Bürger Pietrapaolas geschockt von Festnahme des „Cabaliere“

Die Staatsanwaltschaft wirft Nicola Flotta vor, Hochzeiten für Angehörige eines Mafia-Clans mit bis zu 500 Personen kostenlos ausgerichtet zu haben, für die ihm dann andere Gesellschaften vermittelt wurden. - Archiv-Foto: Schmallenberg

Warstein/Pietrapaola -  Die Bürger von Warsteins Partnerstadt Pietrapaola sind geschockt von der Festnahme des vom italienischen Staatspräsidenten für seine sozialen Verdienste als „Cabaliere“ ausgezeichneten Nicoa Flotta im Zuge der internationalen Anti-Mafia-Polizeiaktion „Styx“, auf italienisch „Stige“ am Dienstag dieser Woche.

Ein sehr enger Freund in dem kalabrischen Küstenort bezeichnete die Verhaftung als „sehr übertrieben“. Sie sei auf der Grundlage eines besonderen italienischen Gesetzes geschehen. Nicola Flotta sitzt derzeit im Gefängnis der Stadt Consenza in Kalabrien ein: „Am Tag, wenn er daraus entlassen wird, dann feiern wir in Pietrapaola ein großes Fest!“

Nicola Flotta sei „als kleiner Fisch im Netz der Großen“ gelandet. Ihm werde vorgeworfen, zum Beispiel Eltern, die für die Tauffeier ihres Kindes nicht genügend Geld gehabt hätten, kostenlos in sein Schloss im Nachbarort Mandatorricio eingeladen zu haben: „Das hätte er nicht tun dürfen“, so unser Gesprächspartner. Offensichtlich sei Flotta mehrere Jahre lang von der Polizei beobachtet worden, weil zu seinen Gästen Leute gehört hätten, die in „krumme Geschäfte“ verwickelt gewesen seien: „Damit hatte Nicola aber nichts zu tun“, ist unser Gesprächspartner überzeugt: „Wenn in meinen Laden jemand kommt, dann ist er ein Kunde. Mehr nicht.“

Viele Warsteiner Freunde hätten die Großzügigkeit Flottas kennen und schätzen gelernt. Derzeit ist der Komplex mit Restaurants, Festsälen und Suiten für Hochzeitspaare geschlossen. Wie lange das so sei, wusste unser Gesprächspartner nicht einzuschätzen, nannte das Fehlen des Besitzers aber als „schlimm für seine Angestellten“. Sie gehörten 60 Familien aus der Umgebung an, Nicola Flotta ist ein bedeutender Arbeitgeber: „Er hat für jeden Menschen ein gutes Wort und eine gute Tat.“ In Pietrapaola seien alle von seiner Unschuld überzeugt.

Neben Nicola Flotta wurden im Zuge der Aktion „Stige“ der Bürgermeister von Mandatorricio und vier Gemeinderäte des Ortes verhaftet worden.

Noch bis zum heutigen Samstag hält sich Franco Capalbo aus Belecke, Beisitzer im Vorstand der Warsteiner Europafreunde und für die Kontaktpflege mit Pietrapaola, noch in seiner Heimat auf und wird am Wochenende zurückerwartet. Er teilte der WEF-Vorsitzenden Birgit Wüllner mit, dass Flotta noch in Untersuchungshaft sitze, aber keine Vorwürfe gegen ihn vorlägen. „Wir können ohnehin nichts anderes tun, als abzuwarten“, schätzte Birgit Wüllner die Situation ein. Nach Franco Capalbos Rückkehr werde sie mehr erfahren.

Die Tageszeitung il Quotidiano berichtet in ihrer Ausgabe für Stadt und Region Consenza, dass Flotta vorgeworfen wird, seit 2003 Verbindungen zur Mafia zu haben. Die Angehörigen des Clans des in Haft sitzenden Capo (Chef) Giuseppe Farao seien im „Castello“ (Schloss) von Flotta kostenlos bewirtet worden, auch habe er kostenlos Hochzeiten mit bis zu 500 Gästen ausgerichtet: Im Gegenzug seien ihm große Gesellschaften „vermittelt“ worden.

Nachdem ein Mitglied des Clans sich gegenüber der Staatsanwaltschaft geäußert hatte, waren Telefongespräche von Nicola Flotta abgehört und gegen ihn verdeckt ermittelt worden. Laut des Presseberichts hat sich die Staatsanwaltschaft noch nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert.

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