"Wachsen mit den Aufgaben"

Corona in Warstein: Auch für Seniorenheime im Stadtgebiet ist zurzeit vieles anders

Warstein – Fast drei Wochen besteht das Besuchsverbot in Altenheimen und in den vergangenen Tagen wird in dramatischer Weise deutlich, warum solche Einrichtungen besonders drastischen Schutz benötigen.

Das Zitat „Es geht um Leben und Tod“ von Ministerpräsident Laschet trifft nirgendwo so zu, wie hier. Das wissen besonders die Verantwortlichen. 

„Wir hoffen, dass dieser Kelch noch lange an uns vorbei geht“, sagte Kaspar Gröblinghoff, Inhaber des Seniorenzentrums Möhnetal, zu der angespannten Situation. „Wir sind übervorsichtig“, schilderte er.

62 ihm und seinem Mitarbeiterteam anvertraute Bewohnerinnen und Bewohner leben im fast noch nagelneuen Gebäude am Sichtigvorer Kreisel seit Mitte März in Isolation. „Aber eigentlich läuft im Haus alles normal.“ 

Außer eben, dass keiner mehr Besuch bekommt. „Die Angehörigen fehlen“, schildert Kaspar Gröblinghoff. So gut es geht, versucht das Team, dies zu kompensieren. „Jeder Bewohner hat ein Telefon auf dem Zimmer“, sagt Gröblinghoff. 

Auch über Video-Telefonie können die Angehörigen Kontakt halten. Beim Anruf einer bestimmten Nummer geht ein Mitarbeiter zum betreffenden Bewohner aufs Zimmer und richtet das Video-Gespräch ein. „Die Angehörigen gehen mit der Situation ganz phantastisch um“, ist Kaspar Gröblinghoff voll des Lobes. 

Den Gröblinghoff-Bewohnern kommen in dieser Situation die optimalen Bedingungen des Neubaus zugute. Jeder hat ein Einzelzimmer und wer Luft holen möchte, kann auch auf die Terrasse gehen. 

Auch bei den Sicherheitsvorkehrungen sind die Einzelzimmer von großem Wert. Falls ein Bewohner erkranken würde, wäre er automatisch isoliert. Zudem ist es ein leichtes, im Haus die Einheiten von jeweils zwölf Zimmern voneinander abzuschotten. 

Wie man sich am besten rüstet, darüber berät tagtäglich das „Pandemieteam“. Bislang geht es dabei in erster Linie um Vorsorge – und um das Thema Beschaffung von Schutzausrüstung. „Das waren früher Pfennigartikel“, weiß Kaspar Gröblinghoff. Inzwischen ist es schwierig, Nachschub zu bekommen. „Wir sind aber noch recht gut aufgestellt.“ 

Was Mundschutz angeht, ist man gern dem Angebot nachgekommen, diesen privat „im Familien- und Freundeskreis“ nach Vorlage nähen zu lassen. Weil dazu auch noch farbenfrohe Stoffe genommen wurden, „sieht er jetzt bunt und lustig aus“, so Gröblinghoff. „Das schont Ressourcen.“ Für gewisse Anwendungen muss natürlich professioneller Schutz her. 

Viel Zuspruch von außen , habe es in den vergangenen Tagen gegeben. Die 4. Klasse der heimischen Grundschule hat für die alten Leute gemalt. Das werde in der Osterwoche gewiss für Freude sorgen, ist er überzeugt. „Und es ist mal eine Abwechselung“.

Erfahrungen hat das Team mit früheren Grippewellen und auch schon einmal mit dem Noro-Virus. Diese Bedrohung ist aber neu. Wobei bis jetzt gilt: „Der Betrieb läuft ganz normal.“ Gröblinghoff ist wichtig, „dass wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Boot haben.“ Für ihn gilt: „Wir wachsen mit den Aufgaben...“ 

Auch im DRK-Seniorenzentrum Henri Dunant in Warstein herrscht höchste Sicherheitsstufe. Und das findet große Zustimmung. „Wir haben von vielen Angehörigen die Rückmeldung bekommen, dass sie froh sind, dass wir so früh zugemacht haben“, berichtet Geschäftsführerin Ute Spork. 

Wie im Seniorenzentrum Möhnetal ist auch das DRK-Seniorenzentrum Henri Dunant mit seinen 80 Bewohnerinnen und Bewohnern vom Coronavirus bislang verschont geblieben. „Wenn ich an sowas denke, wird mir ganz anders“, gesteht Ute Spork. 

Eine besondere Herausforderung ist in diesen Zeiten die Beschäftigung mit den alten Leuten. Hier sei der „Soziale Dienst voll im Einsatz“. 

Das Telefon ist auch in Warstein die Nabelschnur nach außen. „Viele Angehörige sorgen sich und rufen gern an“, so Ute Spork. „Das tut den Bewohnern, aber auch den Angehörigen gut.“ 

Video-Telefonie ist in der DRK-Einrichtung ebenfalls angedacht, noch fehlt allerdings die Technik 

hierzu. Dafür soll jetzt eine Aktion starten, mit der die alten Leute ganz viel anfangen können. „Wir möchten dazu einladen, unseren Bewohnern Briefe zu schreiben“, schildert Ute Spork. Gerade in der Osterzeit sei dies eine schöne Sache.

Große Freude hat im DRK-Seniorenzentrum die Unterstützung durch den DRK-Ortsverein hervorgerufen. Die selbst geschneiderten Masken der Ehrenamtlichen helfen nicht nur, die Vorräte zu schonen. „Sie bringen auch Farbe in diese triste Zeit“, ist die Geschäfstführerin voll des Lobes.

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