Letzter Arbeitstag für Zahnarzt in Suttrop

Bohrer-Übergabe in Zahnarztpraxis: Sven-Eric Kühn Nachfolger von Dr. Thomas Walther

Bohrerübergabe in der Zahnarztpraxis: Sven-Eric Kühn tritt am 1. Mai die Nachfolge von Dr. Thomas Walther an.
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Bohrerübergabe in der Zahnarztpraxis: Sven-Eric Kühn tritt am 1. Mai die Nachfolge von Dr. Thomas Walther an.

Suttrop – Würde es nach dem Terminkalender gehen, dann würde Dr. Thomas Walther am heutigen Freitag um 11 Uhr zum letzten Mal in seiner ihm eigenen, ruhigen Art sagen: „Bitte den Mund weit öffnen...“ Nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten hat der Zahnarzt seinen letzten Arbeitstag, übergibt anschließend seine Praxis in der Suttroper Kreisstraße 83 an Nachfolger Sven-Eric Kühn. Dass wirklich schon Mittags Feierabend ist und keine Schmerzpatienten mehr spontan den Fachmann um Hilfe bitten, davon ist auch an diesem Tag nicht auszugehen: „Irgendwas kommt immer noch“, weiß der 63-Jährige aus Erfahrung – und wenn es an diesem Tag auch nur die zahlreichen guten Wünsche sein werden, die seine Ehefrau Ingrid und ihn in den wohlverdienten Ruhestand begleiten...

Gerne hätten Ingrid und Dr. Thomas Walther mit ihrem Praxisteam und weiteren Wegbegleitern diesen besonderen Tag gefeiert: „Es wird keine Abschiedsparty geben können“, so Ingrid Walther, „da sind wir schon alle traurig drüber.“ Zumal schon viele gute Ideen in den Köpfen gewachsen waren – sowohl bei den acht Damen aus der Praxis („Wenn Sie mal gehen...“) als auch bei Patienten („Die wollten sich hinstellen und singen...“). Corona macht den Abschied jetzt anders: Schon in den letzten Tagen gab es viele gute Wünsche bei Besuchen in der Praxis wie auch am Telefon, die Mitarbeiterinnen reckten auf einem Abschiedsfoto ihre Daumen hoch für ihren tollen Chef. Gerne hätten sie noch mit ihm ein Erinnerungsbild gemacht statt einer Collage, doch auch zum Abschied werden die Hygienevorschriften natürlich nicht außer Kraft gesetzt. Und so gibt es für die Presse lediglich ein gemeinsames, maskenloses Foto der beiden Zahnärzte – beide geimpft, frisch getestet und mit Abstand. Nachgeholt werden soll aber die Abschiedsfeier mit dem Praxisteam: „Wir haben da schon was im Kopf...“

Leichter machen die besonderen Umstände den heutigen Tag nicht. „Der Abschied ist so schwer“, fasst es Ingrid Walther zusammen. Ein Grund dafür sind natürlich die langjährigen Patienten, „bei denen ich mich herzlich für die vielen Jahre der Treue bedanke“, so Dr. Thomas Walther. Und dann sind da auch noch die „acht netten Damen“, das Praxisteam: „Die meisten sind schon 30 Jahre dabei, einige sogar noch länger. Zwei sogar vom ersten Tag an.“ Und sie werden auch noch länger bleiben, denn Sven-Eric Kühn übernimmt nicht nur die Praxis, sondern auch das komplette Personal.

Während andere Praxen teilweise jahrelang nach Nachfolgern suchen, dauerte das bei Dr. Thomas Walther nur zwei Tage: „Wir waren im Urlaub und hatten noch nicht damit gerechnet“, erinnert sich Ingrid Walther an die schnelle Resonanz auf ihre Such-Anzeige. Das persönliche Kennenlernen verlief ebenso wie die fachlichen Gespräche positiv, schnell wurde man sich einig, so dass man jetzt die Praxis „mit einem guten Gefühl übergeben“ kann an Sven-Eric Kühn. 23 Jahre lang betrieb er eine Zahnarztpraxis in Krefeld, nun zieht das Hobby den 51-Jährigen ins Sauerland: die Jagd. Seit fünf Jahren hat er ein Revier in Olsberg, jetzt folgen der Arbeitsplatz in Warstein und das neue Zuhause in Bestwig. An diesem Wochenende vor dem Arbeitsstart am Montag erfolgt der letzte Möbeltransport. Neben der allgemeinen Zahnheilkunde ist der Vater zweier erwachsener Söhne spezialisiert auf Wurzelbehandlungen, Schlafzahnmedizin zur Schnarchbehandlung sowie auf Implantate. Neben dem neuen Namen auf dem Praxisschild wird es noch eine weitere Änderung geben – die Praxiszeiten (Montag, Dienstag, Donnerstag von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag von 8 bis 13 Uhr) wurden etwas erweitert.

Wenn Dr. Thomas Walther fortan die Praxis betritt, dann eigentlich nur noch als Patient bei seinem Nachfolger. Es sei denn, Sven-Eric Kühn liegt krankheitsbedingt danieder, dann steht der ehemalige Truppenzahnarzt „Bohrer bei Fuß“. Ansonsten will er nach den vielen Jahren mit oft langen Arbeitstagen den Ruhestand genießen: im eigenen Garten, mit den Familien ihrer beiden Kinder, im Ballonkorb.

„Das schönste ist, dass ihr jetzt mehr Zeit habt zum Spielen“, hatte erst vor wenigen Tagen Enkelin Loreen diesem letzten Arbeitstag von Oma und Opa entgegen geblickt. Die Vorfreude darauf ist nicht nur bei der Sechsjährigen vorhanden, sondern auch bei den zweifachen Großeltern. Doch auch hier sind es aktuell die Corona-Einschränkungen, die noch zwischen Wunsch und Wirklichkeit stehen. Wie auch beim großen Hobby, dem Ballonsport. Während der Warsteiner Internationalen Montgolfiade Urlaub zu nehmen, war nicht drin, lediglich ein paar Stunden wurden abgezwackt. Und so hat Corona zumindest doch noch etwas gutes, denn wenn 2022 endlich die zweimal verschobene 30. Montgolfiade stattfindet, kann der Ballonpilot das Jubiläumsspektakel endlich vom ersten bis zum letzten Tag genießen und aus dem Korb heraus auf das ihm zur Heimat gewordene Warstein herab blicken.

Diese Heimat will er auch jetzt im Ruhestand nicht verlassen. „Was soll ich denn am Bodensee?“, entgegnete Dr. Thomas Walther Nachfragen, ob er sich nicht wie andere Ärzte im Ruhestand anderswo ein nettes Domizil zulegen wolle. Als seine Frau und er jung waren – der gebürtige Darmstädter zog damals zu seiner großen Liebe nach Warstein – wollten sie eigentlich nach Hamburg, wo heute ihr Sohn lebt, sind dann aber doch hier „hängengeblieben“. Und sie haben es bis heute nicht bereut, haben hier viele Freunde gefunden und sich stets wohlgefühlt. Auch bedingt durch ihre Arbeit in der Zahnarztpraxis, wo Beruf auch gleich Berufung war. Und daher geht heute von beiden ein „Dank an unsere lieben Patienten und unser tolles Team“.

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