Einrichtungen wappnen sich

Coronavirus in Warstein: Pflegeheime wollen es Virus schwer machen

Warstein – Die Todesfälle in Würzburg haben gezeigt, welche Folgen eine Corona-Infektion in einem Seniorenheim haben kann. Die Einrichtungen in Warstein versuchen sich, so gut es geht, zu wappnen.

Im LWL-Pflegezentrum an der Lindenstraße in Warstein leben derzeit 115 Patienten stationär und 14 Gäste besuchen die Tagespflege. Das Virus Sars-CoV-2 hat den Normalbetrieb aber außer Kraft gesetzt. 

Während für den stationären Bereich unter anderem ein striktes Besuchsverbot gilt, ist die Tagespflege seit Mittwoch vergangener Woche komplett geschlossen. Nur für Angehörige von Schlüsselpersonen kann eine Notbetreuung angeboten werden. 

„Das stellt eine große Herausforderung für die Angehörigen dar“, sagt Christina Berghoff, Leiterin des LWL Pflegezentrums Warstein. Denn die Angehörigen, die beruflich tätig sind oder dringend eine Entlastung im Alltag brauchen, sind jetzt auf sich gestellt.

Doch eine andere Möglichkeit als die Schließung gebe es nicht: „Es handelt sich um die durch ihre Vorerkrankungen besonders verletzliche Risikogruppe, die wir keiner Gefahr aussetzen wollen. Wir haben mit der Schließung gerechnet und schon am Montag die Angehörigen darauf vorbereitet, dass die jetzt gegebene Situation eintreten könnte." 

Am Dienstagabend sei die Anordnung des Landes erfolgt, die Tagespflege ab Mittwoch zu schließen. „Bei allen damit verbundenen Schwierigkeiten haben die Angehörigen sehr verständnisvoll reagiert. Denn sie sind natürlich auch sehr besorgt. Sie zeigen auch eine große Dankbarkeit für die getroffenen Vorsorgemaßnahmen“, so Christina Berghoff. Zunächst gelte die Schließung bis zum 19. April. 

Im DRK-Seniorenzentrum Henri Dunant am Kahlenbergsweg in Warstein herrschen bereits seit eineinhalb Wochen strikte Besuchsregeln. „Unsere Bewohner dürfen nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Wir versuchen, das Corona-Virus nicht hereinzulassen“, sagt Geschäftsführerin Ute Spork: „Die Situation ist für mich ein Alptraum“. 

Die Angehörigen oder Freunde leiden unter der Situation, aber am meisten natürlich die Bewohner selbst. Der Sicherheit wird aber alles untergeordnet, und auch das Personal versucht, sich als Überträger auszuschließen: „Ich arbeite überwiegend von zu Hause aus, unser Büro ist im Wechsel immer nur mit einem Mitarbeiter besetzt“, so Ute Spork. 

Von 20 auf eine Person geschrumpft ist die Zahl der Tagespflege „Atempause“ des Caritas-Kreisverbandes Soest in Belecke. „Unser Angebot eines Notbetriebes ist nur in einem Fall angenommen worden“, sagt Kreisverbands-Vorstand Bettina Wiebers. 

Eigentlich gilt das grundsätzliche Betretungsverbot des Kreises, Ausnahmen können aber wie bei Schulkindern gemacht werden, wenn die Betreuungspersonen in der Familie in systemrelevanten Berufen tätig sind, oder wenn die häusliche Betreuung zusammenbrechen würde. Die Einschätzung dieser Situation obliegt der Leitung der Tagespflege. 

Bettina Wiebers: „Wir hoffen, dass sich die Situation bis zum 19. April wieder bessert. Aber wer weiß das schon?“

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