, erklärt er. Für Meckern und Aufstände hat er deshalb gar kein Verständnis: „Dann stelle ich mich vor meine Leute“, so Dumke – und erteilt im Ernstfall auch mal vorübergehendes Hausverbot. Das Wohl seines Teams liegt Dumke sehr am Herzen: „Das ist mein und unser aller Kapital.“ Deshalb wehrt er sich auch strikt gegen Sonntagsöffnung, die er auch nicht in Erwägung ziehen würde, wenn alle anderen Supermärkte an sieben Tagen in der Woche geöffnet hätten. Seine Mitarbeiter bräuchten schließlich auch mal eine Pause zum Durchatmen. Außerdem gäbe es sowieso Warenlieferungen nur von montags bis freitags – und samstags für Frischwaren. Vielleicht schränkt er, wenn die Ausgangssperre kommt, sogar die jetzigen Öffnungszeiten weiter ein – dann hat sein Supermarkt nicht mehr bis 21 Uhr auf, sondern möglicherweise nur noch bis 19 Uhr. „Das sind alles Überlegungen“, berichtet Dumke.

Wie sehr die Mitarbeiter dieser Tage schuften müssen, zeigt der Streifzug durch die Regalreihen. Beim Obst und Gemüse sieht es noch ganz gut aus, bei Essig und Öl, Haferflocken und Backwaren herrscht dagegen gähnende Leere, selbst das Knäckebrot ist restlos ausverkauft. Molkereiprodukte sind ebenfalls ziemlich erschöpft – haltbare Milch und sogar Frischmilch bekommt man nicht mehr. „Es ist echt schwierig“, findet Dumke. „Vor einem halben Jahr habe ich mich noch über 20 Fehlartikel aufgeregt, jetzt ist das ein Witz dagegen.“ Er hat alle Hände voll zu tun, gerade bereitet er sich auf die Ausgangssperre vor, bei der er sich sicher ist, dass sie kommt.

Auch die Sicherheitsvorkehrungen weitet er immer mehr aus: An der Fleischtheke gibt es schon aufgeklebtes Absperrband, für die Kassentische sind Schutzscheiben bestellt und werden nächste Woche geliefert – genau wie eine große Plexiglasscheibe, mit der der Infoschalter eingekleidet wird. Schon jetzt gibt es Handschuhe und jede Menge Desinfektionsmittel für die Kassiererinnen – und eben Abstand.

Er überlegt auch, die Anzahl der Einkaufswagen zu begrenzen. Ein Schritt, den der Combi-Verbrauchermarkt ein paar Meter weiter am Samstag schon gemacht hat: Nur noch 30 Einkaufswagen stehen zur Verfügung und reingelassen wird nur, wer einen Einkaufswagen mit sich führt.

Und auch die Supermärkten im Möhnetal sind gewappnet für die weitere Corona-Zeit: „Liebe Kundinnen und Kunden, unser Markt ist und bleibt für Sie geöffnet“, verkündet ein Schild im Rewe – ihr Kaufpark in Sichtigvor, weist allerdings auch darauf hin, dass es wegen der Vorratskäufe ggf. zu Lieferengpässen kommen kann, die Warenlieferung sei aber gesichert. Wer nach Wurst der günstigen Eigenmarke, Margarine, Milch und anderen Molkereiprodukten, Pizzateig, Backwaren, Toilettenpapier oder Küchenrolle sucht, der blickt ins Leere. Für Naschkatzen aber steht jetzt, am Samstagmorgen um kurz nach zehn, noch die gesamte Fülle an Ostersüßigkeiten bereit. Auch mit Konserven kann man sich noch eindecken – und mit Vollkornbrot. Gerade ist auch hier nicht viel los und die Kunden, die da sind, halten sich ganz vorbildlich an die aufgeklebten Abstandslinien.

Ein bisschen provisorisch sieht dagegen die Schutzwand an der Kasse aus: Mit einer Konstruktion aus Plastikpinnen, Frischhaltefolie und braunem Klebeband hat man sich hier geholfen, um schnellstmöglich für Sicherheit zu sorgen.

Gegenüber im Aldi ist noch weniger los – in den Regalen ist allerdings fast nichts völlig ausverkauft. Nudeln und Tiefkühlgemüse gibt es nur noch wenig, Chicken Chips sind auch nicht mehr da, aber Brot und Brötchen und Konserven gibt es in Hülle und Fülle. Backen wird schwierig: Mehl ist weg, vom Zucker ist noch ein kleiner Rest da. Dafür aber die Sicherheitsmarkierungen an der Kasse – und zwei Kunden haben sich für ihren Einkauf sogar Einmalhandschuhe angezogen.

„Halten Sie bitte Abstand!“ Die Aufforderung mit Kreidemarker an der Fleischtheke im Belecker Rewe zeigt Wirkung: Ganz brav mit ordentlich Abstand zu ihrer eigenen Sicherheit stehen die Kunden dort und warten auf Würstchen und Co. An der Kasse und beim Bäcker sind dagegen ebenfalls Linien aufgeklebt worden. Aber auch hier ist nicht viel los kurz vor Mittag. Nicht viele Kunden, nicht viele Kartoffeln, nicht viel – beziehungsweise gar kein – Klopapier. Auch im Regal mit den Backwaren ist nicht viel los. Verhungern muss aber keiner, frisches Obst und Gemüse gibt es zuhauf, Aufschnitt, Milch, Süßes und Co. sind auch noch da. Und beim Mehl gibt es noch die helle Vollkornvariante, die aus Dinkel und Kokos. Und das ist ja sowieso gesünder...

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