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Einfühlsames „Gospel Spontan“-Konzert in Warsteiner Martin-Luther-Kirche

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Alle Akteure gemeinsam an Mikrofonen und Instrumenten: Geprägt war das „Gospel Spontan“-Konzert in der Martin-Luther-Kirche vom Weihnachtsfest, vom Bluegrass und in diesem Jahr auch von den beeindruckenden ukrainischen Beiträgen.
Alle Akteure gemeinsam an Mikrofonen und Instrumenten: Geprägt war das „Gospel Spontan“-Konzert in der Martin-Luther-Kirche vom Weihnachtsfest, vom Bluegrass und in diesem Jahr auch von den beeindruckenden ukrainischen Beiträgen. © Hannah Löseke

Zum zweiten Weihnachtstag in Warstein gehört das „Gospel Spontan“-Konzert dazu. In diesem Jahr war es aber ein wenig anders. Auch ein Grund dafür waren die ukrainischen Einflüsse.

Warstein – Ganz ruhig ist es, als sich Olga Yermakova an das Klavier in der Martin-Luther-Kirche setzt. Kurz rückt sie noch ihren Stuhl zurecht, dann fliegen ihre flinken Finger über die Tasten und spielen die heitere Melodie, während all die Zuschauerinnen und Zuschauer in der gut besuchten Kirche gebannt lauschen. Es ist eine Variation des französischen Liedes „Ah! Vous dirai-je, Maman“ – die Melodie wie in „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ – geschrieben von Wolfgang Amadeus Mozart. Zwölf Stück davon gibt es, abwechselnd mit Volkert Bahrenberg spielt sie sie – beim traditionellen Weihnachtskonzert von „Gospel Spontan“ kommt der Höhepunkt gleich zu Beginn.

„Dies ist Musik, die – wie ich finde – in anderer Weise zu Herzen geht“, erklärt Volkert Bahrenberg. „Die uns hin- und herschwenken kann, dass wir schmunzeln und lachen, aber vieles ist auch einfach ergreifend.“ Die beiden haben sich die zwölf Variationen aufgeteilt, erzählt Bahrenberg, und zufällig habe Olga Yermakova, ausgebildete Pianistin aus Charkiw, die schwierigeren Variationen erwischt und Volkert Bahrenberg die, die leichter sind. „Für mich ist das eine Ehre, dass sie mich mitspielen lässt“, betont er aber.

In Martin-Luther-Kirche statt im LWL-Festsaal

Das Konzert ist etwas anders als sonst, statt im LWL-Festsaal findet es in der evangelischen Kirche statt, „Gospel Spontan“ selbst ist reduziert, weil Sängerin Kristina Sator sich um ihr krankes Kind kümmert und auch das Programm ist anders: Wieder ein Mix aus eigenen Liedern, englischer Bluegrass-Musik und ukrainischem Einfluss. „Das Thema Ukraine ist unausgesprochen etwas kräftig, aber ausgesprochen sanft. Wir machen hier kein Getöse.“ Es ist aber so zauberhaft, Olga Yermakova am Klavier zuzuhören, wie sie nicht nur Mozarts Variationen spielt, sondern auch ein ukrainisches Weihnachtslied und gemeinsam mit Oksana Agafonova ukrainische Strophen zu „Die Gedanken sind frei“ und „Geh deinen Weg“ singt.

Viele Zuhörer waren zum Konzert gekommen...
Viele Zuhörer waren zum Konzert gekommen... © Hannah Löseke

„Wir freuen uns, dass ihr alle gekommen seid und dass wir wieder ein Weihnachtskonzert spielen können“, betont auch Willi Bahrenberg. Gemeinsam mit Papa Volkert (Banjo), Ingo Frank (Gitarre) und Till Braukmann (Bass) begeistert er an seiner Mandoline wieder, nachdem das letzte Konzert drei Jahre her ist. Sie spielen ältere Weihnachtslieder und Herzschmerz-Songs, singen vom Licht im Stall und vom Leben, das mal sonnig und mal nicht so schön ist, von der Tochter, die ihre verstorbene Mutter im Leichenwagen zur Beerdigung fahren sieht und vom Frieden im Dorf. Aus ganz NRW sind sie dafür angereist, aus Bochum und Düsseldorf, Paderborn und Suttrop.

Zuversicht bei aller Vorsicht

Mächtig Applaus erntet aber auch Stina Bange aus Niederbergheim: „Irgendwie tauchte die auf einmal auf“, erinnert sich Volkert Bahrenberg, und gehört seit Jahren nun fest zum Programm. „Mittlerweile ist sie ausgebildete Psychologin, kann aber trotzdem noch singen und spielen.“ Und wie: Mit „Make You Feel My Love“ von Bob Dylan und einer Boogie Woogie-Version von „Stille Nacht“ eröffnete sie die zweite Hälfte des Konzerts.

...und waren begeistert von Olga Yermakova am Klavier.
...und waren begeistert von Olga Yermakova am Klavier. © Hannah Löseke

Am Ende betont Volkert Bahrenberg: „Ich habe keinen Bock auf Wünsche und Ermahnungen, die hört ihr schon genug in der Kirche, im Radio und in allen möglichen Sendungen.“ Ein bisschen was gibt er aber doch mit auf den Weg: „Behaltet ein Stück Zuversicht – bei aller Vorsicht.“ Und: Den Gottesdienst zu besuchen sei ein sinnvolles Ritual, das solle man nicht ohne Not einfach aufgeben. Er sei auch schon mal eingeschlafen und manchmal seien nur zwei, drei Lieder gut, es lohne sich aber immer.

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