„Keiner macht es so nebenbei“

Corona-Impfung: Enorme Mehrbelastung für Hausärzte

In der Praxis von Hausärztin Antonia Stahl erhält ein Patient eine Impfung mit dem Vakzin von Astrazenca. Die regulären Impfungen in Arztpraxen beginnen in diesen Tagen.
+
Die Vorbereitungen der Impfung nehmen viel mehr Zeit in Anspruch, als der Piks selbst. Insbesondere das Ausfüllen der Formulare, die Beratung und die Meldungen nehmen viel Zeit in Anspruch. 

„Man wird von Tag zu Tag routinierter“, sagt Hausarzt Dr. Matthias Becher. Und dennoch sind die Belastungen, die die Corona-Impfkampagne den niedergelassenen Ärzten und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufbürdet, enorm.

Warstein –Seit Dienstag nach Ostern sind die Hausarztpraxen in die Impfkampagne mit eingebunden. Gut ein Dutzend Praxen in Warstein und Rüthen machen schon mit, ein weiteres Dutzend hat gerade mit dem Impfen begonnen oder steht in den Startlöchern.

Schon früh waren die örtlichen Frauenarztpraxen eingestiegen, weitere Facharztpraxen folgen nun. Was weiter eine große Unwägbarkeit darstellt, ist die Menge des Impfstoffs, die den Praxen zur Verfügung gestellt wird. In den ersten vier Wochen sei dies stark schwankend gewesen, hätten die Mengen zwischen 6 und 30 Impfdosen variiert – wohlgemerkt pro Woche, berichtet Dr. Becher.

In Kürze impfen auch die Fachärzte

„Wir haben das teilweise unterschätzt“, schildert der Warsteiner Mediziner im Rückblick auf die ersten vier Impfwochen. Sonderschichten mit vielen Überstunden bis in die Nacht hinein mussten eingelegt werden. Jeder Arzt muss die Patienten nach den Vorgaben der Verordnung auswählen. „Wir führen eine Warteliste und achten darauf, die Reihenfolge einzuhalten.“ Bei den Patienten seien viele Missverständnisse auszuräumen.

„Es gibt viel Erklärungsbedarf, insbesondere zum Impfstoff Astrazeneca“, berichtet Dr. Becher. Zudem seien sechs Seiten Aufklärungsformulare auszufüllen. „Das Impfen, der Stich in den Oberarm, ist dabei das kleinste Übel.“ Anschließend müsse der Patient noch 15 Minuten beobachtet werden und dann seien die Praxen noch verpflichtet, die erfolgte Impfung an zwei verschiedene Stellen zu melden.

Allein die Auswahl der Impflinge sei schwierig. „Das schlaucht sehr“, berichtet er aus der Erfahrung der ersten Wochen. „Unsere medizinischen Fachangestellten sind stark belastet.“ Schließlich, so Dr. Becher, „werden die anderen Krankheiten ja nicht weniger.“ Die Corona-Impfungen müssten ja zusätzlich laufen. Und das sei mit den Grippe-Schutzimpfungen überhaupt nicht vergleichbar. „Der Unterschied zur Grippeimpfung ist einfach: Da ist es nur der Stich in den Arm.“

Wichtige Infos auf Homepage des Kreises

Inzwischen aber habe sich, so Dr. Becher, vieles eingespielt. „Wir haben uns daran gewöhnt und werden von Tag zu Tag routinierter.“ Das betrifft auch die Beschaffung des Impfstoffs. „Wir bestellen dienstags bei den Apotheken. Am Donnerstag bekommen wir die Größenordnung der nächsten Lieferung mitgeteilt – und sehen am folgenden Dienstag, was tatsächlich geliefert wird.“ Leider gebe es noch keine sichere Planbarkeit.

Als wichtige Informationsquelle legt Dr. Matthias Becher seinen Patienten den Internetauftritt des Kreises Soest ans Herz. „Dort gibt es die Informationen darüber, welche Gruppen dran sind.“ Zudem sind dort Formulare verfügbar, aktuell etwa für Kontaktpersonen von Schwangeren oder Pflegebedürftigen. Dr. Becher hält es für sinnvoll, dass „die Impfzentren die führende Rolle behalten.“ Alle, die bislang noch nicht in der Priorisierung sind, bittet er um Verständnis und Geduld. So wie sich der Ablauf einspiele, zeige sich, dass das Impftempo Fahrt aufnehme.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare