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Endspurt im Konflikt um Windpark am Rennweg in Allagen

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Von: Reinhold Großelohmann

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Die Protest-Banner sind etwas in die Jahre gekommen, aber noch immer sichtbarer Widerstand.
Die Protest-Banner sind etwas in die Jahre gekommen, aber noch immer sichtbarer Widerstand. © Großelohmann, Reinhold

Der Kreis Soest gibt bekannt, dass der Erörterungstermin jetzt online durchgeführt wird. Die Anlieger geben sich weiter kämpferisch. Kommt die Entscheidung Mitte des Jahres?

Warstein – Während die neue Ampelkoalition lautstark die bedeutsame Rolle der Windkraft für den Klimaschutz herausstellt und Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck in dieser Woche seine Eröffnungsbilanz Klimaschutz vorlegte, in der er ankündigte, schon in naher Zukunft möglichst alle Hemmnisse zum verstärkten Bau von Windrädern abzubauen, steht das Großprojekt am Rennweg in Allagen vor der Entscheidung. Für den Bauantrag der 15 Großwindräder – bis auf eines allesamt mit einer Nabenhöhe von 165 Metern und einer Gesamthöhe von 230 Meter – wird nun das Erörterungsverfahren beschritten.

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass Projekt-Ingenieur Lasse Tigges 15 prall gefüllte Aktenordner beim Kreis Soest abgab und damit das Bauantragsverfahren startete. Zweimal erwirkte die Stadt Warstein einen jeweils einjährigen Aufschub mit dem Argument, dass der Flächennutzungsplan geändert werden solle, was aber nicht gelang. Zahlreiche Gutachten wurden zwischenzeitlich nachgereicht, zweimal gab es für alle Betroffenen die Möglichkeit, Einwendungen geltend zu machen. Das wurde intensiv genutzt. Auf mehr als 4 000 Einwendungen bezifferte der Kreis Soest nunmehr die Zahl, die nun anhand der geäußerten Begründung zusammengefasst werden und mit denen der Kreis Soest ins „Online-Konsultationsverfahren“ geht, das auch für den Kreis Soest Neuland bedeutet. Früher gab es Erörterungstermine in großen Hallen, in denen alle Argumente öffentlich beraten wurden. Nunmehr muss der Antragsteller zu jedem einzelnen Einwendungskomplex seine Stellungnahme abgeben.

Erst Ende Februar Konsultation starten

Allein die Vorbereitung sorgte immer wieder für Zeitverzug. „Wir werden voraussichtlich erst Ende Februar die Konsultation starten können“, sagte Kreis-Sprecher Wilhelm Müschenborn. Projektingenieur Lasse Tigges von der „Westfalenwind“ geht davon aus, „dass der Antrag im April/Mai entscheidungsreif ist.“ Dann lägen alls Fakten und Stellungnahmen vor. „Das Projekt ist dann auf höchster Ebene angekommen und es muss entschieden werden.“ Die von Robert Habeck angekündigten Erleichterungen spielten in diesem Fall noch keine Rolle. Die in diesem Zusammenhang stets diskutierten Abstandsprobleme zur Wohnbebauung spielen am Rennweg indes kaum eine Rolle, da in fast allen fällen sogar 1 500 Meter und mehr eingehalten werden können.

Am südwestlichen Rand des Naturparks Arnsberger Waldes sind im Landschaftsschutzgebiet bereits einige genehmigte Windräder in Betrieb.
Am südwestlichen Rand des Naturparks Arnsberger Waldes sind im Landschaftsschutzgebiet bereits einige genehmigte Windräder in Betrieb. © Westfalenwind

Als Vorsitzender der örtlichen Bürgerinitiative will Hubert Struchholz weiter keine Kompromisse machen. Dabei unterstützt er die Linie, dass Windkraft verstärkt genutzt werden solle. Dafür dürfe jedoch der Wald nicht geopfert werden. „Wir kämpfen weiter, dass Windräder nicht in den Wald kommen.“ Kein einziges will er im Naturpark Arnsberger Wald akzeptieren. „Wir würden die Büchse der Pandora öffnen.“ Mit „gemischten Gefühlen“ verfolgt er die Ankündigungen aus Berlin. Die durch den Borkenkäfer in Mitleidenschaft gezogenen Flächen sind für ihn kein Argument. „Wir brauchen den Wald dringender denn je“, sagt er. „Er ist unser höchstes Gut.

Jetzt gibt es die Chance, ihn vernünftig und zukunftsfähig aufzubauen.“ Struchholz kann sich auch wegen der Bedeutung des Waldes als Trinkwasserspeicher nicht vorstellen, dass der Kreis sich über die Bedenken des Großteils der Bevölkerung hinweg setzt. „Hier ist richtig Druck auf dem Kessel“, sagt er.

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