„Was Besonderes nach dem Abi machen“

Drei-Generationen-Quartett mit Pferden, Ponys und Hund zur Nordsee

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Drei-Generationen-Quartett: Franziska, Katharina und Daniela Link sowie Christa Obermann-Schmitz machen sich mit Ponys, Pferden und Hund Montag auf den Weg.

Suttrop – Genau 313,2 Kilometer weist der Internet-Routenplaner für die kürzeste Strecke von der Nuttlarer Straße in Suttrop nach Wangerland an der Nordsee aus. Fahrzeit mit dem Auto: drei Stunden und acht Minuten. Doch Franziska Link, die heute Mittag am Warsteiner Gymnasium ihr Abitur-Zeugnis überreicht bekommt, wählt nicht den direkten und schon gar nicht den bequemsten Weg. Sie verlängert die Strecke auf 350 Kilometer, die sie im Sattel, auf dem Kutschbock und zu Fuß zurücklegen wird. Geplante Zeit: zehn Tage plus zwei Ruhetage.

„Ich wollte was Besonderes machen nach dem Abi“, berichtet die 18-Jährige, „und es ist der Traum von jedem Reiter, einmal mit dem eigenen Pferd am Strand zu reiten. Da hab ich mir gedacht: Mit dem Hänger kann da ja jeder hin.“ Die erste Reaktion in der pferdebegeisterten Familie auf die Idee einer Wanderreit-Tour an die Nordsee kam von Oma Christa Obermann-Schmitz. „Neee, alleine ist das zu gefährlich“, warf sie ein. Das „neee“ war aber kein Widerspruch, sondern vielmehr das Angebot der 71-Jährigen, ihre Enkeltochter zu begleiten. Aus zwei Generationen wurden schnell drei, denn auch Franziskas Mutter Daniela wollte unbedingt mitkommen. Und aus drei Frauen wurden schnell vier. „Ich bin dann doch auch fertig mit der Schule“, komplettiert die 16-jährige Katharina das Quartett. Sie hat gestern ihren Abschluss an der Realschule gefeiert und reitet wie ihre Schwester und ihre Mutter „eigentlich schon immer“.

Ab dem kommenden Montag ist das Drei-Generationen-Team frei nach Hape Kerkeling „dann mal weg...“ – so steht es auch auf den einheitlichen roten T-Shirts – begleitet von seinen zwei Ponys und zwei Pferden. Die jeweils 15-jährigen Ponys Hugo und Norbert werden abwechselnd die Kutsche mit Gepäck und Proviant für die Tiere ziehen sowie die Satteltaschen mit dem Proviant für die vier Frauen tragen. Die elfjährigen Araberpferde Darius und Shaldam werden abwechselnd geritten. Und die achtjährige Hundedame Emma wird mitlaufen, so weit sie ihre Pfoten tragen. Bei Bedarf kann sie einen Platz auf dem Kutschbock einnehmen.

Seit September laufen die Planungen für die Tour – und auch das Training. Denn es wird Kondition bei Mensch und Tier benötigt. Immerhin sind die Tagesstrecken bis zu 44 Kilometer lang, und ein Teammitglied ist stets zu Fuß unterwegs, führt das Pony mit den Satteltaschen. Und an Steigungen könne es schon mal passieren, dass dem Pony mit der Kutsche geholfen werden muss.

„Katharina hat nicht so viel trainiert wie wir anderen“, wirft deren Oma lachend ein. Das will die 16-Jährige natürlich nicht auf sich sitzen lassen: „Eigentlich hab ich schon viel trainiert, das hat Oma nur nicht mitgekriegt.“ Dabei sagt Christa Obermann-Schmitz von sich selbst: „Oma sieht alles!“ Dennoch will sie die Chefrolle bei der Tour Ideengeberin Franziska überlassen, auch wenn sie selbst die meiste Erfahrung mit langen Wanderreittouren hat, denn vor vier Jahren hat sie per Pferd die Alpen überquert. Die frisch gebackene Abiturientin hofft bei der Tour übrigens, auf eine weitere gute Idee. „Vielleicht kriege ich ja einen Gedankenblitz“, weiß sie noch nicht genau, was sie nach dem Abitur machen wird.

Herausgekommen bei der Planung sind zehn Etappen mit Strecken zwischen 16 und 44 Kilometern über Wander- und Wirtschaftswege. Die Benutzung normaler Straßen wird sich aber nicht ganz vermeiden lassen. „Die Überquerung der Hunte wird auch interessant“, weiß Daniela Link noch nicht genau, an welchen Stellen sie den Fluss überqueren werden, der sie auf ihrer Wegstrecke lange begleiten wird.

Respekt hat das Quartett vor hohen Temperaturen wie in den letzten Tagen. „Bei Hitze wird es heftig. Aber dann müssen wir eben sehr früh starten und mittags Pause machen“, erklären die Vier.

Angesteuert zur Übernachtung werden Pensionen und Bauernhöfe, bei denen Ponys und Pferde abends untergestellt und versorgt werden können. „Es gibt zwar auch Wanderreitstationen, aber die sind Richtung Norden dünn gesät“, berichtet Daniela Link.

Emotionales Ziel der Außergewöhnlichen Tour ist für Franziska Link der erträumte Ritt am Strand, das geografische ist die Pretty Horse Farm in Wangerland. Auf dem Reiterhof mit Ferienwohnungen machen die Reiterinnen dann noch eine Woche Urlaub. Dazu kommen dann auch die Ehemänner Lutz Link und Siegfried Schmitz nach. Sie bringen zwei Pferdeanhänger mit, denn der Rückweg soll nur 313,2 Kilometer lang werden und nicht viel mehr als drei Stunden und acht Minuten dauern.

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