„Brocken eingesammelt und dann fuhren sie weg“

Borghild Hantke zeigt den 10-Kilogramm Stein, der auf der Weide am Röntgenweg gefallen war.

WARSTEIN ▪ Dass bei Sprengungen immer ein Fahrzeug der Firma Brühne auf dem Rangetriftweg am Straßenrand stand und trotzdem keine Absperrungen vorgenommen wurden, wunderte Hubert Sina schon längere Zeit.

Seit der pensionierte Polizeibeamte am Mittwochmorgen Augenzeuge eines lebensgefährlichen Steinfluges wurde, ahnt er, warum. „Die sind losgefahren, haben die dicken Brocken eingesammelt und fuhren weg.“ Diesmal jedoch reichte das Firmen-seitige Beseitigen der Spuren der Fehlsprengung im Steinbruch Kupferkuhle nicht aus, um weitreichende Konsequenzen zu vermeiden. Hubert Sina, dem ein Fußball-großer Gesteinsbrocken und zahlreiche kleinere Geschosse in Form eines Steinregens direkt vors Auto fielen, schaltete die Behörden von der Polizei über Stadt und Kreis bis hin zum Amt für Arbeitsschutz ein. Die Gefährdung, die sich für Menschen ergebe, sei nicht mehr hinnehmbar, sagte Sina gestern zu unserer Zeitung.

Nicht nur er war am Mittwochmorgen durch den unerwarteten Steinregen massiv gefährdet, nachdem der große Stein vor seinem Auto am Ende des Müscheder Weges nieder gegangen war, konnte er kaum 50 Meter vor sich die nächste Beinahe-Katastrophe auf dem Rangetriftweg beobachten. Ein Transporter der Firma Krewitt aus dem Enkerbruch musste ebenfalls einem fliegenden Stein ausweichen. „Das war ein richtig großer Brocken“, so Hubert Sina. Mit einer geschätzten Kantenlänge von 30 Mal 30 Zentimetern hatte er fast schon die Ausmaße eine Medizinballes. „Der Bulli konnte noch so eben ausweichen“, sagte Hubert Sina. Steinhagel ging auch auf den Fuß- und Radweg nieder, der an dieser Stelle beginnt und parallel am Rangetriftweg entlangführt. Nicht auszudenken, wenn gerade in diesem Moment an diesem von vielen Spaziergängern genutzten Weg Betrieb gewesen wäre.

Keine Augenzeugen gab es auf einer Weide am Röntgenweg, wo ein zehn Kilogramm schwerer Stein nieder gegangen ist. Die frische Einschlag-Spur im Boden weist aber direkt in Richtung der Sprengung. Während am Rangetriftweg helles Quarzgestein durch die Luft flog, schlug hier ein dunkler Stein ein, der sogar kleinere grüne Stellen aufweist und offenbar aus einer oberen Schicht stammt. Die Anwohner haben ebenfalls die Behörden eingeschaltet und formulierten gestern nebenstehende Erklärung.

Am Rangetriftweg war gestern die Einschlagstelle des größten Felsbrockens noch gut im Asphalt zu erkennen. Kleinere Gesteinsreste waren noch auf dem Bankett zu finden. Was die Brühne-Leute nicht mitgenommen hatten, war später von den Mitarbeitern des Amtes für Arbeitsschutz sicher gestellt worden. Sie hatten unverzüglich den Steinbruch stillgelegt und am nächsten Tag die dauerhafte Sperrung für den betroffenen Bereich ausgesprochen, damit ein Gutachter nun genau untersuchen kann, wie es zu der Fehlsprengung mit Gefahr für Leib und Leben gekommen ist.

Verärgert ist Hubert Sina über die Reaktion von Brühne-Betriebsleiter Dr. Heinz Bauer. Er traf seinen Sangesbruder am Abend bei der Chorprobe und hörte von ihm ein lapidares „Es ist doch nichts passiert.“ Wer, so Sina, wundere sich dann, dass die Bevölkerung immer vehementer gegen den Steinabbau zu Felde ziehe?

Unsere Zeitung bemühte sich auch gestern vergeblich um eine Stellungnahme der Firma Brühne. Heftige Kritik an Brühne gab es auch aus dem Rathaus. „Führen da die richtigen Fachleute die Sprengung durch?“, fragte Bürgermeister Manfred Gödde. „Ich fordere, dass da massiv eingegriffen wird.“

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