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Corona-Lage: Friedchen‘s und Wästerliebe in Warstein schließen vorübergehend

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Von: Alexander Lange

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Kai Fräder, Koch im Friedchen’s, schließt ab der kommenden Woche vorläufig bis März. Grund ist die Corona-Situation.
Kai Fräder, Koch im Friedchen’s, schließt ab der kommenden Woche vorläufig bis März. Grund ist die Corona-Situation. © Alexander Lange

Keine Aushilfskräfte, Umsatzeinbußen, 2G-plus: Den Gastronomen in Warstein geht es aktuell schlecht. Zwei Betriebe schließen sogar vorübergehend.

Warstein – Um das Essen aus der Küche auf den Tisch, das frischgezapfte Bier aus dem Hahn an den Platz zu bringen, braucht es viele fleißige Hände. Doch die fehlen vielen Gastronomen im Stadtgebiet aktuell. Durch vergangene Lockdowns, zwischenzeitliche Schließungen und Co. haben etliche Aushilfskräfte einen neuen und vermeintlich sichereren Arbeitsplatz gesucht und gefunden. Hinzu kommen verschärfte Corona-Regeln, Umsatzeinbußen und fehlende Perspektiven. Die Gastronomen stehen vor der Frage: Wie kann ich den Betrieb am Laufen halten?

Wästerliebe in Warstein

Ja, das Thema beschäftigt Verena Adler, Inhaberin der Wästerliebe im Warsteiner Dieploh. Doch das Problem seien aktuell nicht die fehlenden Aushilfen – „zumindest bisher nicht“, sagt Adler: „Denn die sind Gold wert und halten in schwierigen Zeiten die Wästerliebe am Laufen.“ Das größte Problem sei aktuell, geschultes Fachpersonal zu akquirieren: „Aufgrund der Corona-Pandemie ist eine Menge geschultes Fachpersonal abgewandert, hat die Branche gewechselt oder sich umschulen lassen.“

Verena Adler schließt vorerst „ihre“ Wästerliebe, mindestens bis zum Februar.
Verena Adler schließt vorerst „ihre“ Wästerliebe, mindestens bis zum Februar. © Alexander Lange

Die Folgen? „Ohne das richtige Personal und in Anbetracht der starken Umsatzeinbrüche – viel auch durch 2G und jetzt 2G-plus – wird die Wästerliebe auch in diesem Jahr sehr kämpfen müssen.“ Vorerst wird die Wästerliebe deshalb schließen. Den kompletten Januar, danach werde man weitersehen – „aktuell ist es einfach unwirtschaftlich“.

Gasthof Hoppe in Belecke

So hart wie viele Kolleginnen und Kollegen hat es Anne Schulte glücklicherweise nicht getroffen, wie sie sagt. Zwar sei es „sehr schwierig“, Mitarbeiter für die Morgenstunden im Hotelbetrieb zu finden, doch im Service haben ihr alle die Stange gehalten. Woran das liegt? „Ich weiß es nicht. Aber ich kann glaube ich sagen, dass das Arbeitsklima bei uns sehr gut ist.“ Und viele der Aushilfskräfte seien schon lange dabei, hätten sich deshalb nicht gleich nach einer neuen Stelle umgeschaut: „Zum Beispiel im Service vorne arbeiten drei junge Mädels auf 450-Euro-Basis. Die haben die schwierige Zeit in Kauf genommen.“

Haus Cramer Gaststätten

Ganz anders geht es Simone Pollmann-Schweckhorst, Geschäftsführerin der Haus-Cramer-Gaststätten. Ihr fehlen „erheblich viele“ Kräfte in Plückers Hoff, im Sudhaus und Co. Die seien in den vergangenen Monaten entweder abgewandert oder von Personaldienstleistern abgeworben worden: „Na klar, wir konnten sie während der Schließungen nicht einbinden, ihnen fehlte das monatliche Geld. Das können sie woanders einfacher und mit vermeintlich angenehmeren Arbeitszeiten viel besser verdienen.“ Ihr seien da die Hände gebunden, sie bemühe sich durchgehend, Abhilfe zu schaffen: „Aber wenn dir ein Drittel wegfällt aus unterschiedlichen Gründen, dann stellt dich das vor Probleme. Auch wenn wir dagegen ankämpfen.“

Öffnungszeiten habe sie bereits anpassen müssen, die Warsteiner Welt könne sie nicht mit Personal bedienen, das Sudhaus befinde sich aktuell in den Betriebsferien. Grund dafür seien die verschärften Corona-Regeln, und „die Leute müssen Urlaub machen“, so Pollmann-Schweckhorst. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um dann, wenn es die Pandemie wieder zulasse, richtig durchstarten zu können. Wobei nach wie vor die Frage bleibe, ob die Gäste alle wiederkommen: „Und unsere Branche wird ja immer genutzt, um Druck auszuüben, das finde ich nicht fair.“

Um dem akuten Personalmangel vorzubeugen, will Pollmann-Schweckhorst in den Betrieben nun selber ausbilden. Klar sei: Ohne Fachkräfte und Aushilfen funktioniere keine Gastronomie. Im Saarland beispielsweise würden zahlreiche Restaurants am Wochenende gar nicht mehr öffnen.

Friedchen’s Gasthof & Bikertreff

Bis mindestens März schließt Friedchen’s Gasthof & Bikertreff in Niederbergheim. „Es geht so nicht mehr“, sagt Koch Kai Fräder: „Der Betrieb ist inzwischen vollkommen unwirtschaftlich geworden.“ Das habe mit Einführung der 2G-plus-Regelung im Herbst begonnen. Ab dann habe sich der Umsatz monatsweise halbiert. Zudem wurden Weihnachtsfeiern und Reservierungen von größeren Gruppen storniert: „Wir haben das Gefühl, dass die Politiker uns als Druckmittel nutzen, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Uns wird der Schwarze Peter zugeschoben.“

Das Ergebnis habe man nun in Form der krankenden Gastronomie. Einige Monate haben Fräder und Kollegen überlegt, wie es weitergehe, sich schlussendlich aber entschieden, zu schließen. Vorübergehend bis März vorerst, geknüpft an die Hoffnung auf eine Entschärfung der Corona-Regeln: „Wir schicken unsere Mitarbeiter jetzt in Kurzarbeit, stocken das Geld aber auf 100 Prozent des Netto-Gehaltes auf.“ Der Betrieb werde heruntergefahren, um die laufenden Kosten möglichst klein zu halten: „Das ist ärgerlich und tut weh. Vor allem, weil wir einen tollen Sommer und Herbst hatten, es lief wirklich gut.“

Aber aufgrund der strengen Corona-Regeln blieben die Kunden nunmal aus. Es schrecke ab: „Teilweise haben uns die Kunden angerufen und gefragt, welche Regeln bei uns gelten. Aber wir haben uns von Beginn an an alle Regeln gehalten, sind alle geboostert und testen uns täglich vor Betriebsbeginn.“

Die zwischenzeitliche Schließung nun habe natürlich auch mit Frust zu tun, keine Frage. Die Resonanz der vielen Gäste sei aber durchweg positiv: „Es bedauern alle, aber sie zeigen genauso Verständnis.“Auch sie seien frustriert von der aktuellen Corona-Situation.

Bis einschließlich Sonntag hat Friedchen’s in Niederbergheim noch geöffnet, am kommenden Montag wird geschlossen. Auf keinen Fall aber für immer, das macht Kai Fräder deutlich: „Wir kommen auf jeden Fall wieder, das steht nicht zur Debatte. Und zwar mit Vollgas, aber diese Pause brauchen wir jetzt auch einfach einmal.“

2G-plus in der Gastronomie mit Ausnahme

In NRW gibt es strengere Corona-Regeln für die Gastronomie: In Restaurants, Bars, Cafés und Gaststätten gilt seit dem 13. Januar 2G-plus. Zugang haben also nur noch Geimpfte und Genesene mit einem negativen Corona-Test. Begründet wird das damit, dass nicht durchgehend ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden kann.

Eine Ausnahme gibt es in Nordrhein-Westfalen aber: Wer geboostert ist, braucht keinen Test mehr. Dehoga-NRW-Sprecher Thorsten Hellwig sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Verschärfung der Corona-Auflagen für Gäste in Restaurants und Co. wieder ein Schlag ins Kontor sei. Die bis kürzlich für die NRW-Gastronomie geltende Vorgabe „2G“ - also Zutritt nur für Geimpfte und Genese - habe bereits große Umsatzverluste mit sich gebracht.

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