Die Ortschaften der Stadt Warstein: Warstein

Dietmar Lange sieht Durchhaltevermögen und Einsatzbereitschaft bei den Warsteinern

Ortsvorsteher Dietmar Lange am Bilderrahmen auf der Platte: Davon hätte er im Warsteiner Stadtgebiet gern mehr.
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Ortsvorsteher Dietmar Lange am Bilderrahmen auf der Platte: Davon hätte er im Warsteiner Stadtgebiet gern mehr.

Seit 2014 ist Dietmar Lange (CDU) Ortsvorsteher der Ortschaft Warstein. Er bilanziert das Corona-Jahr 2020 und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2021 in seiner Ortschaft.

Warstein – Dietmar Lange sitzt im Wohnzimmer seines Hauses am Zehnthof und schaut über die Stadt. „Es ist so still, und alles ist wunderschön überzuckert“, beschreibt er seinen Eindruck, den er diesmal allein hat: Wegen der Corona-Pandemie finden die Gespräche mit den Ortsvorstehern in diesem Jahr nur telefonisch statt. Im Jahr 2020 berichteten wir über ihre Bilanzen und Wünsche, als von dem Lockdown im März noch nicht die Rede war. Corona hat alles komplizierter gemacht, persönliche Kontakte werden möglichst vermieden. „Viele Dinge waren kaum vorstellbar in diesem herausfordernden Jahr, im Öffentlichen wie im Privaten“, sinniert Dietmar Lange, bei dem ein privates Ereignis auch ganz anders verlief, als geplant: Am 8. Mai wollte er seinen 60. Geburtstag in großer Gesellschaft in der Sauerlandhalle feiern, am Tag der Fahnenweihe der Junggesellenschützen. Verbunden mit einem Gottesdienst in St. Pankratius, in dem er in seiner damals 44-jährigen Tätigkeit als Organist die Orgel spielen wollte. In der Phase meinte ein Schüler gegenüber dem Oberstudienrat am Mariengymnasiums Lippstadt: „Herr Lange, vielleicht ist das im nächsten Jahr immer noch so.“

Jetzt ist der Ortsvorsteher froh, dass das Jahr um ist und durch die begonnenen Impfungen absehbar ist, dass es wieder zu persönlichen Begegnungen kommen kann. Wenn auch nicht feststeht, wann genau. „Es fehlt, mit und über Leute zu sprechen. Das kann das Digitale doch nie ersetzen.“ Noch zu Beginn des Lockdowns haben unmittelbare Kontakte das Netzwerk „Warstein solidarisch“ auf die Beine gestellt, nach kurzen Gesprächen mit Max Spinnrath für We love Warstein und DRK-Quartiersmanager Robert Heidemann: „Auf unseren Aufruf, sich als Einkaufshelfer für Senioren zur Verfügung zu stellen, haben sich am ersten Tag über 80 Leute gemeldet. Das war fantastisch, das hat mich dankbar und demütig gemacht. Das hat mir gezeigt, welche Bedeutung es hat, in einer Stadt wie Warstein zu wohnen, in der Zusammenhalt und Solidarität funktionieren. Da war ich richtig stolz auf meinen Heimatort. Und froh, dass das auch in allen anderen Ortsteilen schnell funktioniert hat“. Dabei dachte er auch an den gemeinsamen Beschluss der Ortsvorsteher, an einem Wochenende gemeinsam die Fahnen zu hissen.

Neuer Rathausanbau, neu zu gestaltender Markt: Warsteins Innenstadt erfindet sich neu.

Rückblickend stellt er fest, dass es schwierig gewesen sei, nie länger als für drei Wochen etwas planen zu können, weil es immer neue Regelung seitens der Politik gegeben habe. „Aber wir hatten in Warstein das letzte Dreivierteljahr in 2020 kein Problem damit, wir haben alles bewältigt. Wir haben gut umgeschaltet und gut ausgehalten. Es gab keinen großen Protest, keine Querdenkereien. Vielleicht fällt den Menschen hier auf dem Land doch vieles leichter als in der Großstadt“.

Da glaubt Dietmar Lange auch daran, dass bald auch wieder gemeinsam gefeiert werden kann, Anlässe dazu sieht er genug: „Trotz Corona ist die Wäster-Renaturierung vorangeschritten, das neue Feuerwehrgerätehaus wächst, und der Rathaus-Anbau und die Marktplatz-Umgestaltung stehen uns noch bevor“. Gerade der Marktplatz bedeute einen großen Schritt, den die Stadt jahrzehntelang gewollt habe: „Ich bin total überzeugt, dass diese wichtigste städtebauliche Komponente gelingen wird. Dank der Planer und ausführenden Firmen wird der Platz eindeutig gewinnen. Wir können uns auf schöne Dinge freuen und hoffen, dort im zünftigen Rahmen zu feiern. Das haben wir schon oft getan, und derzeit fehlt es sehr“.

Eine ebenso positive Entwicklung sieht Dietmar Lange für die ehemalige Pankratius-Turnhalle auf dem Gelände des Technischen Rathauses, für das er sich eine schöne Umfeldgestaltung vorstellt: „Auf meiner Wunschliste steht, dort eine neue Aufenthaltsqualität zu schaffen“. Das Gelände liege stadtnah und werde den neu gestalteten Innenstadtbereich hervorragend ergänzen.

Die kurzzeitig aufgeflammte Empörung im politischen Raum über die Vorgehensweise bei der Information über die Umgestaltung der Hauptstraße zwischen Domring und Rangekreuzung erwähnte Dietmar Lange nicht, dass er sie aber nicht teilt, machten seine Aussagen zur Verwaltungspitze deutlich: „So führt man eine Stadt! Da gilt mein Dank für die prächtige Arbeit in der Stadtentwicklung, die Führung durch die Corona-Krise und die Arbeit im sozialen Bereich. Was alles sehr verständlich durch eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit dargestellt wird. Entscheidungen werden klar und deutlich kundgetan.“ Das sieht er eben auch für den Hauptstraßen-Umbau, vor dem mit Nachbarn und Anliegern viele Gespräche geführt worden seien: „Bürgerversammlungen, wie wir sie kennen, waren doch gar nicht möglich.“ Die Umleitungen über den Schwarzen Weg und die St. Poler Straße würden große Einschränkungen mit sich bringen, aber: „Wenn wir den Schritt jetzt nicht gehen, dann ist der Zug für Warstein abgefahren. Dann bleiben wir dauerhaft rückständig.“ Woanders habe Innenstadtgestaltung schon längst stattgefunden: „Und wir werden das in Warstein auch schaffen dank der guten planerischen und organisatorischen Vorbereitung: „Der Zeitraum für die Arbeiten ist nicht kurz, aber absehbar. Ich hoffe sehr auf das Verständnis der Bürger, die mit den Dingen leben müssen. Aber wir können uns keine Auszeit nehmen“.

Während er in diesem Fall auf das Durchhaltevermögen der Warsteiner setzt, sieht er bei einem ganz anderen Thema Tatkraft und Einsatzbereitschaft: „Unser Wald macht mir Sorgen. Da sind schreckliche Dinge passiert“. Die Reaktion zeige, dass die Bevölkerung zu ihrem Wald stehe und sich engagiert habe mit Bürgerwald-Baumspenden, über die Bürgerstiftung, in Einzelaktionen oder beispielhaft als Gruppe wie die Schnaodloipers: „Ehrenamt und gesellschaftliches Engagement in Warstein braucht sich nicht zu verstecken. Das ist in manchen Dingen beispielgebend!“

Erfreut hat Dietmar Lange, der in seiner zweiten Wahlperiode als Ortsvorsteher amtiert, das Ergebnis der Kommunalwahl. Das sieht er nicht durch die CDU-Brille, vielmehr freut er sich, dass parteiübergreifend viele junge Leute dabei sind: „Das ist erfrischend und zukunftsfähig!“

Für 2021 wünscht sich Dietmar Lange, dass im Stadtbild Verantwortung des Einzelnen sichtbarer wird und spricht Immobilienbesitzer an, an die er appelliert, dass sie sich um ein schöneres Umfeld kümmern, sei es die Hausfassaden betreffend oder den Müll auf dem Bürgersteig: „Wir müssen alle selbst dafür sorgen, dass wir es schön haben“. Dazu könnte gehören, dass im Stadtgebiet – damit meint Dietmar Lange alle Ortsteile – weitere große (Bilder-)Rahmen aufgestellt werden, wie er es im Sommer auf der Platte getan hat: Angeregt durch zwei solcher Rahmen am Hennesee in Meschede und in Kallenhardt hatte er das auch für die Platte angedacht, und innerhalb von drei Wochen stand das Holzgestell dank der Bereitschaft des Grundbesitzers und der sofortigen Umsetzung in der Schreinerei Tüllmann: „Da schauen viele Leute durch und senden mir die Bilder per Whatsapp. Eine einfache Sache, die freude bereitet“.

Darüber hinaus bewegen ihn zwei Termine, die wegen der Corona-Unwägbarkeiten aber noch in der Schwebe stehen: Am 1. Mai jährt sich zum 100. Mal das Ende des Postkutschen-Zeitalters in Warstein, als die letzte Postkutsche nach Meschede an der Station Stimm Stamm halt machte. Am nächsten Tag begann der Busverkehr. „Es wäre fantastisch, wenn wir am 1. Mai 2021 die Wiedereröffnung der Gaststätte Stimm Stamm und das Jubiläum feiern könnten“.

Ein zweiter Termin wäre sein nachgeholter 60., dann also 60 plus 1-Geburtstag am 8. Mai in der wie für das „Seuchenjahr“ geplanten Form.

Und eigentlich kommt noch ein dritter dazu: „Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, dann gibt es den größten Bürgerfrühschoppen auf dem Marktplatz, den Warstein je erlebt hat!“ Ein Motto hat ihm ein 90-Jähriger gegeben, den Dietmar Lange beim Spazierengehen auf der Platte getroffen hat: „Wöske bleiben!“

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