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Neubau der Feuerwehr: Eröffnungstermin in Sicht

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Von: Christian Clewing

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Rundgang durch den Gerätehaus-Neubau in Warstein: Von der Fahrzeughalle mit sieben Stellplätzen über den Büro- und Sozialtrakt und die Waschhalle ging es in den Lager- und Werkstattbereich, wo bereits die Holzwände und -decken eingebaut wurden.
Rundgang durch den Gerätehaus-Neubau in Warstein: Von der Fahrzeughalle mit sieben Stellplätzen über den Büro- und Sozialtrakt und die Waschhalle ging es in den Lager- und Werkstattbereich, wo bereits die Holzwände und -decken eingebaut wurden. © Clewing, Christian

Warstein – „Endlich können wir mal wieder eine Baustelle besichtigen“, strahlte Sabine Leitner, Fachbereichsleiterin Bauen, Wohnen im Rathaus, mit der Abendsonne um die Wette.

Und es ist zudem noch ein ganz besonderes Bauwerk, in dem sie sich gemeinsam mit den Mitgliedern des Ausschusses für Bauen und Digitales sowie weiteren Verwaltungsmitarbeitern über den aktuellen Stand der Arbeiten informierte, denn es besteht zum Großteil aus Holz: Für rund fünf Millionen Euro wird am südlichen Ortsausgang von Warstein ein neues Gerätehaus für den Löschzug Warstein der Freiwilligen Feuerwehr errichtet, das – sofern nicht noch weitere Verzögerungen auftreten – Ende 2022 bezogen werden soll. Ein Anziehungspunkt ist der Neubau bereits jetzt bedingt durch die Holzbauweise und wird es auch zukünftig bleiben, so Sabine Leitner: „Andere Städte wollen gucken kommen und sich Anregungen holen, wie es geht. Wir zeigen natürlich gerne unsere Arbeit.“

„Es ist der modernste, im Bau befindliche Feuerwehrstandort im Kreis Soest in dieser Größenordnung“, so Ausschussvorsitzender Erwin Koch zur Begrüßung, der sich ebenfalls freute, „endlich wieder vor Ort zu sehen, wie es wächst, wie es läuft – und nicht nur zu beschließen“. „Nun warten wir darauf, dass endlich die roten Autos hier rausfahren“, so Koch inmitten des Rohbaus mit den sieben Fahrzeugstellplätzen.

Beeindruckende Dimensionen

Projektleiter René Tiefert, im Rathaus für den Bereich Hochbau verantwortlich, übernahm die Führung beim „Gang durch die Baubschnitte“, der in der Fahrzeughalle gestartet wurde. Dort werden in der kommenden Woche die Dachbinder und die Dachelemente aufgesetzt. Nebenan Richtung Süden befindet sich der Büro- und Sozialtrakt mit Sitzungsräumen, Toiletten, Agathastube und Lüftungsanlage – „fast fertig“ sind hier die Betonarbeiten, die Holzelemente für Wände und Decken sollen Anfang November folgen.

Eine Besonderheit des Neubaus mit seinen „beeindruckenden Dimensionen“ – die Frontlänge beträgt 92 Meter – konnten die Baustellen-Gänger dort sehen: Um das Gebäude auf dem „schlecht-tragfähigen Grund“ errichten zu können, mussten Pfahlgründungen erstellt werden. 61 Pfähle mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern und bis zu sechs Metern Tiefe sorgen mit weiteren Queraussteifungen und einer Stahlbetonplatte für ein stabiles Fundament. Zuvor mussten 1723 Tonnen Bodenaushub entsorgt werden. Rund 535 Kubikmeter Beton wurden für den Boden und auch für die Wände verbaut, dazu 93 Tonnen Stahl.

Schmales Grundstück war Herausforderung

Bevor nach dem Abriss des Kolpinghauses (Juli 2019) mit dem eigentlichen Bau (Grundsteinlegung am 17. August 2020) begonnen werden konnte, stand von Januar bis Juni 2020 die „aufwändige Renaturierung“ der benachbarten Wäster an. „Das war wichtig für die Ufer-Abgrenzung und die Befestigung“, erläuterte Sabine Leitner. Dadurch und durch noch folgende bauliche Veränderungen vor der Halle bis zur Bundesstraße 55 (Hauptstraße) gewann man den erforderlichen Platz für das bis zu 15 Meter breite Gebäude und die Aufstellfläche davor. Leitner: „Eine besondere Herausforderung war das schmale Grundstück.“

Über die Waschhalle – auch hier gibt es wie in den anderen Bereichen eine Fußbodenheizung (mit 1560 Meter PE-Heizungsrohren) und zudem eine Abluftanlage, „damit die Fahrzeuge auch im Winter gewaschen werden können“, ging es weiter in den Lager- und Werkstattbereich über dem Kellergeschoss Jugendfeuerwehr. Dort stehen bereits die Wände in Holzrahmebauweise inklusive Decken, in der kommenden Woche sollen die Dachdeckerarbeiten starten.

Es gab drei Mal Corona in den Betrieben, dadurch konnte nicht in voller Besetzung gearbeitet werden.

René Tiefert

Von Verzögerungen blieb auch der Gerätehausbau nicht verschont: „Wir hatten zwei Monate richtigen Winter“, blickte René Tiefert zurück, „da konnte man nicht betonieren.“ Hinzu kamen die Folgen der Pandemie: „Es gab drei Mal Corona in den Betrieben, dadurch konnte nicht in voller Besetzung gearbeitet werden.“ Dass sich Arbeiten verschieben, sei ein „fortlaufender Prozess“ in dem ganzen Projekt, das für „manche Überraschung“ und ab und an auch zu Änderungen der Planungen gesorgt habe. Trotzdem, so Sabine Leitner, „macht es Spaß“.

Ein Beispiel für die aktuellen Unwägbarkeiten in der Baubranche: „Die Lieferzeit für Fenster und Tore beträgt 16 Wochen“, so Tiefert. Damit es auf der Baustelle weitergehen kann, wurde beispielsweise die Waschhalle mit einer Holzplatte provisorisch verschlossen. Bis Weihnachten, so die Hoffnung, sollen dann die Fenster und Tore drin sein.

Im Frühjahr stehen dann die Tiefbauarbeiten vor dem Gebäude auf dem Plan, hier setzt man auf Synergieeffekt: Die Stadtwerke verlegen zeitgleich neue Wasserleitungen. „Ende nächsten Jahres“, so René Tiefert, sollen dann alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Beeindruckt zeigten sich die Vertreter aus der Politik über den Neubau. „Das ist auch optisch eine tolle Geschichte am Stadteingang“, so Ortsvorsteher Dietmar Lange (CDU). Und das in einem „schönen Rot“, wie Ausschussvorsitzender Erwin Koch (SPD) schmunzelnd erklärte. „Das traust du dich auch erst sei zwei Tagen zu sagen“, parierte Lange mit Blick auf die Bundestagswahl und die SPD-Zuwächse. Ganz so war es nicht: Das klassische Feuerwehr-Rot „war schon vorher bestellt“. Einig war man sich aber in der Anregung für eine „Symbolik auf die Stirnwand“. Beim Gerätehaus-Neubau in Belecke entschied man sich für den Feuerwehrslogan „retten – löschen – bergen – schützen“, für Warstein warf man schonmal eine Agatha-Figur in den Ideenpool. Doch René Tiefert musste auf die Bremse treten: „Es gibt keine Möglichkeit, es sind dort keine großen Flächen.“ „Wir werden nach der Fertigstellung dann gemeinsam entscheiden, wie wir es verzieren“, schlug Fachbereichsleiterin Sabine Leitner vor.

Schon im ganzen Projekt ließ man übrigens verschiedene Ideen und Anregungen einfließen: Im Arbeitskreis Feuerwehr, auch er besichtigt regelmäßig den Bau, kamen aus Reihen der Ehrenamtlichen immer wieder Hinweise aus der Praxis für Optimierungen.

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