1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Warstein

Ein Denkmal für alle Tagelöhner

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Clewing

Kommentare

Freuen sich über die Einweihung des neuen Tagelöhner-Denkmals im Haus Dassel-Park: Theo Pankoke, Rainer Kleeschulte, Jürgen Wrede (links) sowie Bernd Griese, Ferdinand Ferber und Siggi Kutscher (rechts).
Freuen sich über die Einweihung des neuen Tagelöhner-Denkmals im Haus Dassel-Park: Theo Pankoke, Rainer Kleeschulte, Jürgen Wrede (links) sowie Bernd Griese, Ferdinand Ferber und Siggi Kutscher (rechts). © Clewing, Christian

Allagen – Der Dassel-Park hat das nächste Denkmal erhalten, mit dem der Haus Dassel-Kreis an die fürs Möhnetal wichtige, aber heute kaum noch sichtbare Industriegeschichte erinnern möchte: In „Würdigung einer gewaltigen Anstrengung“ hat man eine Skulptur des Tagelöhners Heinrich Busch aufgestellt.

Die industriellen Aktivitäten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden im gesamten Sauerland dominiert durch die Eisenverarbeitung, die von Brilon, über Warstein auch das Möhnetal erreichte. Kernfrage ist dabei stets die Nutzung der Wasserkraft. Einer, der diese Energiequelle in Allagen nutzbar machte, war vor gut 180 Jahren der Tagelöhner Heinrich Busch. Als „Zeichen einer bescheidenen Würdigung der damals geleisteten Arbeit“ wurde auf Betreiben von Ferdinand Ferber, Jürgen Wrede und Rainer Kleeschulte von der Arbeitsgruppe Haus Dassel ein sichtbares Zeichen in Form einer Plastik gesetzt. Es handelt sich um eine etwa 1,8 Meter hohe, rund eine Tonne schwere Skulptur eines Tagelöhners, gefertigt aus Granit nach einem Entwurf von Jürgen Wrede im Auftrag der Firma Dassel, die auch das Objekt zur Verfügung stellte. Durch die Beantragung von Fördermitteln aus dem Heimatscheck-Programm des Landes NRW war es möglich, die notwendigem Reparatur- und Umgestaltungsarbeiten der ursprünglich als Bergmann angelegten Figur zu finanzieren.

Die angebrachten Accessoires – eine Schippe und ein Kettenstrang – verweisen auf das Ziel der geleisteten Arbeit hin zur Kettenfertigung, die lange Jahre das untere Möhnetal geprägt hat. Dabei steht dieses Objekt stellvertretend für die unzähligen Tagelöhner der 1840-er Jahre, die in mühevoller Handarbeit die Erdarbeiten zur Anlage von insgesamt drei Wasserkraftanlagen im Allagener Möhnebereich durchgeführt haben.

Einer von ihnen war Heinrich Busch, der daran beteiligt war, Victor Röper den Weg zum Erfolg zu bereiten. Victor Röper, Sohn des Land- bzw. Gastwirts und Schmieds Carl Joseph Röper in Anröchte, hatte im Alter von 25 Jahren bereits verschiedene Vorstöße bzw. Bauanträge zur Errichtung einer Wasserkraftanlage mit Staustufe zum Betrieb einer Drahtrolle erarbeitet. Im September des Jahres 1840 wurde von Victor Röper ein entsprechender Plan eingereicht. Zu diesem Zweck erwarb er ein Grundstück nahe der Möhne vom Holzschuhmacher und Tagelöhner, dem späteren Fabrikarbeiter Heinrich Busch (genannt Merren). Zwischen 1840 und 1842 fanden im Möhnetal enorme Erdbewegungen statt, um Gräben und Dämme zu errichten, die die nötige Stauhöhe für den Betrieb eines Wasserrades ermöglichen. Die Länge des sogennannte Obergrabens am Victoriawerk von Victor Röper erreichte, bedingt durch das schwache Gefälle, die Marke von 700 Metern. „Unmengen an Material mussten händisch bewegt werden, und Heerscharen von Tagelöhnern leisteten diese Arbeit“, erläutert Ferdinand Ferber in seinem historischen Rückblick auf diese Zeit – „auch Heinrich Busch...“

Die Attraktivierung des Gebäudes und des Parks durch den engagierten Haus Dassel-Kreis geht munter weiter – das nächste Denkmal, diesmal zusammengesetzt aus großen Kettengliedern, ist bereits angestoßen. Am letzten Oktoberwochenende will man auf besondere Art und Weise zeigen, was das ehemalige Industrie-Areal zu bieten hat: Unter dem (noch Arbeits-)Titel „Und es ward Licht im Park...“ soll eine Lichtaktion stattfinden, bei der die eigenen Kunstobjekte sowie die Metallkunst von Hans Kordes, dessen Ausstellung dann endet, in der Dunkelheit besonders in Szene gesetzt werden.

Auch interessant

Kommentare