Ehemaliges Haus Silberstreif nimmt Flüchtlinge auf

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Nicht nur von außen ordentlich: Häuser 17 und 18 auf dem LWL-Gelände.

Warstein - Die Heizkörper verströmen wohlige Wärme. Vor den Fenstern hängen Gardinen. Die Türen, sogar die benötigten Feuerschutztüren, sind intakt. Die Lampen unter der Decke funktionieren und Waschbecken, Duschen und Badewannen machen einen passablen Eindruck: Auf dem LWL-Klinikgelände stehen die beiden Ex-Silberstreif-Häuser Haus Nr. 17 und Haus Nr. 18 in Kürze bereit zur Aufnahme von bis zu 100 Flüchtlingen, auch wenn noch einige Schönheitsreparaturen notwendig sind.

Eine Entlastung für die Stadt bei der Flüchtlingsunterbringung kündigt sich an. Es bedeutet auf der anderen Seite aber auch eine Belastung für Patienten und Bewohner auf dem LWL-Gelände, so jedenfalls Ärztlicher Leiter Dr. Josef Leßmann.

Trotzdem hat Dr. Leßmann nach mehreren Wochen intensiver Verhandlungen zwischen Stadt und Landschaftsverband nun der Bereitstellung zugestimmt. Sogar auf höchster LWL-Ebene in Münster war verhandelt worden. Bereits Bürgermeister Manfred Gödde und nach dem Amtswechsel auch sein Nachfolger Dr. Thomas Schöne versuchten, Werbung für eine Bereitstellung der Gebäude zu machen. Am Ende stimmten sowohl Münster als auch die LWL-Betriebsleitung vor Ort zu. Allerdings ist bislang nur die grundsätzliche Zustimmung erteilt worden, Details müssen noch vertraglich festgelegt werden. Darüber informierte Dr. Leßmann Ende der vergangenen Woche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Einrichtungen auf dem LWL-Gelände.

In den beiden Häusern 17 und 18 muss „gar nicht viel gemacht werden“, sagte gestern auch Dr. Josef Leßmann. Nach dem Neubau von „Haus Silberstreif“ in der Warsteiner Innenstadt waren die Bewohner vor wenigen Jahren aus wenngleich nicht modernen, so doch intakten Räumlichkeiten ausgezogen. Seither wurden die Häuser nicht mehr genutzt und standen leer.

Dennoch zögerte der Ärztliche Leiter zunächst, die beiden zentral auf dem LWL-Gelände gelegenen Häuser bereit zu stellen – und bot der Stadt dafür die einstige Bäckerei der „Provinzial Heilanstalt“ und spätere Werkstatt für Behinderte an der Lindenstraße, Gebäude 33, an. Hier wäre jedoch erheblicher Umbaubedarf gegeben.

Warum Dr. Leßmann bezüglich der Unterbringung einer größeren Zahl von Flüchtlingen auf dem Klinikgelände skeptisch war und bleibt, das erläuterte er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Ärztliche Leiter sieht mit Blick auf das Umfeld erhebliche Risiken. Dabei denke er an Suchtkranke aber auch an Patienten mit Depressionen, die in der Klinik leben. „Man hat Menschen mit persönlichen Problemen, die sich in Krisensituationen befinden“, so Dr. Leßmann. Gleichzeitig seien auch die Flüchtlinge mit erheblichen Problemen belastet, viele von ihnen seine aufgrund ihrer Erlebnisse und der Flucht traumatisiert. So könne schnell „Unruhe“ auf dem Gelände entstehen, er sorgt sich um das Entstehen einer „intrapsychischen Dynamik“. Dies habe er „mit Sorge vorgetragen“.

Die nun erfolgte Einigung sei „ein Kompromiss“, sagte Dr. Leßmann. Einschränkungen seien zu beachten. Auch wenn die Zahl der Räume in beiden Häusern mehr Flüchtlinge aufnehmen kann, ist die Bedingung des Landschaftsverbandes, dass die Zahl der Menschen „deutlich unter 100“ bleiben muss. Außerdem „muss geklärt werden, wer sich darum kümmert“, so Dr. Leßmann. Der Mietvertrag mit der Stadt soll außerdem nur die akute Phase beinhaltet. Er wird bis Ende 2016 befristet. Danach verweist Dr. Leßmann auf die Nutzung des Gebäudes 33.

Bürgermeister Dr. Schöne zeigte sich gestern „sehr sehr dankbar, dass die Klinikleitung und Münster zugestimmt haben“ – auch wenn der Vertrag noch nicht unterzeichnet sei. „Aber wir sind auf einem sehr guten Weg.“

Für den Landschaftsverband im Kreis Soest ist diese Bereitstellung von Gebäuden nicht ohne Beispiel. Auch in Eickelborn ist bereits ein Haus vermietet. In Benninghausen sei dies beabsichtigt, sagte Dr. Leßmann am Montag.

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